26 Januar 2022

Pierin Vincenz gibt sich unschuldig

Am ersten Verhandlungstag im Raiffeisen-Fall ist der frĂŒhere Bankchef Pierin Vincenz befragt worden: Er fĂŒhle sich unschuldig, sagte der 65-JĂ€hrige im Theatersaal des Volkshauses, in dem das Bezirksgericht ZĂŒrich tagt.

Vincenz und seinem GeschĂ€ftspartner Beat Stocker wirft die Staatsanwaltschaft unter anderem Betrug und ungetreue GeschĂ€ftsbesorgung vor. Sie sollen einen unrechtmĂ€ssigen Gewinn von insgesamt 25 Millionen Franken eingestrichen haben. FĂŒnf Mitbeschuldigte sollen ihnen dazu Beihilfe geleistet haben.

Der Ex-Bankchef soll gemĂ€ss Anklage ĂŒber GeschĂ€ftsspesen Besuche in Stripclubs (200’000 Franken), private Reisen (250’000 Franken) und Anwaltskosten fĂŒr private Beratungen (140’000 Franken) abgerechnet haben.

BezĂŒglich Anwaltskosten und einzelner kleiner Posten rĂ€umte Vincenz Fehler ein. So seien gewisse Rechnungen von seinem AnwaltsbĂŒro statt an ihn irrtĂŒmlicherweise an die Bank gesandt und von dieser beglichen worden.

Bei Auslagen in Nachtclubs und Stripclubs – “Besuche im Rahmen von Nachtessen und Veranstaltungen” – sei es um Beziehungspflege mit GeschĂ€ftsleuten gegangen, hielt der 65-JĂ€hrige fest.

Und auch die Reisen seien geschĂ€ftlich begrĂŒndet gewesen. So habe es sich etwa beim Kochclub, den er auf Bankkosten zu einem Ausflug im Privatjet eingeladen hatte, um einen “GeschĂ€ftsclub” gehandelt. Es sei um Kontakte gegangen, nicht ums Kochen. “Es wurden konkret GeschĂ€fte abgeschlossen.”

Die Staatsanwaltschaft wirft Vincenz im Weiteren vor, dass er die Übernahme von Firmen vorangetrieben haben soll, an denen er sich versteckt privat beteiligt hatte.

Im Fall “Commtrain” rĂ€umte Vincenz ein, dass er seine Beteiligung nicht offengelegt habe. Das sei vor 15 Jahren gewesen, er sei unerfahren gewesen, begrĂŒndete er. Es habe sich um eine private Investition gehandelt. Aus DiskretionsgrĂŒnden habe er nicht gewollt, dass bekannt werde, dass er im KMU-Bereich investiere.

Bei anderen Deals machte er geltend, dass er zum Zeitpunkt der Übernahmen keine Beteiligung mehr gehalten habe oder dass es sich bei den festgestellten Überweisungen nicht um Gewinnbeteiligungen, sondern um erhaltene Privatkredite gehandelt habe. “Ich habe nicht das GefĂŒhl, dass ich etwas Kriminelles unternommen habe.” Er fĂŒhle sich unschuldig, meinte er auf eine entsprechende Frage des Richters.

Am Vormittag hatten verschiedene Verteidigerteams versucht, die Verhandlung zu stoppen oder zumindest zu verschieben.

Bei einem sofortigen Start der Verhandlung mĂŒssten die ersten PlĂ€doyers gehalten werden, bevor sich der letzte Beschuldigte zu Wort gemeldet habe, hatte Vincenz‘ Anwalt kritisiert. Und der Verteidiger von Beat Stocker meinte, dass ohne Verschiebung eine “Verzettelung der Hauptverhandlung” drohe.

Denn einer der Mitbeschuldigten bleibt den ersten Verhandlungstagen coronabedingt fern. Seine Befragung will das Gericht in rund zwei Wochen durchfĂŒhren, am 9. Februar. Eine Verschiebung kam fĂŒr das Gericht aber nicht in Frage: Das rechtliche Gehör bleibe auch bei einer spĂ€teren Befragung gewahrt.

Die Verhandlung, die das Bezirksgericht angesichts des Medien- und Publikumsinteresses im Volkshaus durchfĂŒhrt, wird von Mittwoch bis Freitag sowie am 9. Februar fortgesetzt. Da diese Termine nicht ausreichen, hat das Gericht die Parteien inzwischen im MĂ€rz an vier zusĂ€tzlichen Tagen vorgeladen.

Am Mittwoch geht Prozess mit den Befragungen der weiteren anwesenden Beschuldigten weiter. Danach folgen die PlÀdoyers von Staatsanwaltschaft, PrivatklÀgern und Verteidigungen.

(text:sda/bild:unsplash)