Regierungsrat stellt sich hinter Kunstmuseum-Kredit
Der Regierungsrat empfiehlt den Stimmberechtigten des Kantons Bern, den Projektierungskredit für die Sanierung und den Ersatzneubau des Kunstmuseums Bern anzunehmen. Die Abstimmung über den Kredit von 15,7 Millionen Franken erfolgt am Sonntag, 14. Juni 2026.
Das Kunstmuseum Bern ist für den Kanton Bern von grosser kultureller Bedeutung. Seit der Gründung der Stiftung Kunstmuseum Bern im Jahr 1849 hat es eine der wichtigsten Kunstsammlungen der Schweiz aufgebaut – unter anderem mit bedeutenden Werken des Berner Künstlers Albert Anker. Als Grossrat hatte er sich massgeblich für den Bau eines Museums für das Berner Kunstschaffen eingesetzt.
Mit seinen Ausstellungen prägt das Kunstmuseum Bern den Kanton Bern als Kulturstandort in besonderer Weise, stärkt dessen Ausstrahlung weit über die Kantonsgrenzen hinaus und schafft einen grossen Mehrwert für Bevölkerung, Bildung und Tourismus. Zudem engagiert es sich stark in der kulturellen Bildung und Teilhabe – jährlich besuchen rund 100 000 Personen das Museum, darunter viele Schulklassen. Regierungsrätin und Bildungs- und Kulturdirektorin Christine Häsler betont die zentrale Rolle des Kunstmuseums Bern: «Das Kunstmuseum bewahrt bedeutende Sammlungen, setzt Impulse mit zeitgenössischer Kunst, ist international vernetzt, leistet Pionierarbeit in der Provenienzforschung und engagiert sich stark in der kulturellen Bildung. Das alles macht es zu einer Institution von nationaler und internationaler Bedeutung – und zu einem Ort, auf den wir im Kanton Bern stolz sind.»
Hoher Sanierungsbedarf bei den Gebäuden
Die Gebäude des Kunstmuseums Bern sind mittlerweile stark sanierungsbedürftig. Sowohl der historische Stettlerbau von 1879 als auch der Erweiterungsbau von 1983 weisen gravierende Mängel auf, die den Betrieb gefährden. Es fehlt unter anderem an Erdbebensicherheit, Fluchtwegen und Barrierefreiheit, zugleich müssen Haus- und Klimatechnik dringend erneuert und der Schutz der Kulturgüter verbessert werden. Besonders akut ist die Situation beim Erweiterungsbau, der aus statischen Gründen nur noch bis Ende 2030 betrieben werden darf. Das Risiko für Betriebsunterbrüche, hohe Folgekosten und Reputationsschäden muss für den gesamten Betrieb des Kunstmuseums Bern behoben werden.
Sanierung und Ersatzneubau als beste Lösung
Als verantwortliche Bauherrin hat die Stiftung Kunstmuseum Bern mit einem internationalen Architekturwettbewerb eine überzeugende Gesamtlösung gefunden: Das Sanierungs- und Neubauprojekt «Eiger» führt zu den notwendigen Verbesserungen und macht das Kunstmuseum Bern zukunftsfähig. Es sieht neben der Sanierung des Stettlerbaus einen freistehenden Neubau aus Sandstein vor. Der einfach zugängliche Neubau, verbunden mit dem historischen Stettlerbau, schafft die Voraussetzungen, um den Betrieb des Museums langfristig zu sichern, einem breiten Publikum barrierefrei zugänglich zu machen und die Sammlung für die Zukunft zu bewahren. Die erneuerte technische Infrastruktur sorgt für verlässliche und effiziente Betriebsabläufe, sodass die Betriebskosten trotz erweitertem Angebot gleichbleiben.
Ein weiterer wesentlicher Mehrwert des Projekts liegt in der städtebaulichen Qualität, die dem historisch wertvollen Stettlerbau seine architektonische Eigenständigkeit zurückgibt. Zudem wird das Museum gleichzeitig besser mit dem öffentlichen Raum verbunden. Auch Sibylle Birrer, Vorsteherin Amt für Kultur, ist von der geplanten Gesamterneuerung überzeugt: «Mit dem Projekt «Eiger» soll sichergestellt werden, dass auch künftige Generationen die Kunst von gestern, heute und morgen in bestmöglichem Rahmen erleben können. Mit dem vorliegenden Projekt entsteht nicht nur eine betrieblich überzeugende Lösung, sondern auch ein Ort, an dem Menschen sich gerne aufhalten werden.» Die Eröffnung des erneuerten Kunstmuseums Bern ist nach heutigem Planungsstand für Ende 2035 vorgesehen.
Mehrheit des Grossen Rates unterstützt Projektierungskredit
Der Grosse Rat hat in der Herbstsession dem Projektierungskredit über 15,7 Millionen Franken mit 91 Ja-Stimmen zu 44 Nein-Stimmen bei 16 Enthaltungen zugestimmt. Bauherrin des Projekts «Eiger» ist die Stiftung Kunstmuseum Bern. Sie trägt die finanzielle Verantwortung. Über den Kantonsbeitrag für die Ausführung des Projekts entscheidet zu einem späteren Zeitpunkt wiederum der Grosse Rat.
Die Argumente gegen die Vorlage
Für die Ratsminderheit und das Referendumskomitee sind das vorliegende Projekt überdimensioniert und der vorgesehene Kantonsbeitrag zu hoch. Er stehe in Konkurrenz zu den Investitionen des Kantons in seine eigenen Bauten. Weil die Kostenschätzungen noch ungenau sind, befürchtet die Minderheit im Grossen Rat, dass der Kanton am Ende trotz des Kostendachs Mehrkosten zu tragen hat. Zudem verpflichte das Gesetz den Kanton nur zu Betriebsbeiträgen ans Kunstmuseum. Beiträge an Investitionen müsse er nicht ausrichten. Die Stadt Bern, die als Standortgemeinde den grössten Nutzen aus dem neuen Kunstmuseum ziehen würde, beteilige sich finanziell nicht am Ersatzneubau.
Die geplante Erneuerung des Kunstmuseums Bern ist als öffentlich-private Partnerschaft konzipiert und trägt damit der breiten Bedeutung des Kunstmuseums Bern Rechnung. Die gesamten Projektierungs- und Baukosten sollen rund 147 Millionen Franken betragen. Rund 66 Millionen Franken wird das Kunstmuseum Bern mit Unterstützung von privaten Geldgeberinnen und Geldgebern (Stiftungen, Unternehmen, Einzelpersonen) sowie dem Lotteriefonds beitragen. Der Kanton Bern soll gesamthaft maximal 81,057 Millionen Franken an das Projekt beitragen. Diesen Betrag hat der Grosse Rat als Kostendach festgelegt. Allfällige Mehrkosten müsste das Kunstmuseum übernehmen, indem es bei Dritten die nötigen Gelder beschafft, oder es müsste sie durch Anpassungen am Projekt einsparen.
(text:pd/bild:csc)