10 Juli 2026

SAB warnt vor «Entflechtung 27»: Verkehrsinfrastruktur im Berggebiet bedroht

Das Schweizer Erfolgsmodell des Lastenausgleichs steht vor einer Zerreissprobe. Die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB) schlägt wegen des Bundesprojekts «Entflechtung 27» lautstark Alarm. Die Pläne zur Neuverteilung der Aufgaben zwischen Bund und Kantonen könnten den ländlichen Raum und die Bergregionen hart treffen und die Schere zwischen armen und reichen Kantonen noch weiter öffnen.

Besonders dramatisch bewertet SAB-Direktor Thomas Egger die Pläne für den Verkehrsbereich. Er warnt eindringlich davor, dass bei einer Umsetzung des Projekts im Regionalverkehr bald prekäre Zustände wie in Frankreich oder Italien drohen könnten. Dort sei der Fernverkehr zwar gut ausgebaut, der ländliche Regionalverkehr hingegen verkümmere regelrecht, Angebote seien nicht harmonisiert und Linien würden laufend abgebaut. Ein solcher Rückzug des Bundes aus der Mitfinanzierung des Schweizer Regionalverkehrs würde laut Egger das bewährte Gesamtsystem gefährden, das bisher jede Ortschaft ab 100 Einwohnern verlässlich anbindet.

Die Folgen für die betroffenen Regionen wären gravierend: Kantone wie Graubünden, Bern und das Wallis könnten die massiven Zusatzkosten für den Erhalt von Strassen und Schienen unmöglich allein stemmen. Ohne die Gelder des Bundes drohe das Strassennetz in den Bergen langfristig zu verlottern. Das Projekt befindet sich zwar noch in einer frühen Phase, doch für die SAB ist klar, dass jetzt der Moment ist, um Gegensteuer zu geben. Um eine ländliche Zweiklassengesellschaft zu verhindern, fordert die Organisation, dass die Anliegen der Berggebiete bei der weiteren Ausarbeitung der Reform systematisch und grundlegend berücksichtigt werden.

(text:pd,tki/bild:zvg)