4 Januar 2022

Rekordzahl von Neuansteckungen

Eine Rekordzahl von Neuansteckungen mit dem Coronavirus und dennoch stabile Lage in den SpitĂ€lern: Als Grund dafĂŒr sieht das Bundesamt fĂŒr Gesundheit (BAG) die rasante Ausbreitung der Omikron-Variante. Weil deren KrankheitsverlĂ€ufe aber weniger schwer sind, belastet die Entwicklung die Intensivstationen nicht.

Allerdings rechnet Patrick Mathys, Leiter der Sektion KrisenbewĂ€ltigung und internationale Zusammenarbeit im BAG, mit einer starken Zunahme der Spitaleintritte im Zusammenhang mit einer Covid-19-Ansteckung. Die hohe Zahl an positiven Tests – solchen, die eine Ansteckung bestĂ€tigen – lasse zudem darauf schliessen, dass viele Ansteckungen unentdeckt bleiben.

In der Schweiz stehen derzeit 100’000 Tests pro Tag zur VerfĂŒgung, und davon wĂŒrden rund 60’000 auch gemacht, sagte Mathys. FrĂŒher oder spĂ€ter werde es bei höheren Fallzahlen allerdings nicht mehr möglich sein, immer im heutige Umfang zu testen. Und HerdenimmunitĂ€t sei mit Blick auf immer neue Coronavirus-Varianten sowieso eine theoretische Angelegenheit.

Selbst eine dritte Impfung, eine Auffrischungs- oder Booster-Impfung, schĂŒtzt nicht vollstĂ€ndig vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus. Derzeit seien 357 “geboosterte” Personen in Spitalbehandlung wegen eines sogenannten Impfdurchbruchs, schrieb das BAG am Dienstag zu Angaben des Nachrichtenportals nau.ch vom Montag.

Von Omikron stark betroffen sein werden Kinder als die am wenigsten oder nicht geimpfte Gruppe, wie Alain Di Gallo von der wissenschaftlichen Covid-Task-Force sagte. Wichtigstes Ziel sei dennoch die Offenhaltung der Schulen.

Wenn die KontakthĂ€ufigkeit gleich bleibe, wĂŒrden durch die Zunahme des Anteils von Omikron die absoluten Corona-Fallzahlen zunehmend schneller ansteigen, warnte die Corona-Task-Force in ihrem Bericht vom Dienstag.

“Momentan steigen die Fallzahlen um rund 45 Prozent pro Woche. Eine weitere Zunahme der FĂ€lle wĂŒrde zu vielen KrankheitsfĂ€llen und damit auch ArbeitsausfĂ€llen in kritischen Bereichen wie dem Gesundheitssystem fĂŒhren und TestkapazitĂ€ten ĂŒberlasten”, hiess es weiter. Wenn Kontakte reduziert werden, könne dieser absolute Anstieg der Fallzahlen gebremst werden.

Die SBB warnten am Dienstag vor ZugausfĂ€llen wegen Krankheit beim Personal. Die Situation sei “zunehmend angespannt”, hiess es auf deren Homepage. Im Tessin wurde der Fahrplan wegen erkrankter Lok- und ZugfĂŒhrer bereits ausgedĂŒnnt.

Die hochansteckende Omikron-Variante fĂŒhrt auch zu einer zusĂ€tzlichen Belastung des Gesundheitswesens, wie Rudolf Hauri, PrĂ€sident der Vereinigung der KantonsĂ€rztinnen und KantonsĂ€rzte (VKS), sagte. Grund seien PersonalausfĂ€lle in den SpitĂ€lern, wenn Mitarbeitende in Isolation oder in QuarantĂ€ne mĂŒssten.

Bei den QuarantĂ€neregeln bemĂŒhen sich die Kantone gemĂ€ss Hauri um möglichst einheitliche Regelungen. In den vergangenen Tagen hatten die meisten Kantone nicht nur die QuarantĂ€nedauer von zehn auf sieben Tage verkĂŒrzt, sondern auch Ausnahmen eingefĂŒhrt fĂŒr Personen, die keinen engen Kontakt zu Infizierten hatten und nicht im selben Haushalt leben. Jeder Fall werde aber genau beurteilt.

Am Dienstag wurden dem BAG innerhalb von 24 Stunden 20’742 neue Coronavirus-Ansteckungen fĂŒr die Schweiz und Liechtenstein gemeldet. Gleichzeitig registrierte das BAG 15 neue TodesfĂ€lle und 109 Spitaleintritte.

Am gleichen Tag vor einer Woche hatte das BAG noch Meldungen ĂŒber 13’375 bestĂ€tigte Neuinfektionen, 124 Spitaleintritte und 17 TodesfĂ€lle erhalten. Damit sind die Fallzahlen innert Wochenfrist um 55,1 Prozent gestiegen. Die Spitaleintritte wiederum nahmen im Vergleich zur Vorwoche um 12,1 Prozent ab.

Die Auslastung der Intensivstationen in den SpitĂ€lern betrĂ€gt zurzeit 76,00 Prozent. 34,60 Prozent der verfĂŒgbaren Betten werden von Covid-19-Patienten belegt.

Auf 100’000 Einwohnerinnen und Einwohner wurden in den vergangenen zwei Wochen 2082,88 laborbestĂ€tigte Coronavirus-Infektionen gemeldet. Die Reproduktionszahl R, die angibt, wie viele Personen eine infizierte Person im Durchschnitt ansteckt, lag vor rund zehn Tagen bei 1,37. Unterdessen sind 67,27 Prozent der Bevölkerung in der Schweiz vollstĂ€ndig geimpft.

(text:sda/bild:unsplash-symbolbild)