Schweiz trägt Behandlungskosten von zwölf italienischen Patienten
Die Schweiz wird die Behandlungskosten der zwölf in der Schweiz behandelten italienischen Opfer der Brandkatastrophe von Crans-Montana übernehmen. Der Bundesrat verzichtet auf Vorschlag Italiens auf eine Rückerstattung der Kosten durch Italien.
Nach mehreren Diskussionen zwischen Italien und der Schweiz habe er an seiner Sitzung vom Mittwoch beschlossen, ausnahmsweise auf die Rückerstattung dieser Behandlungskosten in Höhe von 1,5 Millionen Franken zu verzichten. Das schrieb der Bundesrat am Mittwoch in einer Mitteilung.
Eigentlich sehe das Freizügigkeitsabkommen zwischen der Europäischen Union und der Schweiz vor, dass grundsätzlich jedes Land die Kosten für die in seinem Versicherungssystem versicherten Personen übernehme, wenn diese in einem anderen Land behandelt würden.
Das Abkommen lasse aber Ausnahmen zu. Eine solche mache er nun, so der Bundesrat. Denn die Schweiz habe nach der Brandkatastrophe in der Silvesternacht von Italien und anderen europäischen Nachbarn schnelle und kostenlose Hilfe erhalten, etwa beim Transport von Verletzten in Nachbarländern.
„Für den Bundesrat entspricht der Entscheid, auf die Rückerstattung der Behandlungskosten zu verzichten, dem Grundsatz der Gegenseitigkeit und setzt ein Zeichen der Anerkennung der Schweiz für die ihr entgegengebrachte Solidarität.“
Bundespräsident Guy Parmelin informierte die italienische Ministerratspräsidentin Giorgia Meloni über den Bundesratsentscheid.
Nach der Brandkatastrophe vom 1. Januar 2026 von Crans-Montana wurden zwölf in Italien versicherte Opfer in der Schweiz medizinisch behandelt, bevor sie in italienische Spitäler verlegt wurden. Ein Verletzter, der in der Schweiz versichert ist, wurde in Italien behandelt.
Die italienische Regierung schlug laut Bundesrat vor, dass Italien und die Schweiz gegenseitig auf die Rückerstattung für die Behandlungskosten der im anderen Land versicherten Brandopfer verzichten.
Italienische Nachrichtenagenturen berichteten am Mittwoch ausführlich über den Entscheid aus Bern. Sie zitierten Meloni mit der Aussage, sie habe Parmelins Nachricht mit grosser Befriedigung aufgenommen. Sie danke Bundespräsident Parmelin für das gezeigte Feingefühl.
Italiens Aussenminister Antonio Tajani sprach laut den italienischen Nachrichtenagenturen von einer Geste grosser Solidarität und Verbundenheit.
Beim Brand in der Silvesternacht starben 41 meist junge Menschen. 115 wurden verletzt. Vierzig Tage nach dem Brand wurden noch 25 Brandverletzte in Schweizer Spitälern behandelt, 39 in ausländischen Spitälern. Darunter befanden sich 18 Schweizer Staatsangehörige, wie damals Recherchen der Nachrichtenagentur Keystone-SDA zeigten.
Für Empörung in Italien sorgte im April, dass italienische Familien von Walliser Spitälern Kopien von hohen Spitalrechnungen erhielten. Die Walliser Behörden versuchten dann zu beschwichtigen und sagten, die Familien müssten keine Kosten tragen.
„Italien wird diese Rechnungen niemals bezahlen“, sagte etwas später der damalige italienische Botschafter in der Schweiz, Gian Lorenzo Cornado. Im Mai sagte Bundespräsident Guy Parmelin in Rom, solche Rechnungen oder Kopien würden nicht mehr an die italienischen Familien weitergeleitet.
Wie der Bundesrat am Mittwoch schrieb, sistierte die Gemeinsame Einrichtung KVG den Antrag auf Rückerstattung beim italienischen Gesundheitsministerium, solange die beiden Länder über eine Einigung verhandelten. Sie finanziert die Behandlungskosten von Schweizer Versicherten in Europa beziehungsweise von europäischen Versicherten in der Schweiz.
(text:sda/archivbild:keystone)