3 Oktober 2022

PrÀsidentenwahl in Brasilien: Lula gewinnt erste Runde

Luiz InĂĄcio Lula da Silva hat die erste Runde der PrĂ€sidentenwahl in Brasilien knapp fĂŒr sich entschieden. Der linke Ex-Staatschef kam auf 47,97 Prozent, wie das Wahlamt am Sonntag mitteilte. Der rechte Amtsinhaber Jair Bolsonaro erhielt demnach 43,60 Prozent.

Das Ergebnis war allerdings sehr viel enger als erwartet: In den Umfragen lag Lula zuletzt deutlich vorn. Nach EinschÀtzung von Experten bekannten sich viele Befragten nicht zu ihren tatsÀchlichen Favoriten oder entschieden sich erst am Wahltag.

Da keiner der Kandidaten ĂŒber 50 Prozent der Stimmen holen konnte, treten Lula und Bolsonaro am 30. Oktober in einer Stichwahl gegeneinander an. Sollte Ex-PrĂ€sident Lula (2003-2010) auch in der zweiten Runde gewinnen, wĂ€re er der erste demokratische PrĂ€sident Brasiliens, der in eine dritte Amtszeit geht. Neben dem kĂŒnftigen PrĂ€sidenten wurden am Sonntag auch Abgeordnete, Senatoren und Gouverneure gewĂ€hlt.

Viele AnhĂ€nger des 76-JĂ€hrigen verbinden Lula mit den goldenen Zeiten Brasiliens, als die Wirtschaft aufgrund der hohen Rohstoffpreise boomte und die Regierung mit Hilfe von Sozialprogrammen Millionen Menschen aus der bittersten Armut holte. FĂŒr seine Gegner hingegen ist Lula verantwortlich fĂŒr Korruption und Vetternwirtschaft.

Die Wahl hat die grösste Volkswirtschaft Lateinamerikas extrem gespalten. Lula bezeichnete Bolsonaro wegen dessen zögerlicher Corona-Politik als Völkermörder, Bolsonaro nannte seinen Kontrahenten nach dessen Verurteilung wegen Korruption einen Dieb.

„Die Mehrheit der Gesellschaft will keine Konfrontation, sie will Frieden“, sagte Lula nach seiner Stimmabgabe am Sonntag. „Ich denke, es wird uns leicht fallen, Demokratie und Frieden in diesem Land wiederherzustellen.“

Die UnterstĂŒtzer von Bolsonaro sehen ihren Staatschef hingegen als Verteidiger traditioneller Familienwerte und wirtschaftlicher Freiheit. Radikale AnhĂ€nger des Hauptmanns der Reserve forderten bei Demonstrationen unverhohlen einen MilitĂ€rputsch. Der rechte PrĂ€sident hatte zuletzt immer wieder Zweifel am Wahlsystem gestreut und angedeutet, das Ergebnis möglicherweise nicht anzuerkennen. „Worauf es ankommt, sind saubere Wahlen ohne Probleme“, sagte er am Sonntag. „Möge der Bessere gewinnen.“

Die PrĂ€sidentenwahl in Brasilien hat auch fĂŒr den Rest der Welt eine grosse Bedeutung. Als riesiger Kohlenstoffspeicher spielt das Amazonasgebiet im Kampf gegen den weltweiten Klimawandel eine wichtige Rolle. Gerade angesichts der angespannten Lage auf dem Energie- und Lebensmittelmarkt wegen des Ukraine-Kriegs ist das Land mit seinen enormen natĂŒrlichen Ressourcen und seiner grossen Agrarwirtschaft auch ein interessanter Handelspartner.

(text:sda/bild:unsplash)