17 September 2021

Schutzzaun vor Bundeshaus: Polizei findet gelockerte Schrauben

Die Berner Kantonspolizei hat nach der Kundgebung von Gegnern der Corona-Schutzmassnahmen festgestellt, dass Schrauben des Schutzzauns vor dem Bundeshaus gelockert waren. Diese Schrauben liessen sich nur mit Werkzeugen lockern, sagte der Leiter der Medienstelle, Christoph GnÀgi, am Freitag auf Anfrage.

Es sei deshalb davon auszugehen, dass diese Schrauben mutwillig gelöst worden seien. Das zeige, dass der Einsatz der Berner Kantonspolizei vom Donnerstagabend auf dem Bundesplatz richtig gewesen sei. Die Erkenntnis des Augenscheins vom Freitagmorgen werde in kĂŒnftige Lagebeurteilungen einfliessen.

Am Donnerstagabend hatten schĂ€tzungsweise drei- bis viertausend Menschen in Bern gegen Schutzmassnahmen gegen das Coronavirus demonstriert. Als der Demonstrationszug vor dem Bundeshaus ankam, rĂŒttelte ein Teil der Teilnehmer am Schutzzaun, der sich quer ĂŒber den Bundesplatz zog.

Als sie damit nicht aufhörten, setzte die Polizei einen Wasserwerfer ein. Danach warfen Demonstrierende GegenstĂ€nde in Richtung Bundeshaus und dort platzierte EinsatzkrĂ€fte. Laut GnĂ€gi kam es schon vor dem Wasserwerfereinsatz zu vereinzelten WĂŒrfen.

Die Polizei setzte auch Gummischrot und Reizgas ein, um die Kundgebung aufzulösen. Bei einer Auseinandersetzung zwischen zwei Personengruppen wurde eine Person verletzt.

Den Gitterzaun vor dem Bundeshaus gebe es schon seit Jahrzehnten, sagte GnÀgi weiter. Allerdings habe er nicht immer dieselbe Form gehabt. Die Berner Kantonspolizei entscheide jeweils je nach Lagebeurteilung, ob sie ihn installiere oder nicht.

„Wer Werkzeug an eine Demo mitfĂŒhrt, hat klare Absichten“, sagte der Stadtberner Sicherheitsdirektor Reto Nause am Freitag in einem Interview auf watson.ch. Er wolle sich gar nicht ausmalen, was passiert wĂ€re, wenn der Zaun nicht aufgestellt gewesen wĂ€re, so Nause im Regionaljournal Bern Freiburg Wallis von Schweizer Radio SRF und in der „Berner Zeitung“.

Bisher habe er geglaubt, dass die BundeshĂ€user heilig seien. Nun sei eine rote Linie ĂŒberschritten worden. Aus sozialen Medien wisse man, dass Gegner von Corona-Massnahmen den Sturm auf das Kapitol von Anfang dieses Jahres in den USA idealisierten, so der Berner Gemeinderat.

BundesprĂ€sident Guy Parmelin verurteilte die Gewalt. In der Schweiz stĂŒnden alle demokratische Mittel zur VerfĂŒgung, sich auszudrĂŒcken, auch wenn dies „lebhaft“ erfolgen sollte. In einem Interview mit dem Schweizer Fernsehen SRF sagte er zudem, der Bundesrat tue, was nötig sei, um so schnell wie möglich aus dieser Situation zu kommen. Jeder solle sich ĂŒberlegen: „Was kann ich fĂŒr mein Land machen und nicht, was muss das Land fĂŒr mich machen“, sagte der BundesprĂ€sident.

Zum Auftritt von Finanzminister Ueli Maurer in einer Kutte der „Freyheitstrychler“ gab Parmelin im Namen des Bundesrats keinen Kommentar ab.

NationalratsprĂ€sident Andreas Aebi (SVP/BE) und StĂ€nderatsprĂ€sident Alex Kuprecht (SVP/SZ) verurteilten am Freitag die Ausschreitungen von Zertifikats- und Impfgegnern vor dem Bundeshaus ebenfalls. „Das Verhalten der gewalttĂ€tigen Demonstrierenden ist unschweizerisch. Wir besiegen das Virus nur, wenn wir alle Teil der Lösung sind“, schrieben sie in in einer gemeinsamen Twitter-Botschaft.

Nach der Demonstration von Gegnern der Massnahmen gegen die Covid-19-Pandemie versichert das Bundesamt fĂŒr Polizei, ĂŒber ein Dispositiv gegen mögliche Eindringlinge zu verfĂŒgen.

Fedpol-Sprecher Florian NĂ€f erklĂ€rte der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, vor dem Bundeshaus sei die Kantonspolizei Bern zustĂ€ndig. FĂŒr das Dispositiv gegen Eindringlinge hĂ€tten die Fachleute seines Amts aus dem Sturm auf das Capitol in Washington und auf den Bundestag in Berlin ihre SchlĂŒsse gezogen.

Einzelheiten des Sicherheitsdispositivs gibt das Fedpol nicht bekannt. Der Fokus liege auf dem Schutz des Bundesrats und des Parlaments. Mit der Berner Kantonspolizei stehe das Fedpol in stÀndigem Kontakt, sagte NÀf.

(text:sda/bild:pixabay)