10 September 2022

Russland gibt RĂŒckzug von Truppen aus Charkiw in Ostukraine bekannt

Unter dem Druck ukrainischer Gegenoffensiven hat Russland den RĂŒckzug von Truppen im Osten der Ukraine bekanntgegeben. Soldaten sollten aus dem Gebiet Charkiw etwa aus der strategisch wichtigen Stadt Isjum abgezogen werden, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Samstag in Moskau. Auch aus der Stadt Balaklija, die die Ukrainer schon in der vergangenen Woche als befreit gemeldet hatten, sollen die russischen Truppen demnach abrĂŒcken.

Offiziell begrĂŒndet wurde der Abzug damit, dass durch die Umgruppierung die Einheiten im angrenzenden Gebiet Donezk verstĂ€rkt werden sollen. Viele MilitĂ€rexperten gehen jedoch davon aus, dass die Russen mehr als ein halbes Jahr nach Kriegsbeginn angesichts des massiven ukrainischen Vorstosses im Charkiwer Gebiet so stark unter Druck geraten sind, dass sie sich zur Flucht entschieden haben.

FrĂŒher am Samstag hatte die ukrainische Seite etwa ĂŒber die RĂŒckeroberung von Kupjansk berichtet. Die Kleinstadt ist wegen ihres direkten Bahnanschlusses an Russland als Verkehrsknotenpunkt wichtig fĂŒr die Versorgung des gesamten russischen Truppenverbands um das sĂŒdwestlich gelegene Isjum. Durch den Vorstoss der Ukrainer hĂ€tte dort nun mehr als 10 000 russischen Soldaten die Einkesselung gedroht.

SpÀter berichtete der MilitÀrgouverneur des ebenfalls ostukrainischen Gebiets Luhansk, Serhij Hajdaj, die eigenen Truppen seien auch dort auf dem Vormarsch und bereits an den Stadtrand von Lyssytschansk vorgestossen. Lyssytschansk war im Juli als letzte grössere Stadt des Gebietes Luhansk von der russischen Armee erobert worden. Vor dem Ende Februar von Russland begonnenen Einmarsch in die Ukraine hatte die Industriestadt knapp 100 000 Einwohner.

Auch mit Hilfe westlicher Waffen hat die ukrainische Armee im August mit einer gross angelegten Gegenoffensive begonnen. Im Charkiwer Gebiet wurden dadurch zuletzt Dutzende Dörfer und mehrere StÀdte von den russischen Besatzern befreit.

(text:sda/bild:pixabay)