9 Januar 2024

Schweizer Arbeitsmarkt so robust wie zuletzt vor zwanzig Jahren

Der Schweizer Arbeitsmarkt hat sich in dem zunehmend rauer werdenden Wirtschaftsumfeld sehr robust entwickelt. Im vergangenen Jahr lag die Arbeitslosenquote so tief wie zuletzt vor ├╝ber zwanzig Jahren. Und auch wenn gegen Jahresende eine leichte Zunahme zu sehen war, d├╝rfte sich die Quote weiterhin auf tiefem Niveau bewegen.

„Das Jahr 2023 war hervorragend“, res├╝mierte Boris Z├╝rcher, Leiter der Direktion f├╝r Arbeit beim Staatssekretariat f├╝r Wirtschaft (Seco), am Dienstag mit Blick auf die Arbeitsmarktstatistik vor den Medien. Im Nachgang zur Corona-Pandemie sei die Besch├Ąftigung stark gewachsen.

In Zahlen ausgedr├╝ckt betrug die durchschnittliche Arbeitslosenquote im abgelaufenen Jahr 2,0 Prozent, wie das Seco mitteilte. Das sind 0,2 Prozentpunkte weniger als 2022. Unter der zwei Prozentmarke hatte die Quote zuletzt mit 1,7 Prozent im Jahr 2001 gelegen.

In absoluten Zahlen waren im vergangenen Jahr im Durchschnitt 93’536 Personen arbeitslos gemeldet, 6,1 Prozent weniger als im Jahr davor. R├╝ckg├Ąnge waren in allen Regionen, Alterskategorien sowie auch bei Frauen und M├Ąnnern auszumachen. Und auch der Anteil der Langzeitarbeitslosen sank deutlich.

Im Jahresverlauf hat sich die sehr positive Lage am Schweizer Arbeitsmarkt laut Z├╝rcher derweil normalisiert. Zuletzt zog die Arbeitslosenquote im Dezember auf 2,3 Prozent an nach 2,1 Prozent im November und Quoten von unter 2 Prozent im Sommer.

Das hat auch mit saisonalen Effekten zu tun: Weil es in den Wintermonaten etwa auf dem Bau oder in der Gastronomie weniger Arbeit gibt, ist dann mit h├Âheren Werten zu rechnen. Die um saisonale Faktoren bereinigte Quote stieg im Dezember 2023 auf 2,2 Prozent von 2,1 Prozent im November an.

Z├╝rcher rechnet in den kommenden Monaten mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit, ehe sich die Lage in den w├Ąrmeren Monaten wieder verbessern sollte. F├╝rs Gesamtjahr prognostizierten die ├ľkonomen des Seco eine mit 2,3 Prozent weiterhin sehr tiefe Arbeitslosenquote.

Die Lage bleibt aber unsicher: Der starke Franken und die weltweit wachsenden Konjunktursorgen bereiten vor allem exportorientierten Firmen aus der Industrie Probleme. Sie versuchen wieder vermehrt, mit Kurzarbeit Nachfrage-Dellen auszusitzen, ohne dabei Personal entlassen zu m├╝ssen.

Das sp├╝rt auch das Seco. „In j├╝ngster Zeit haben wieder mehr Unternehmen einen Antrag auf Kurzarbeit gestellt“, erkl├Ąrte Z├╝rcher. Bislang seien aber noch kaum Kurzarbeitsgelder beansprucht worden. Generell sei jedoch damit zu rechnen, dass die Kurzarbeitszahlungen zunehmen werden.

Kehrseite der Medaille mit Blick auf die gute Lage am Arbeitsmarkt ist der anhaltende Fachkr├Ąftemangel. Vielen Firmen fehlt nach wie vor Personal, insbesondere gut qualifizierte Fachkr├Ąfte sind gesucht.

Das Problem d├╝rfte sich noch versch├Ąrfen, warnte Z├╝rcher. Modellrechnungen zeigen, dass in den kommenden Jahren deutlich mehr Menschen in Pension gehen, als dass neue Arbeitskr├Ąfte in den Arbeitsmarkt eintreten. Die Spitze dieser Entwicklung sei erst um das Jahr 2030 erreicht, hiess es.

Um dem Fachkr├Ąftemangel zu begegnen, m├╝sse das Arbeitskr├Ąftepotenzial noch besser genutzt werden, forderte Z├╝rcher. Er sieht Potenzial dazu in der Weiterbesch├Ąftigung ├Ąlterer Arbeitskr├Ąfte oder auch in der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie insbesondere f├╝r Frauen.

(text:sda/bild:unsplash)