12 Mai 2022

Schweiz droht m├Âglicherweise bald eine Wohnungsnot

Jahrelang sind in der Schweiz mehr Wohnungen gebaut worden, als ben├Âtigt wurden. Doch dies d├╝rfte sich bald ├Ąndern. Daf├╝r sprechen die demografische Alterung und der anhaltende Trend zur Individualisierung der Bev├Âlkerung.

Jahrelang habe die Nachfrage im Mietwohnungsmarkt mit dem Angebot nicht mitgehalten, heisst es in der am Donnerstag ver├Âffentlichten Studie „Immobilien Schweiz 2. Quartal“ von Raiffeisen Schweiz. Historisch tiefe Zinsen und der damit einhergehende Anlagenotstand h├Ątten im letzten Jahrzehnt viel Kapital in den Mietwohnungsmarkt gesp├╝lt. Die Folge waren steigende Leerst├Ąnde und kontinuierlich sinkende Anfangsmieten.

Doch im vergangenen Jahr sei der Mietwohnungsmarkt in eine neue Phase getreten. Zum einen habe die Bau- und Immobilienwirtschaft wegen der davongaloppierenden Leerst├Ąnde bei der Projektion neuer Objekte kr├Ąftig auf die Bremse gedr├╝ckt. Dies schlage sich nun in einer gedrosselten Wohnungsproduktion nieder. Zum anderen habe sich die Nachfrage nach Wohnungen und Wohnraum in der Schweiz in den letzten Jahren kr├Ąftig erh├Âht.

Dabei kamen die Nachfrageimpulse im Einwanderungsland Schweiz aber nicht von der Migration. Vielmehr h├Ątten die demografische Alterung und der anhaltende Trend zur Individualisierung in den letzten Jahren die Zuwanderung „still und heimlich“ als wichtigsten Treiber der Haushaltsbildung abgel├Âst. Diese Megatrends, Alterung und Individualisierung, d├╝rften auch k├╝nftig dazu f├╝hren, dass Menschen in immer kleineren Haushalten wohnen und sich das Haushaltswachstum vom Bev├Âlkerungswachstum entkoppele, schreibt die Bank weiter.

2021 ├╝berstieg die Zahl der neugegr├╝ndeten Haushalte erstmals seit 2009 den Bauzugang an neuen Wohnungen. Daher gingen die Leerst├Ąnde zur├╝ck. Und dies sei erst der Anfang. „Auch k├╝nftig wird die Wohnungsproduktion bei weitem nicht mit der Nachfrage mithalten“, wird Martin Neff, Chef├Âkonom von Raiffeisen Schweiz in der Studie zitiert. Aus dem bis vor kurzem noch herrschenden Wohnungs├╝berangebot k├Ânnte schon bald einmal Wohnungsnot werden, heisst es weiter. Nach jahrelangem Sinkflug stiegen die Angebotsmieten wieder. Damit d├╝rfte auch die sich seit l├Ąngerem schliessende Schere zwischen den Bestands- und den Neumieten wieder ├Âffnen.

Dazu kommen die Folgen des Ukrainekriegs. Seit Kriegsausbruch seien bereits ├╝ber 48’000 Menschen aus der Ukraine in die Schweiz gefl├╝chtet. Die zun├Ąchst in prim├Ąr in Kollektivunterk├╝nften und Privathaushalten untergebrachten Fl├╝chtlinge d├╝rften sich alsbald auf dem regul├Ąren Wohnungsmarkt nach einer Bleibe umschauen. Damit k├Ânne dieser Krieg mittelfristig durchaus Folgen f├╝r unseren Wohnungsmarkt haben, so Neff.

Zudem sei wegen der gestiegenen Zinsen eine mittlerweile schon fast in Stein gemeisselte Faustregel am Schweizer Eigenheimmarkt ins Wanken geraten. „Eigentum ist aktuell nicht mehr automatisch g├╝nstiger als das Wohnen zur Miete“, schreibt Raiffeisen. Doch trotz der mittlerweile sehr hohen Preise und der steigenden Zinsen bleibe Wohneigentum gefragt. Da kaum noch neue Eigentumsobjekte gebaut und bestehende nur in Ausnahmef├Ąllen verkauft w├╝rden, bleibe das Angebot ausgetrocknet. Damit d├╝rften die Preise auch bei etwas geringerer Nachfrage einfach etwas weniger dynamisch weiter steigen.

(text:sda/bild:unsplash)