Polens Staatspräsident plädiert in Bern für starke Verteidigung
Polens Staatspräsident Karol Nawrocki ist am Mittwoch zu einem zweitägigen Staatsbesuch in der Schweiz eingetroffen. In seiner offiziellen Rede vor dem Gesamtbundesrat plädierte der parteilose Historiker für Investitionen der europäischen Staaten in ihre Verteidigung.
In der Wandelhalle des Parlamentsgebäudes sagte Nawrocki, Schweizer Friedensinitiativen wie jene auf dem Bürgenstock im Jahr 2024 seien gut. Angesichts neuer Bedrohungen sei es aber nötig, dass europäische Staaten ihre Verteidigungsfähigkeit ausbauten.
Polen begrüsse die Diskussionen über die Stärkung europäischer Verteidigungsfähigkeit in der Schweiz. Er glaube, dass die Staaten diese Anstrengungen unter Berücksichtigung ihrer Traditionen und der jeweiligen Umstände vornehmen könnten.
Der polnische Staatspräsident betonte, sein Land wende heute fast fünf Prozent seines Bruttoinlandprodukts oder 15 Milliarden Dollar für die Verteidigung auf. Vor wem sich Europa in Acht nehmen müsse, sagte Nawrocki in seiner Rede nicht. Später, vor den Medien, sagte er aber, Russland stelle eine grosse Gefahr dar.
Nawrocki und seine Frau Marta waren am Mittag in Bern eingetroffen und wurden zuerst im Landsitz Lohn des Bundes in Kehrsatz BE empfangen. Danach ging es weiter auf den Bundesplatz.
Dort empfingen Bundespräsident Guy Parmelin und seine Frau Caroline Nawrocki und stellten ihm und seiner Frau die übrigen Mitglieder des Bundesrats und den Bundeskanzler vor. Nicht dabei war wegen seiner Rückenoperation von Ende April Bundesrat Albert Rösti.
Nach dem Abspielen der Landeshymnen und dem Abnehmen der militärischen Ehrbezeugung schritt Nawrocki zum Rand des Bundesplatzes. Dort, hinter den Abschrankungen, hatten sich Menschen mit polnischen Flaggen eingefunden. Nawrocki wechselte mit ihnen ein paar Worte. So plauderte er etwa mit einem Jungen, der ein Trikot des polnischen Fussballstars Robert Lewandowski trug.
Von der Hitze auf dem Bundesplatz wechselten Gastgeber und Gäste in die etwas kühlere Wandelhalle des Bundeshauses. Dort standen die offiziellen Ansprachen auf dem Programm. Parmelin sprach von exzellenten Beziehungen zwischen den beiden Ländern, welche noch weiter vertieft werden könnten. Er erwähnte auch historische Bande wie etwa den Umstand, dass im Zweiten Weltkrieg 13’000 polnische Soldaten in der Schweiz interniert wurden.
Nach den offiziellen Reden trafen sich die beide Delegationen im Bernerhof zu Gesprächen unter Ausschluss der Öffentlichkeit. An der anschliessenden Medienkonferenz lobte Nawrocki die sogenannten Erweiterungsbeiträge der Schweiz an ausgewählte EU-Staaten. Polen erhält mit rund 320 Millionen Franken den grössten Anteil aus dem zweiten Erweiterungsbeitrag der Schweiz für die Jahre 2019 bis 2029.
Auch Parmelin erwähnte die Erweiterungsbeiträge und ihren Nutzen für mittelgrosse polnische Städte. Von der Hilfe profitierten nicht nur die Städte und ihr Umland, sondern auch Schweizer Unternehmen, die dort aktiv würden.
Am Donnerstag wird Karol Nawrocki in den Kanton Waadt reisen. In Begleitung von Bundespräsident Parmelin wird der polnische Staatspräsident Institutionen besuchen, die für Bildung und Innovation sowie für historische Berührungspunkte zwischen der Schweiz und Polen stehen. Nawrocki wird auch die Eidgenössische Technische Hochschule EPFL in Lausanne besuchen.
(text:sda/bild:keystone)