4 Dezember 2023

Russische Angriffe auf Cherson – Die Nacht im Überblick

Bei einer Serie von russischen ArtillerieĂŒberfĂ€llen auf die sĂŒdukrainische Stadt Cherson sind mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen. Weitere sieben Bewohner wurden nach offiziellen Angaben vom Sonntag schwer verletzt. Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj verurteilte die russischen Angriffe auf Cherson als „reine TerroranschlĂ€ge“. „Insgesamt gab es allein an diesem Tag mehr als 20 russische Angriffe in der Region Cherson“, sagte Selenskyj am Sonntag in seiner abendlichen Videoansprache. „Brutale SchlĂ€ge, in der ganzen Stadt – HĂ€user, Strassen, KrankenhĂ€user.“

Nach Angaben von MilitĂ€rverwalter Roman Mrotschko habe der Angriff auf die Stadtmitte am Sonntag zwei KrankenhĂ€usern gegolten, an denen lediglich leichte SchĂ€den registriert worden seien. Stattdessen sei ein mehrstöckiges Wohnhaus getroffen und schwer beschĂ€digt worden. Cherson sei in den vergangenen Tagen wiederholt Ziel russischer Angriffe aus Rohrartillerie, Granatwerfern und Raketenwerfern gewesen, verlautete aus der MilitĂ€rverwaltung. Allein seit Samstag sei die Stadt am Dnipro mit knapp 400 Granaten beschossen worden. Die Angaben konnten zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒft werden.

Die ukrainischen StreitkrĂ€fte berichteten von wiederholten russischen Angriffen gegen die am linken Ufer des Dnipro bei Cherson erkĂ€mpften BrĂŒckenköpfe, um diese möglichst einzudrĂŒcken. Kampfhandlungen wurden am Sonntag auch von anderen Frontabschnitten gemeldet. „An Dutzenden von Orten entlang der gesamten Frontlinie wird weiterhin heftig gekĂ€mpft“, sagte Selenskyj. „Am schwierigsten sind die Gebiete Marijinka, Awdijiwka und Bachmut.“ Details nannte er nicht.

Am Sonntagabend wurde sowohl im Osten als auch im SĂŒden der Ukraine Luftalarm ausgelöst. Ukrainische Medien berichteten ĂŒber den Anflug russischer Kamikaze-Drohnen aus iranischer Produktion ĂŒber das Schwarze Meer. Die Flugabwehr in Mykolajiw sei gegen die Drohnen aktiv geworden.

Estlands Regierungschefin Kallas fordert Tribunal fĂŒr Angriffskriege

Die estnische MinisterprĂ€sidentin Kaja Kallas forderte ein internationales Tribunal zur Bestrafung der Verantwortlichen fĂŒr den russischen Angriffskrieg. „FĂŒr Kriegsverbrechen gibt es den Internationalen Strafgerichtshof, der diese Taten verfolgt. Aber fĂŒr das Verbrechen des Angriffskrieges muss es auch ein Tribunal geben“, sagte Kallas am Sonntag in Hamburg bei der Entgegennahme des Marion-Dönhoff-Preises fĂŒr internationale VerstĂ€ndigung und Versöhnung. Der Angriffskrieg sei „die Mutter aller Verbrechen“. Die verantwortlichen Spitzenpolitiker mĂŒssten zur Rechenschaft gezogen werden. Diese Forderung nach juristischer Verantwortung der politischen und militĂ€rischen FĂŒhrung Russlands stellt auch die ukrainische FĂŒhrung in ihrem Friedensplan.

Selenskyj deutet StĂ€rkung der RĂŒstungsindustrie an

Die ukrainische RĂŒstungsindustrie soll in KĂŒrze ihre KapazitĂ€ten ausweiten. Das kĂŒndigte PrĂ€sident Selenskyj am Sonntagabend ohne Nennung weiterer Details an. „NĂ€chste Woche – wir bereiten uns bereits darauf vor – werden wir die FĂ€higkeiten unseres Staates definitiv erhöhen, vor allem unsere RĂŒstungsindustrie“, sagte er. Zuletzt war die Errichtung eines Werks zur Panzer-Produktion durch einen deutschen Konzern im GesprĂ€ch.

Der Rheinmetall-Vorstandsvorsitzende Armin Papperger hatte zum Wochenende im GesprĂ€ch mit der „Wirtschaftswoche“ erklĂ€rt, er erwarte spĂ€testens Anfang des nĂ€chsten Jahres den Abschluss eines entsprechenden Vertrags mit der Ukraine zum Bau des radgetriebenen Transportpanzers Fuchs und des SchĂŒtzenpanzers Lynx. Der Konzern wolle dazu bestehende Anlagen „quasi anmieten, umrĂŒsten und dann betreiben“. Die Anlagen seien gegen mögliche Angriffe gut geschĂŒtzt.

Studie: Ukraine-Krieg stösst mehr CO2 aus als Belgien in einem Jahr

Russland hat mit seinem Angriffskrieg auf die Ukraine einer aktuellen Studie zufolge in den ersten anderthalb Jahren mehr klimaschĂ€dliche Treibhausgase verursacht als ein Land wie Belgien in einem Jahr. FĂŒr die Zeitspanne errechnete ein internationales Forscherteam rund um den NiederlĂ€nder Lennard de Klerk 150 Millionen Tonnen an CO2-Äquivalenten. Die Studie, die der Deutschen Presse-Agentur vorab vorliegt, sollte an diesem Montag auf der Weltklimakonferenz in Dubai vorgestellt werden. Von CO2-Äquivalenten ist die Rede, wenn die Emissionen anderer klimaschĂ€dlicher Treibhausgase – wie etwa Methan – in CO2-Emissionen umgerechnet werden, um besser vergleichen zu können.

Was am Montag wichtig wird

An den Fronten in der Ukraine sind am Montag bei eisigen Temperaturen erneut KĂ€mpfe zu erwarten, vor allem im Osten des Landes.

(text:sda/bild:keystone)