26 Mai 2022

Putin verlangt Aufhebung von Sanktionen gegen Freigabe von Getreide

Russland hat angesichts der in der Ukraine blockierten Getreideexporte den Westen erneut zu einer Aufhebung der Sanktionen aufgerufen. Russland sei bereit, durch den Transport von Getreide und DĂŒnger einen grossen Beitrag zu leisten fĂŒr die Überwindung der Lebensmittelkrise – „unter der Bedingung eines Endes der politisch motivierten BeschrĂ€nkungen seitens des Westens“. Das sagte Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin nach Kremlangaben am Donnerstag bei einem Telefonat mit dem italienischen Regierungschef Mario Draghi.

Der MinisterprĂ€sident in Rom berichtete von dem GesprĂ€ch, dass er eine grundsĂ€tzliche Bereitschaft bei Putin erkannt habe, eine Lösung in der Lebensmittelkrise zu finden. Nun werde er mit dem ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj sprechen, um dessen Meinung einzuholen, kĂŒndigte Draghi am Abend bei einer Pressekonferenz an. Auf die Frage, ob er im Telefonat mit Putin einen Hoffnungsschimmer fĂŒr generelle FriedensgesprĂ€che bemerkt habe, sagte Draghi: „Nein.“

Zuvor hatte Kremlsprecher Dmitri Peskow gesagt, die Getreideexporte aus der Ukraine könnten wieder laufen, wenn die Sanktionen gegen Russland aufgehoben wĂŒrden. Der Westen hatte Russland mit einer Vielzahl von Handelssanktionen belegt, die der Wirtschaft zusetzen. Russland und die Ukraine sind grosse Getreideexporteure mit einer wichtigen Rolle fĂŒr die WelternĂ€hrung.

Die Ukraine hatte Russland zuvor Erpressung vorgeworfen und den Westen aufgefordert, die wegen Moskaus Angriffskrieg erlassenen Sanktionen unter keinen UmstĂ€nden aufzuheben. Kiew wirft Russland vor, die Schwarzmeer-HĂ€fen mit Kriegsschiffen zu blockieren und so die fĂŒr die WelternĂ€hrung wichtige Weizenausfuhr zu verhindern. Russland wiederum hatte die Ukraine aufgefordert, ihre KĂŒstenstreifen zu entminen, damit ein Korridor fĂŒr die Getreideausfuhr eingerichtet werden könne. Das wĂ€re aber auch ein mögliches Einfallstor fĂŒr die russischen StreitkrĂ€fte.

Nach mehr als drei Monaten Angriffskrieg gegen die Ukraine warf Peskow der Regierung in Kiew fehlenden Realismus bei der Bewertung der Lage in ihrem Land auf. „Moskau erwartet von Kiew, dass Moskaus Forderungen angenommen werden und die Lage so gesehen wird, wie sie ist, die reale Lage, wie sie existiert“, sagte Peskow. Russland hatte die Ukraine zum Verzicht auf Gebiete im Osten des Landes und auch zur Anerkennung der Annexion der Schwarzmeer-Halbinsel Krim aufgefordert.

Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj hatte zuletzt betont, keine Gebiete abzugeben und weiter kĂ€mpfen zu wollen – bis zu einer Kapitulation Russlands.

(text:sda/bild:pixabay)