23 März 2021

Prozess um George Floyds Tötung: Auswahl der Geschworenen steht

Im Prozess um die Tötung des Afroamerikaners George Floyd im US-Bundesstaat Minnesota ist die Auswahl der Geschworenen abgeschlossen worden.

Verteidiger, Staatsanw√§lte und das Gericht in Minneapolis hatten bis Dienstag zweieinhalb Wochen lang dutzende Kandidaten befragt, um 15 m√∂glichst faire und unvoreingenommene Jury-Mitglieder zu finden. Die Geschworenen werden ab Montag im Hauptverfahren √ľber Schuld und Unschuld des weissen Ex-Polizisten Derek Chauvin befinden. Ihm wird unter anderem Mord zweiten Grades vorgeworfen, worauf bis zu 40 Jahre Haft stehen.

Der 46-j√§hrige Floyd war am 25. Mai 2020 in Minneapolis bei einer brutalen Festnahme ums Leben gekommen. Videos haben unter anderem dokumentiert, wie Polizeibeamte Floyd zu Boden dr√ľckten. Chauvin presste dabei sein Knie gut acht Minuten lang in Floyds Hals, w√§hrend dieser flehte, ihn atmen zu lassen. Floyd verlor der Autopsie zufolge das Bewusstsein und starb. Chauvin hat auf nicht schuldig pl√§diert.

Die Geschworenen haben im US-Recht eine herausgehobene Bedeutung. In einem so bekannten und ausf√ľhrlich in den Medien behandelten Fall wie der T√∂tung Floyds war es schwierig, unvoreingenommene Juroren zu finden. Verteidigung und Staatsanwaltschaft durften daher je eine bestimmte Zahl vorgeschlagener Geschworener ablehnen. Letztlich wurden 15 Geschworene ausgew√§hlt. Zw√∂lf von ihnen werden das Urteil f√§llen, zwei sind Ersatzkandidaten und einer soll schon am Montag beim Beginn des Hauptverfahrens wieder entlassen werden.

Die Juroren im Chauvin-Prozess bleiben aus Sicherheitsgr√ľnden zun√§chst anonym. Um Transparenz und Vertrauen zu schaffen, gab das Gericht aber unter anderem ihre Hautfarbe, das ungef√§hre Alter und ihren Beruf bekannt. Unter den ausgew√§hlten neun Frauen und sechs M√§nnern sind unter anderem vier Schwarze. Relativ zu ihrem Anteil in der Bev√∂lkerung sind Schwarze damit leicht √ľberrepr√§sentiert.

Die Erwartungen an den Prozess sind immens – Floyds Schicksal hatte in den USA mitten in der Corona-Pandemie monatelang zu Massenprotesten gegen Polizeigewalt und Rassismus gef√ľhrt. Die Proteste ersch√ľtterten das Land in historischem Ausmass. Auch in anderen L√§ndern der Welt, darunter in Deutschland, gingen Menschen gegen Rassismus auf die Strasse. Viele Menschen in den USA hoffen auf ein Urteil, das ein Zeichen gegen Rassismus und Polizeigewalt setzt.

Die Stadt Minneapolis hatte sich erst k√ľrzlich wegen des Handelns der Polizei mit Floyds Familie auf eine Vergleichszahlung in H√∂he von 27 Millionen US-Dollar (etwa 22,6 Millionen Euro) geeinigt. Das strafrechtliche Verfahren ist davon nicht direkt betroffen. Chauvins Anwalt Eric Nelson hatte aber argumentiert, dass es angesichts der Zahlung schwierig sei, einen fairen Prozess zu haben. Er forderte daher, den Prozess zu verz√∂gern und die Verhandlung in eine andere Stadt zu verlegen. Richter Peter Cahill lehnte diese Antr√§ge ab.

Chauvin, der nach dem Vorfall entlassen worden war, muss sich wegen Mordes zweiten Grades ohne Vorsatz verantworten. Nach deutschem Recht entspräche dieser Anklagepunkt eher dem Totschlag. Zudem wird Chauvin Mord dritten Grades vorgeworfen, worauf bis zu 25 Jahre Haft stehen. Auch muss er sich wegen Totschlags zweiten Grades verantworten, worauf zehn Jahre Haft stehen. Der Ex-Polizist ist derzeit auf Kaution frei und muss während des Prozesses anwesend sein.

Chauvins Verteidiger argumentieren, der Einsatz gegen Floyd sei gerechtfertigt gewesen, weil dieser Widerstand geleistet habe. Zudem argumentieren sie, dass Floyds Tod nicht auf Gewalteinwirkung zur√ľckgehe, sondern vor allem auf dessen vorbelastete Gesundheit und R√ľckst√§nde von Drogen in seinem Blut.

Die Polizisten hatten Floyd wegen des Verdachts festgenommen, mit einem falschen 20-Dollar-Schein bezahlt zu haben. Neben Chauvin sind drei weitere am Einsatz gegen Floyd beteiligte Ex-Polizisten angeklagt, die in einem separaten Verfahren ab dem 23. August vor Gericht stehen werden. Ihnen wird Beihilfe zur Last gelegt. Auch ihnen könnten langjährige Haftstrafen drohen.

(text:sda/bild:archiv)