23 Mai 2022

Russe im ersten Kriegsverbrecherprozess in Kiew verurteilt

Im ersten ukrainischen Kriegsverbrecherprozess ist ein 21 Jahre alter russischer Soldat zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Das Gericht in Kiew sah es am Montag nach einem Gest├Ąndnis des Mannes als erwiesen an, dass der Panzersoldat nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine am 28. Februar einen unbewaffneten 62-J├Ąhrigen Zivilisten erschoss. Nach dem weltweiten Entsetzen ├╝ber russische Gr├Ąueltaten in der Ukraine war dies der erste vor Gericht verhandelte Fall. Der Beschuldigte hat nun 30 Tage Zeit, um Berufung einzulegen. Noch ist das Urteil nicht rechtskr├Ąftig.

Die Staatsanwaltschaft hatte lebenslange Haft beantragt. Die Verteidigung pl├Ądierte auf Freispruch, weil der Soldat einen Befehl ausgef├╝hrt habe. Es ist der erste Fall eines Kriegsverbrechens, der in der Ukraine seit Beginn der russischen Invasion vor Gericht verhandelt wurde.

Unter grosser internationaler Aufmerksamkeit hatte sich der aus Sibirien stammende Panzersoldat entschuldigt. „Ich bedauere es. Ich bereue es sehr. Ich habe mich nicht geweigert, und ich bin bereit, alle Massnahmen zu akzeptieren, die verh├Ąngt werden“, hatte er in seinem Schlusswort in der vergangenen Woche gesagt.

Aus dem Kreml hiess es kurz vor der Urteilsverk├╝ndigung, Moskau suche nach M├Âglichkeiten, dem Beschuldigten zu helfen. „Nat├╝rlich besorgt uns das Schicksal unseres Mitb├╝rgers“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Nachrichtenagentur Interfax zufolge.

Der Prozess hatte in der vergangenen Woche begonnen. F├╝r m├Âglich gehalten wird, dass der Mann gegen ukrainische Gefangene in Russland ausgetauscht wird. Wie die Ukraine hat auch Russland viele Soldaten in Gefangenschaft genommen.

Russland ist am 24. Februar in das Nachbarland Ukraine einmarschiert. Die Vereinten Nationen haben seitdem mehr als 3800 get├Âtete Zivilisten registriert. Die tats├Ąchliche Zahl d├╝rfte deutlich h├Âher sein.

(text:sda/bild:pexels)