31 Juli 2022

Selenskyj will Donbass evakuieren – Die Nacht im ├ťberblick

Der ukrainische Pr├Ąsident Wolodymyr Selenskyj hat angesichts der massiven Angriffe der russischen Armee im Osten des Landes die Menschen zum Verlassen des Gebiets Donezk aufgerufen.

„Im Donbass sind Hunderttausende Menschen, Zehntausende Kinder, viele lehnen es ab zu gehen“, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache am Samstag. Er appellierte eindringlich an die Bewohner des Donbass, diese Entscheidung zu treffen. „Glauben Sie mir“, sagte er in flehendem Ton. „Je mehr Menschen aus dem Donezker Gebiet gehen, desto weniger Leute kann die russische Armee t├Âten.“ Der Sonntag ist der 158. Tag des Krieges.

Zuvor hatte die ukrainische Regierung eine verpflichtende Evakuierung angeordnet mit der Begr├╝ndung, dass die B├╝rger sich vor Beginn der Heizsaison rechtzeitig in Sicherheit bringen m├╝ssten, da die Gasleitungen durch den Krieg im Gebiet Donezk zerst├Ârt seien. Selenskyj betonte nun, dass alles organisiert werde f├╝r die Flucht der Menschen aus den von der Ukraine noch kontrollierten Gebieten.

Ukrainische Regierung verspricht Menschen aus Donbass Hilfe

Der Pr├Ąsident beklagte demnach, dass viele B├╝rger noch immer nicht einsichtig seien. „Brechen Sie auf, wir helfen“, sagte er. „Wir sind nicht Russland ÔÇô eben weil f├╝r uns jedes Leben wichtig ist.“ Nach Angaben der ukrainischen Regierung sind 52.000 Kinder in der Region, die dringend in Sicherheit gebracht werden m├╝ssten.

Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk, die den Evakuierungsstab leitet, betonte, dass Menschen, die bleiben wollten, eine Erkl├Ąrung unterschreiben m├╝ssten, dass sie sich der Gefahr f├╝r ihr Leben bewusst seien. Sie warnte, dass es keine Heizung geben werde im Winter. „Im Donezker Gebiet fehlt vollkommen der Gasanschluss, alle Gasleitungen, die repariert werden mussten, wurden repariert. Aber leider zerst├Ârt der Feind immer wieder alles, was den Menschen helfen w├╝rde, sich im Winter aufzuw├Ąrmen“, sagte sie im Einheitsfernsehen.

Selenskyj fordert Westen nach T├Âtung von Gefangenen zum Handeln auf

Selenskyj bezeichnete Russland einmal mehr als einen „Terrorstaat“ und forderte die internationale Gemeinschaft auf, das Land zu isolieren. Wenn Russland von den USA als „Terrorstaat“ eingestuft werde, w├╝rden alle Partner die Verbindungen mit dem Land kappen.

Der Pr├Ąsident verurteilte noch einmal mit Nachdruck die T├Âtung von ukrainischen Kriegsgefangenen in einer von prorussischen Separatisten kontrollierten Haftanstalt in Oleniwka im Gebiet Donezk. Nach russischen Angaben wurden dort am Freitag 50 Gefangene durch einen Raketenangriff von ukrainischer Seite get├Âtet. Die Ukraine wiederum wirft Russland vor, die Soldaten gezielt get├Âtet zu haben. Die Angaben waren nicht unabh├Ąngig ├╝berpr├╝fbar.

Das russische Verteidigungsministerium teilte am Sonntag mit, dass Vertreter der Vereinten Nationen und des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz eingeladen seien, den Angriff in Oleniwka zu untersuchen. Eine solche Untersuchung hatte auch die Ukraine verlangt.

„Das ist ein Massenmord“, sagte Selenskyj in seiner Videobotschaft zur T├Âtung der Gefangenen. Je schneller Russland als „Terrorstaat“ eingestuft werde, desto rascher werde die Welt vor dem „B├Âsen“ gesch├╝tzt. Nur so k├Ânnten alle Verbindungen zu dem Land abgeschnitten werden, betonte er. Politische Gesten reichten nicht aus, das Kriegsverbrechen zu verurteilen. Es m├╝ssten Taten folgen.

US-Aussenminister dr├╝ckte Ukraine Beileid aus

Nach dem Angriff auf das Lager dr├╝ckte US-Aussenminister Antony Blinken seinem ukrainischen Kollegen Dmytro Kuleba sein Beileid aus. Bei einem Telefonat am Freitag habe Blinken die Entschlossenheit der USA bekr├Ąftigt, Russland f├╝r die von seinen Streitkr├Ąften begangenen Gr├Ąueltaten an der ukrainischen Bev├Âlkerung zur Rechenschaft zu ziehen. Das teilte das US-Aussenministerium am Samstag mit.

Blinken habe Kuleba auch von seinem Gespr├Ąch mit dem russischen Aussenminister Sergej Lawrow berichtet und dabei „die unersch├╝tterliche Unterst├╝tzung der Vereinigten Staaten f├╝r die Souver├Ąnit├Ąt, Unabh├Ąngigkeit und territoriale Integrit├Ąt der Ukraine“ unterstrichen. Blinken und Lawrow hatten am Freitag erstmals seit Beginn des russischen Angriffskrieges miteinander gesprochen.

Dabei hatte der US-Minister nach Angaben aus Washington betont, dass die USA russische Pl├Ąne, weiteres Territorium der Ukraine zu annektieren, nicht akzeptieren w├╝rden. Bei dem Gespr├Ąch ging es auch um den Export von ukrainischem Getreide, zu dem Kiew und Moskau unter UN-Vermittlung Vereinbarungen mit der T├╝rkei unterzeichnet hatten. Die Umsetzung liess weiter auf sich warten.

Nach Angaben des russischen Aussenministeriums informierte Lawrow Blinken ├╝ber den Gang der „milit├Ąrischen Spezial-Operation“ in der Ukraine. Der russische Chefdiplomat habe betont, dass alle Ziele in dem Land erreicht w├╝rden. Zugleich beklagte er demnach, dass die von den USA und von anderen Nato-Staaten gelieferten Waffen gegen die friedliche Bev├Âlkerung eingesetzt w├╝rden. Der Konflikt w├╝rde dadurch nur in die L├Ąnge gezogen und die Zahl der Opfer erh├Âht.

Was am Sonntag wichtig wird

Der russische Pr├Ąsident Wladimir Putin nimmt zum „Tag der Marine“ am Sonntag in Sankt Petersburg eine Parade mit Kriegsschiffen, Flugzeugen und Tausenden Soldaten ab. Das traditionelle Ereignis nutzt der Kremlchef auch als eine Machtdemonstration gut f├╝nf Monate nach Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine. Paraden zur Ehrung der Seestreitkr├Ąfte mit ihren verschiedenen Flotten sind in mehreren Regionen Russlands geplant.

Teilnehmen sollen 40 Kriegsschiffe, darunter auch U-Boote. Auch im Mittelmeer plant Russland nach Kremlangaben eine Marine-Parade im syrischen Hafen der Stadt Tartus. Russland steht im Krieg in Syrien an der Seite von Pr├Ąsident Baschar al-Assad.

(text:sda/bild:unsplash)