7 April 2023

Raketen aus dem Libanon – Israel greift Ziele der Hamas an

Als Reaktion auf den schweren Raketenbeschuss vom Vortag hat Israel in der Nacht zum Freitag Ziele im Libanon sowie im Gazastreifen angegriffen. Die Armee nahm eigenen Angaben zufolge im Nachbarland die „terroristische Infrastruktur“ der Hamas zum Ziel. Israels MilitĂ€r macht die militanten PalĂ€stinenser dafĂŒr verantwortlich, dass am Donnerstag dutzende Raketen aus dem Nachbarland auf Israel abgefeuert wurden.

Israel habe bei seinen Angriffen ein Feld in der NĂ€he eines palĂ€stinensischen FlĂŒchtlingslagers getroffen, hiess es aus libanesischen Sicherheitskreisen. Informationen ĂŒber mögliche Opfer gibt es demnach bislang nicht.

Einige HĂ€user seien bei den Angriffen nahe der Stadt Tyros beschĂ€digt worden, berichteten Augenzeugen der Deutschen Presse-Agentur. Die Explosionen in den frĂŒhen Morgenstunden lösten demnach bei Anwohnern Panik aus.

Israels Armee wolle „der Terrororganisation Hamas nicht erlauben, vom Libanon aus zu operieren“. Der libanesische Staat trage die Verantwortung fĂŒr jeglichen Beschuss, der von seinem Gebiet ausgehe, sagte das MilitĂ€r in einer ErklĂ€rung.

„Der Libanon lehnt jede militĂ€rische Eskalation, die von seinem Land ausgeht, sowie die Nutzung libanesischen Territoriums zur DurchfĂŒhrung von Operationen, die die bestehende StabilitĂ€t gefĂ€hrden kann, vehement ab“, betonte Libanons geschĂ€ftsfĂŒhrender MinisterprĂ€sident Nadschib Mikati. Der Libanon ist seit Monaten ohne PrĂ€sident und die geschĂ€ftsfĂŒhrende Regierung Mikatis nur eingeschrĂ€nkt handlungsfĂ€hig. Das Land leidet zudem auch unter einer schweren Wirtschaftskrise.

Am Donnerstagnachmittag waren laut Israels Armee mindestens 36 Raketen aus dem Libanon auf israelisches Gebiet gefeuert worden – so viele wie seit 2006 nicht mehr.

Die UN-Friedensmission Unifil forderte alle Beteiligten auf, die Angriffe einzustellen. „Beide Seiten haben gesagt, dass sie keinen Krieg wollen“, hiess es in einer ErklĂ€rung der Organisation.

Die Blauhelme der Unifil ĂŒberwachen seit 1978 das Grenzgebiet zwischen Israel und dem Libanon. Die beiden LĂ€nder befinden sich offiziell im Kriegszustand. Zuletzt war es 2006 zu einem Krieg zwischen beiden Seiten gekommen. An der Grenze kam es auch danach immer wieder zu Spannungen.

Im Libanon leben UN-SchĂ€tzungen zufolge mehr als 400 000 palĂ€stinensische FlĂŒchtlinge verteilt auf zwölf Camps. Die im Gazastreifen herrschende Hamas hat in den FlĂŒchtlingslagern grossen Einfluss. Sie unterhĂ€lt zudem enge Verbindung mit der im Libanon mĂ€chtigen Schiitenmiliz Hisbollah. Die mit dem Iran verbĂŒndete Organisation, die in Israel einen Erzfeind sieht, reagierte bislang nicht auf die israelischen Bombardements.

In der Nacht und am Morgen flog Israels Armee auch Angriffe auf den Gazastreifen. Israelische Kampfjets bombardierten laut Armee unter anderem Waffenfabriken sowie Angriffstunnel der islamistischen Hamas. Das MilitĂ€r geht davon aus, dass die Hamas oder die im Gazastreifen ebenfalls aktive militante PalĂ€stinenserorganisation Islamischer Dschihad verantwortlich sind fĂŒr die Raketenangriffe aus dem Nachbarland.

In einigen israelischen Orten im SĂŒden gab es in der Nacht und am Morgen mehrfach Raketenalarm. Nach Angaben der Armee wurden mehr als 40 Geschosse in der Nacht aus dem Gazastreifen auf SĂŒdisrael abgefeuert. Anwohner der Region wurden dazu angehalten, in der NĂ€he von Luftschutzbunkern zu bleiben.

Der jĂŒngsten Eskalation vorausgegangen waren Zusammenstösse der israelischen Polizei mit PalĂ€stinensern auf dem Tempelberg (Al-Haram al-Scharif) in Jerusalem.

Der Tempelberg steht unter muslimischer Verwaltung, wĂ€hrend Israel fĂŒr die Sicherheit zustĂ€ndig ist. Der Tempelberg mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee ist die drittheiligste StĂ€tte im Islam. Er ist jedoch auch Juden heilig, weil dort frĂŒher zwei jĂŒdische Tempel standen. Auf dem GelĂ€nde um die Moschee kommt es immer wieder zu gewalttĂ€tigen Konfrontationen.

Weil dieser Tage Ramadan, das jĂŒdische Pessach-Fest sowie Ostern gleichzeitig stattfinden, zieht es deutlich mehr GlĂ€ubige als sonst in die Jerusalemer Altstadt. Am dritten Freitag des muslimischen Fastenmonats Ramadan wurden auch erneut Tausende Muslime fĂŒr das Freitagsgebet auf dem Tempelberg erwartet.

(text:sda/bild:keystone)