26 November 2021

Schweizer Wirtschaft hat sich von Corona-Schock vollst├Ąndig erholt

Die Schweizer Wirtschaft ist auch im dritten Quartal 2021 deutlich gewachsen. Mittlerweile hat das Bruttoinlandprodukt (BIP) das Vorkrisenniveau sogar wieder klar ├╝bertroffen. Der Ausblick ist angesichts der Corona-Entwicklung allerdings sehr unsicher.

Konkret stieg das BIP in der Periode von Juli bis September 2021 gegen├╝ber dem Vorquartal um 1,7 Prozent, wie das Staatssekretariat f├╝r Wirtschaft (Seco) am Freitag mitteilte. Der Anstieg kommt nicht ├╝berraschend, wenn auch etwas h├Âher als erwartet. Bereits im zweiten Quartal war das BIP um 1,8 Prozent gewachsen, w├Ąhrend das erste Quartal coronabedingt schwach ausgefallen war.

Profitiert haben im dritten Quartal vor allem die Sektoren, die im ersten Halbjahr noch von den Corona-Massnahmen gebremst worden waren. So stiegen etwa die Ums├Ątze im Gastgewerbe nach der Wieder├Âffnung der Betriebe sprunghaft an, so dass sich die Wertsch├Âpfung gem├Ąss den Seco-Zahlen im Vergleich zum zweiten Quartal mehr als verdoppelte (+111%). Der Bereich Kunst, Unterhaltung und Erholung (+25%) registrierte im Zuge der Lockerungen ebenfalls ein sehr starkes Wachstum.

„Die Erholung ist im Laufe des Jahres wie erwartet vom Industrie- zum Dienstleistungssektor ├╝bergegangen“, sagte Ronald Indergand, Leiter des Ressorts Konjunktur beim Seco, zur Nachrichtenagentur AWP. Insbesondere das Gastgewerbe, der Unterhaltungssektor und Transportsektor h├Ątten sich sehr stark erholt.

Dagegen wirkten sich die Lieferengp├Ąsse in gewissen Sektoren – etwa in der Automobilindustrie – negativ auf das BIP aus. So sanken beispielsweise die Ausr├╝stungsinvestitionen im Quartalsvergleich um 1,3 Prozent.

Mit den starken Wachstumszahlen in den letzten beiden Quartalen hat die hiesige Wirtschaft bereits wieder das Vorkrisenniveau erreicht. Insgesamt lag das BIP im Berichtsquartal laut den Seco-Angaben n├Ąmlich um 1,1 Prozent ├╝ber dem Niveau des vierten Quartals 2019.

Damit ist die Erholung hierzulande deutlich schneller vorangekommen als in anderen europ├Ąischen L├Ąndern. In Deutschland etwa betr├Ągt die L├╝cke noch 1,1 Prozent, in Frankreich 0,1 Prozent, in Italien 1,4 Prozent und in Spanien mit seinem starken Tourismus-Sektor gar 6,6 Prozent. Auch Grossbritannien (-2,1%) oder Japan (-2,2%) liegen noch deutlich zur├╝ck. Noch schneller erholt haben sich hingegen die USA: Dort lag das BIP im dritten Quartal um 1,4 Prozent ├╝ber dem Vorkrisenniveau.

Die Erholung d├╝rfte sich auch in den ersten beiden Monaten des laufenden vierten Quartales fortgesetzt haben, so Indergand. Doch f├╝r die weiteren Monate seien die Aussichten nun aufgrund der j├╝ngsten Corona-Entwicklung in der Schweiz und in wichtigen Exportl├Ąndern wie Deutschland, aber auch wegen der Versch├Ąrfung der Lieferkettenprobleme etwas eingetr├╝bt.

Das sehen auch Bank├Âkonomen so. Der Ausblick f├╝r die kommenden Monate sei angesichts von steigenden Fallzahlen und den Lieferschwierigkeiten in der Industrie verhalten, sagte etwa CS-├ľkonom Claude Maurer zu AWP. Und Karsten Junius von Safra Sarasin bringt es so auf den Punkt: „Die besten Wachstumszahlen haben wir mit dem dritten Quartal nun gesehen. F├╝r das vierte Quartal ist mit einer deutlichen Wachstumsverlangsamung zu rechnen.“

Ein Gau f├╝r das Wachstum w├Ąren laut Indergand vom Seco vor allem erneute Betriebsschliessungen etwa im Gastgewerbe, w├Ąhrend die Auswirkungen von wieder verst├Ąrktem Homeoffice weniger schlimm bzw. nur punktuell w├Ąren. Insgesamt h├Ątte ein weiterer Lockdown wohl nicht mehr so schlimme Auswirkungen wie der erste Lockdown zu Beginn der Pandemie, meinen denn auch die meisten ├ľkonomen.

(text:sda/bild:pexels)