19 Juni 2021

Petkovic richtet einen offenen Brief an die Schweiz

Der Schweizer Nationaltrainer Vladimir Petkovic wendet sich in einem offenen Brief, der am Samstag in der „Schweiz am Wochenende“ abgedruckt ist, an die „lieben Schweizerinnen und Schweizer“.

Nach dem verpatzten Auftritt gegen Italien und vor dem alles entscheidenden gegen die T├╝rkei am Sonntag gibt Petkovic einen kleinen Einblick ins Innenleben der Mannschaft. Er dr├╝ckt sein Bedauern aus wegen der entt├Ąuschenden Leistung gegen Italien und appelliert an die Unterst├╝tzung „von Euch allen“. Einige Ausz├╝ge aus seinem Brief.

„Wir wollten Euch eine magische Nacht schenken. Euch stolz machen auf uns und auf unsere Schweiz. Wir wollten Euch nach den vielen Entbehrungen der langen Zeit der Pandemie gl├╝cklich machen mit einem Sieg gegen Italien. So vieles hatten wir uns daf├╝r vorgenommen. Zu viel vielleicht. Und am Schluss blieb nichts als Entt├Ąuschung. F├╝r Euch, f├╝r uns und f├╝r viertausend Schweizerinnen und Schweizer, die nach Rom gereist sind. Das tut uns von Herzen leid.“

„Morgen ist ein neuer Tag. Gegen die T├╝rkei haben wir nun noch einmal die Chance, uns f├╝r den Achtelfinal zu qualifizieren. (…) In diesem Spiel der letzten Chance m├╝ssen wir neben der richtigen taktischen Ausrichtung nun auch wieder alle unsere Werte und Tugenden auf den Platz bringen: Solidarit├Ąt, Identifikation, Freude und Respekt. Dann k├Ânnen wir es schaffen.“

„Seit dem 26. Mai, dem ersten Tag der Vorbereitungen, leben wir nun schon zusammen. In Hotels zwischen Zimmer, Esssaal und Fussballplatz. Dabei verfolgen wir alle ein einziges Ziel: Spiele f├╝r Euch und f├╝r die Schweiz zu gewinnen. (…) Alle wollen wir dabei das Beste geben. Jede Minute und jede Sekunde.“

„Nicht immer erf├╝llen wir, was Ihr von uns erwartet. Wir sind Menschen, die versuchen, diesen Anspr├╝chen gerecht zu werden, was uns aber leider nicht immer gelingt. Wir sind wie eine grosse Familie, in der es kracht, in der es Verfehlungen gibt, die wir dann zusammen besprechen und kl├Ąren, um uns wieder umarmen und gemeinsam unsere hochgesteckten Ziele erreichen zu k├Ânnen.“

„Gestern ist Yann Sommer von seiner kurzen Reise nach Hause zu uns zur├╝ckgekehrt. Als frischgebackener Vater von T├Âchterchen Nayla. Das war ein wundersch├Âner Moment f├╝r uns alle. Fussballspieler und Trainer haben Gef├╝hle, Sorgen, ├ängste und Freuden wie alle anderen. Wir sind genauso verletzlich.“

„Und deshalb brauchen wir vor diesem entscheidenden Spiel die Unterst├╝tzung von Euch allen. Eure Solidarit├Ąt. Eure Positivit├Ąt. Wir werden alles daf├╝r tun, dass wir uns am Sonntagabend alle gemeinsam freuen k├Ânnen. Dass wir zusammen stolz sein k├Ânnen. Auf unsere Nati und auf unsere Schweiz!“

(text:sda/bild:unsplash)