7 Februar 2022

Prozess: Credit Suisse und bulgarische Mafia auf der Anklagebank

Die Credit Suisse muss sich ab heute Montag vor dem Bundesstrafgericht f├╝r ihre Beziehungen zu einem kriminellen bulgarischen Netzwerk verantworten. Dieses betrieb einen grossangelegten Kokainhandel und war in Geldw├Ąscherei verwickelt.

Neben der Grossbank und einer ihrer Anlageberaterinnen sind zwei Bulgaren und ein ehemaliger Angestellter der Bank Julius B├Ąr angeklagt. Die Credit Suisse weist die gegen sie erhobenen Vorw├╝rfe in aller Form zur├╝ck, wie sie gegen├╝ber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA erkl├Ąrte. Sie sei auch von der Unschuld ihrer ehemaligen Mitarbeiterin ├╝berzeugt.

Die von der Bundesanwaltschaft (BA) angeklagten Parteien sollen in unterschiedlicher Weise mit Evelin Banev zusammengearbeitet haben. Banev ist der Chef eines kriminellen Netzwerks, das Dutzende Tonnen von Kokain aus Lateinamerika nach Europa importierte.

Mit Hilfe der Angeklagten soll Banevs Organisation einen Teil des Gesch├Ąfts-Erl├Âses gewaschen haben. Zwischen 2004 und 2007 sollen es ├╝ber 70 Millionen Franken gewesen sein. Die BA geht davon aus, dass der Gewinn pro Tonne Kokain 30 Millionen Euro betrug.

Die Credit Suisse muss sich im Rahmen der Unternehmens-Strafbarkeit wegen qualifizierter Geldw├Ąscherei verantworten. Die BA ist der Ansicht, die Bank habe nicht alle notwendigen organisatorischen Massnahmen ergriffen, um zu verhindern, dass die Gelder kriminellen Ursprungs auf ihre Konten eingezahlt werden konnten.

Bei den beiden angeklagten Bulgaren handelt es sich um Banevs Finanzberater und einen im Wallis niedergelassenen ehemaligen Ringer. Die beiden M├Ąnner sind wegen qualifizierter Geldw├Ąscherei und Beteiligung an einer kriminellen Organisation angeklagt.

Die ebenfalls wegen qualifizierter Geldw├Ąscherei angeklagte Ex-Mitarbeiterin der Credit Suisse verwaltete die f├╝r den Banev-Clan er├Âffneten Konten. Der letzte Angeklagte war ein Freund von Banevs Finanzberater. Als Mitarbeiter bei der Bank Julius B├Ąr hatte er zwei Konten f├╝r Briefkastenfirmen von Banev und eines f├╝r seinen Freund er├Âffnet. Als die Z├╝rcher Bank sich weigerte, diese Beziehungen weiterzuf├╝hren, k├╝ndigte der Mann und stellte sich in den Dienst des bulgarischen Netzwerks.

Das Schweizer Verfahren wurde 2008 von der BA eingeleitet, nachdem Bulgarien im Jahr zuvor ein Rechtshilfegesuch gestellt hatte. Banev wurde in Bulgarien, Italien und Rum├Ąnien zu langj├Ąhrigen Freiheitsstrafen verurteilt. (F├Ąlle SK.2020.62 und SK.2020.10)

(text:sda/bild:unsplash-symbolbild)