6 November 2021

Schweizerinnen verpassen grossen Coup

Die Schweizer Tennisspielerinnen verpassen am Billie Jean King Cup in Prag den grossen Coup. Nach Jil Teichmann verliert auch Belinda Bencic im Final gegen Ludmila Samsonowa ihr Einzel, womit sich Russland den ersten Titel seit 2008 holt.

Bis zum Stand von 6:3, 3:3 war Belinda Bencic auf Kurs, ehe die Partie auf die Seite Samsonowas kippte. Die Schweizer Teamleaderin spielte zwar weiterhin gut, war vor├╝bergehend dem druckvollen Spiel der 22-j├Ąhrigen Russin aber nicht mehr gewachsen.

Samsonowa schlug Winner um Winner und gewann f├╝nf Games in Serie, womit sie Bencic zerm├╝rbte. Zwar stemmte sich die Schweizer Olympiasiegerin gegen die drohende Niederlage auf, die erste im f├╝nften Spiel in dieser Woche, eine neuerliche Wende gelang der Schweizerin aber nicht, nachdem sie im finalen Durchgang bei 1:2 und 2:3 noch je eine Chance zum Rebreak vergeben hatte.

Nach 2:22 Stunden verwertete Samsonowa, die bereits im Halbfinal gegen die USA die entscheidende Figur gewesen war, nach einem Fehler Bencics den ersten Matchball, womit der russische Triumph bereits nach den beiden Einzel-Partien feststand. In der ersten Partie des Tages hatte sich Daria Kassatkina gegen Jil Teichmann 6:2, 6:4 durchgesetzt. Die Schweizerinnen m├╝ssen damit weiter auf den ersten Triumph im 1963 eingef├╝hrten Teamwettbewerb warten. 1998 hatten sie im alten Fed-Cup-Format den Final in Genf gegen Spanien verloren.

Der Sieg der Russinnen war verdient, verf├╝gten sie doch mit f├╝nf Spielerinnen aus den Top 40 in der Breite ├╝ber das beste Team in dieser Woche. Sie holten erstmals seit 2008 wieder den Titel im Teamwettbewerb, der seine Premiere im neuen Format und unter neuem Namen erlebte, nachdem er 2020 der Coronavirus-Pandemie zum Opfer gefallen war. Dank dem Finaleinzug haben sich beide Teams das Ticket f├╝r die Austragung im November 2022 bereits gesichert.

Der Erfolg des Favoriten hatte, so ├╝berzeugend er zustande gekommen war, allerdings auch einen faden Beigeschmack. Der russische Captain Igor Andrejew ersetzte kurz vor Spielbeginn seine nominelle Nummer 1, Anastasia Pawljutschenkowa (WTA 12), durch Samsonowa, womit diese, die im Ranking hinter Kassatkina (WTA 28) klassiert ist, gegen Bencic antreten konnte. Ein laut Regelwerk m├Âglicher Schachzug, mit dem der Fairplay-Gedanken aber mit F├╝ssen getreten wurde.

Laut Reglement m├╝ssen die Captains eine Stunde vor Beginn der Begegnung die Aufstellung bekanntgeben, danach kann nur eine Verletzung, die ein unabh├Ąngiger Arzt best├Ątigt, zum R├╝ckzug einer Akteurin f├╝hren. In der offiziellen, von der ITF verschickten Mitteilung hiess es, Pawljutschenkowa sei am Knie verletzt. Davon wusste zumindest Kassatkina nichts, die von „grosser M├╝digkeit“ bei ihrer Teamkollegin sprach.

Brisant daran ist, dass Samsonowa, die laut Papierform eigentlich gegen Teichmann h├Ątte spielen sollen, gegen diese eine 0:2-Bilanz aufweist. Gegen Bencic hingegen gewann sie alle bisherigen Begegnungen. Teichmann nannte das Verhalten des russischen Teams „dirty“ und forderte, dass die Regel angepasst wird.

(text&bild:sda)