21 Januar 2022

Coronavirus bestimmt schon zwei Jahre lang Gang der Gesundheitsdirektion

Das Coronavirus hat die Arbeit der Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion (GSI) bereits im zweiten Jahr in Folge stark geprÀgt. Es hat aber auch die Digitalisierung im bernischen Gesundheitswesen vorangetrieben. Trotz der Pandemie hat die GSI 2021 wichtige Projekte umgesetzt, etwa das Abgeltungsmodell bei der Pflegefinanzierung.

«Die vergangenen zwei Jahre waren fĂŒr niemanden einfach», sagte Regierungsrat Pierre Alain Schnegg an der Jahresmedienkonferenz seiner Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion (GSI). Das Coronavirus bestimmte unser Leben. Der Umgang mit der Pandemie verlangt von den Behörden vorausschauendes aber auch pragmatisches Handeln und es gilt, oftmals innerhalb kĂŒrzester Zeit, ohne das Wissen um alle Details, ĂŒber Massnahmen von teilweise grosser Tragweite zu entscheiden. Im weiteren Verlauf der Pandemie könne der Staat nun aber nicht mehr alles regeln. «Die Bevölkerung als Ganzes muss sich vorsichtig und vorausschauend verhalten», sagte der Gesundheitsdirektor. Der Sonderstab der GSI erarbeitet zurzeit PlĂ€ne fĂŒr die so genannte «kalte Pandemie». Damit ist eine Pandemie gemeint, welche die akute Phase hinter sich gelassen hat, aber noch nicht abgeschlossen ist, unberechenbar bleibt und immer wieder zu lokalen AusbrĂŒchen fĂŒhrt. «Wir mĂŒssen uns auf möglichst viele EventualitĂ€ten vorbereiten, damit wir Mittel haben, neuen AusbrĂŒchen effizient zu begegnen», sagte Pierre Alain Schnegg.

Aus in der Pandemie gewonnenen Erfahrungen die Digitalisierung vorantreiben

Das Coronavirus hat die Digitalisierung in der bernischen Verwaltung in den letzten zwei Jahren stark vorangetrieben. Zur BewĂ€ltigung der Pandemie wurden in kurzer Zeit und mit grossem Engagement aller Beteiligten digitale Lösungen aufgebaut, etwa in den Bereichen Contact Tracing, Impfen und Impfstofflogistik. Die aus diesen Systemen gewonnenen Informationen konnten einerseits zur EindĂ€mmung der Pandemie verwendet werden, aber andererseits auch fĂŒr die Kommunikation mit der Bevölkerung. Die GSI wird sich in den nĂ€chsten Monaten verstĂ€rkt der Thematik des Datenmanagements annehmen. Sie wird auf der Basis der gewonnenen Erfahrungen die GSI-Datenarchitektur weiterentwickeln. Generell will sie Daten vermehrt fĂŒr die GeschĂ€ftssteuerung nutzen.

Abgeltungsmodell bei der Pflegefinanzierung ist nun transparent

Nebst der PandemiebewĂ€ltigung hat die GSI im letzten Jahr wichtige Projekte vorangetrieben und umgesetzt. Ein wichtiges Ziel war es, die Abgeltung der Pflegefinanzierung transparent zu machen, etwa bei der Spitex. Das ist seit vergangenem Jahr nun möglich: Die Festsetzung der aktuell geltenden Tarife basiert erstmals auf den effektiven Kosten der Leistungserbringer. Das Gesundheitsamt kann dank des neuen, abgestuften Normkostensystems sicherstellen, dass keine ĂŒber das Bundesrecht hinausgehenden Zusatzleistungen mehr finanziert werden. Es sei denn, diese seien fĂŒr die Versorgungssicherheit nötig, etwa fĂŒr Leistungserbringer mit Leistungsvertrag.

Integrierte Versorgung fĂŒr alle Gesundheits- und Pflegeleistungen

Die GSI hat zur StĂ€rkung der Zusammenarbeit der Leistungserbringer auch intern eine Reorganisation durchgefĂŒhrt. Um besser und koordinierter mit den SpitĂ€lern, Heimen, HausĂ€rztinnen und HausĂ€rzten, Spitex, Apothekerinnen und Apothekern, Physiotherapeutinnen und -therapeuten und andern zusammenarbeiten zu können, wurde die GSI neu in drei Einheiten gegliedert. Seit Mitte des vergangenen Jahres besteht die GSI aus dem Generalsekretariat und den beiden Ämtern AIS (Amt fĂŒr Integration und Soziales) und GA (Gesundheitsamt).

Die GSI arbeitet darauf hin, die integrierte Versorgung zu stÀrken. Im Spitalbericht wird die neue Richtung aufgezeigt, die sich nach einem Vier-Regionen-Modell ausrichtet. Die Umsetzung der Massnahmen wird in einer Roadmap festgehalten. Die Massnahmen betreffen die Eignerstrategie und die Aufsichtskonzepte des Kantons gleichermassen wie die Versorgungsplanung und die Erarbeitung der Teilstrategien zur Gesundheitsstrategie. Letztere sollen ab 2022 schrittweise erarbeitet werden.

Kanton Bern bietet fast flÀchendeckend Betreuungsgutscheine an

Seit dem 1. Januar dieses Jahres ist das 2021 verabschiedete Gesetz ĂŒber die sozialen Leistungsangebote (SLG) in Kraft. Es regelt die sozialen Leistungsangebote wie beispielswiese die Betreuungsgutscheine. Heute sind 98 Prozent der Kinder im Kanton Bern in einer Gemeinde wohnhaft, die Betreuungsgutscheine ausgibt. Ihnen stehen ĂŒber 8’800 PlĂ€tze in mehr als 320 Kitas und 27 Tagesfamilienorganisationen zur VerfĂŒgung. Auch bei der Sprachförderung setzt der Kanton Bern auf die Kitas. Familien mit Kindern, die einen Sprachförderbedarf aufweisen und nicht bereits in einer Kita oder bei einer geeigneten Tagesfamilie betreut werden, erhalten ebenfalls einen Betreuungsgutschein. Dies unabhĂ€ngig davon, wie hĂ€ufig die Eltern arbeiten.

Mit dem Inkrafttreten des SLG hat die ZustĂ€ndigkeit fĂŒr die Bewilligung und Aufsicht ĂŒber die Kitas zur GSI gewechselt. Neu gelten im Kanton Bern nun fĂŒr alle Kitas dieselben Bestimmungen. Unter anderem werden Praktikantinnen und Praktikanten im BetreuungsschlĂŒssel nicht mehr berĂŒcksichtigt und sind dadurch besser in ihrer Funktion geschĂŒtzt.

Erste Erfahrungen mit NA-BE gemacht

Die GSI konnte 2021 beim Projekt NA-BE («Gesamtstrategie fĂŒr den Asyl- und FlĂŒchtlingsbereich im Kanton Bern») weitere Erfahrungen sammeln. Das fĂŒr die Umsetzung zentrale Gesetz ĂŒber die Sozialhilfe im Asyl- und FlĂŒchtlingsbereich (SAFG) ist seit dem 1. Juli 2020 in Kraft. Es legt den Fokus darauf, dass möglichst viele der asylsuchenden Personen in die Arbeitswelt integriert werden und dadurch nicht ĂŒber lange Zeit von der Sozialhilfe abhĂ€ngig sind. Die von der GSI beauftragten regionalen Partner definieren zusammen mit den Personen messbare Ziele, etwa Sprachzertifikate, eine Aus- und Weiterbildung oder die Aufnahme einer ErwerbstĂ€tigkeit.

(text:pd/bild:beo)