17 August 2021

Schweiz steht laut BAG am Beginn einer vierten Welle

Die Zahlen zeigen es und das Bundesamt fĂŒr Gesundheit (BAG) bestĂ€tigte es am Dienstag: Die Schweiz steht am Beginn einer vierten Welle. Die Trendwende hat Anfang August eingesetzt.

„Leider geht die Entwicklung nicht in eine Richtung, wie wir sie gewĂŒnscht haben“ erklĂ€rte Patrick Mathys, Leiter Sektion KrisenbewĂ€ltigung und internationale Zusammenarbeit beim BAG am Dienstag vor den Medien in Bern.

Die Zahlen zeigen einen klaren Trend: In der Schweiz und in Liechtenstein sind dem BAG am Dienstag innerhalb von 24 Stunden 3150 neue Ansteckungen gemeldet worden. Am Dienstag vor einer Woche waren es noch 1910 neue FĂ€lle. Damit liegt der 7-Tage-Schnitt bei 2019 Ansteckungen. Das sind 85 Prozent mehr als noch vor einer Woche.

Zudem wurden zwei neue TodesfÀlle und 62 Spitaleinweisungen verzeichnet. Bei den Spitaleinweisungen sind es am Dienstag 45 Prozent mehr als in der Vorwoche.

„Seit Juli haben sich die Spitaleinweisungen verzehnfacht“, ergĂ€nzte Mathys. Rund ein Viertel der PCR-Tests sind heute positiv. So hohe Zahlen verzeichnete die Schweiz zuletzt im vergangenen Jahr wĂ€hrend der zweiten Welle, welche Schliessungen und viele Corona-Massnahmen zur Folge hatte.

„Wir stehen am Beginn einer vierten Welle“, sagte Mathys schliesslich, „die Möglichkeit, dass eine grosse Welle auf die Schweiz zukommt, die ist da“.

Die neuen Varianten hĂ€tten dazu gefĂŒhrt, dass bei der heutigen Impfquote die Fallzahlen stĂ€rker steigen wĂŒrden als zuvor angenommen. Diese neue Dynamik habe Anfang August begonnen. Damals habe die „Trendwende“ eingesetzt.

„Aber nicht nur die Fallzahlen, sondern auch die Spitaleinweisungen steigen deutlich an“, betonte er. Dies sei besorgniserregend, da eine Überlastung der SpitĂ€ler um jeden Preis verhindert werden mĂŒsse.

Heute könne die Situation auf den Intensivstationen aber noch als unbedenklich eingestuft werden. Wenn die SpitÀler an die Grenzen kommen, dann werden auch harte Massnahmen wieder ein Thema werden, sagte Mathys.

„Wenn wir in eine Situation kommen, in der eine harte Triage in den SpitĂ€lern notwendig ist, dann sind auch strenge Massnahmen wie ein Lockdown wieder möglich, weil eine solche Triage fĂŒr ein Land wie die Schweiz nicht tragbar ist.“

Die Experten gaben vor den Medien in Bern dann auch wenig Hoffnung, dass dieses exponentielle Wachstum in der nÀchsten Zeit wieder gebremst wird.

Die UmstĂ€nde sind ungĂŒnstig: Die Menschen kehren aus den Ferien zurĂŒck, Kinder und Jugendliche gehen zurĂŒck an die Schulen. Und selbst wenn sich heute noch viele Personen fĂŒr eine Impfung entscheiden wĂŒrden, dauert es sechs Wochen von der ersten Impfung bis zum vollstĂ€ndigen Impfschutz.

Der Zuger Kantonsarzt Rudolf Hauri sprach lieber von einer „Zwischenwelle“ als von einer Welle. Fast 20 Prozent Neuansteckungen seien Personen, die aus den Ferien zurĂŒckkehrten, sagte er. Wenn man zurĂŒck in der Schweiz sei, mĂŒsse man sich deshalb testen lassen.

Ganz generell beobachte man in den Kantonen, dass es nun auch mit der Disziplin hapere. „Wir stellen ein Nachlassen bei den Hygiene-Massnahmen fest“, sagte Hauri.

Die Massnahmen, wie HĂ€ndewaschen, Abstandhalten und auf enge BegrĂŒssungsrituale verzichten, seien dazu da, die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Diese Massnahmen seien weiterhin nötig. Das Virus sei immer noch aktiv, und jetzt komme noch die Delta-Variante hinzu, die noch schwer abzuschĂ€tzen sei.

„All das sind gute GrĂŒnde fĂŒr die Impfung“, meinte Hauri.

Dass die Immunantwort auf eine Impfung stĂ€rker ist als auf eine Infektion, zeigten neue wissenschaftliche Ergebnisse, erklĂ€rte Milo Puhan vom Forschungsprojekt Corona Immunitas. Puhan ist Direktor des Instituts fĂŒr Epidemiologie, Biostatistik und PrĂ€vention an der UniversitĂ€t ZĂŒrich. Dieser höhere Schutz durch die Impfung gelte vor allem fĂŒr die neuen Varianten.

Ob und wann eine dritte Impfdosis verabreicht werde, sei noch in der AbklĂ€rung, sagte schliesslich Mathys. Mehr Informationen vom BAG wird es wieder in einer Woche geben. Wegen der aktuellen Lage wird das BAG den Point de Presse nun wieder wöchentlich und nicht alle zwei Wochen durchfĂŒhren.

(text:sda/bild:unsplash)