11 Juni 2024

Selenskyj im Bundestag: Putin muss Krieg persönlich verlieren

Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj hat die VerbĂŒndeten seines Landes dazu aufgerufen, den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine gemeinsam erfolgreich zu beenden.

Man dĂŒrfe Russland nicht einen weiteren Marsch durch Europa erlauben, sagte Selenskyj am Dienstag in einer emotionalen Rede im Deutschen Bundestag in Berlin. „Es ist unser gemeinsames Interesse, dass Putin diesen Krieg persönlich verliert.“ Der russische PrĂ€sident Wladimir Putin sei es gewohnt, andere zu unterwerfen.

Der ukrainische PrĂ€sident wurde von den Abgeordneten mit langanhaltendem Beifall begrĂŒsst. Er kam an der Seite von BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier in den vollen Plenarsaal. Auch BundesratsprĂ€sidentin Manuela Schwesig (SPD) und Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) mit seinem Kabinett nahmen an der Sitzung teil. Vor dem Rednerpult, auf den PlĂ€tzen der Parlamentsstenografen, lagen drei grosse Blumengestecke in den ukrainischen Farben blau und gelb.

Der Krieg mĂŒsse so beendet werden, dass kein Zweifel bestehe, wer gesiegt habe, sagte Selenskyj, der immer wieder von Beifall unterbrochen wurde. Am Ende applaudierten ihm die Abgeordneten minutenlang stehend. Russland mĂŒsse fĂŒr die Entfesselung des Krieges die volle Verantwortung ĂŒbernehmen. „Russland muss fĂŒr den ganzen Schaden zahlen, der durch diese Aggression verursacht wurde.“

Der ukrainische PrĂ€sident bedankte sich bei Deutschland fĂŒr die UnterstĂŒtzung seines Landes. „Ich danke dir Deutschland.“ Er nannte vor allem die Lieferung von Patriot-Flugabwehrsystemen. Diese hĂ€tten Tausende Menschenleben gerettet.

Selenskyj ging auch auf die bevorstehende Ukraine-Friedenskonferenz in der Schweiz ein. „Wir wollen der Diplomatie eine Chance geben“, sagte er. „Die Ukraine hat niemals nur auf die StĂ€rke der Waffen gesetzt.“

Selenskyj hatte bereits am 17. MĂ€rz 2022, drei Wochen nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine, zu den Abgeordneten gesprochen. Damals wurde er per Video live in den Plenarsaal zugeschaltet.

BundestagsprĂ€sidentin BĂ€rbel Bas (SPD) sagte dem ukrainischen PrĂ€sidenten die SolidaritĂ€t des Parlaments zu – „in Kriegszeiten und beim Wiederaufbau“, wie sie betonte. „Und ich bin mir sicher: Die russischen Kriegsverbrechen werden geahndet. Das ist Deutschland, das ist Europa, das ist die demokratische Welt den Menschen in der Ukraine schuldig“, betonte Bas.

An der Sitzung nahmen fast alle Abgeordneten teil. Nur die AfD-Fraktion fehlte bis auf vier Abgeordnete. Die Gruppe BĂŒndnis Sahra Wagenknecht (BSW) hatte vorher schon angekĂŒndigt, die Rede zu boykottieren. AfD und BSW sind, wie nicht wenige Menschen in Ostdeutschland, gegen Waffenlieferungen an die Ukraine und fĂŒr FriedensgesprĂ€che mit Russland.

(text:sda/bild:keystone)