23 September 2023

Papst mahnt Europa zur Aufnahme und Integration von Migranten

Papst Franziskus warnt mit Blick auf die Migration von Afrika ĂŒbers Mittelmeer nach Europa vor Abschottung und Panikmache. Es mĂŒssten regulĂ€re Einreisemöglichkeiten und eine ausgewogene Aufnahme der Migranten in Europa gewĂ€hrleistet werden, sagte der Pontifex am Samstag am zweiten Tag seines Besuchs im sĂŒdfranzösischen Marseille. Bei der Migration handele es sich weder um eine Invasion noch um eine Notsituation, sondern um eine Gegebenheit unserer Zeit, die in europĂ€ischer Verantwortung und Zusammenarbeit mit den HerkunftslĂ€ndern angegangen werden mĂŒsse.

„Das mare nostrum schreit nach Gerechtigkeit, denn an seinen Ufern herrschen auf der einen Seite Überfluss, Konsum und Verschwendung, auf der anderen Seite hingegen Armut und PrekaritĂ€t“, sagte Franziskus zum Abschluss eines Jugendtreffens mit Teilnehmern aus 29 LĂ€ndern des Mittelmeerraums. NatĂŒrlich seien die Schwierigkeiten bei der Aufnahme der Migranten nicht zu ĂŒbersehen. „Aber das Hauptkriterium kann nicht der Erhalt des eigenen Wohlstandes sein, sondern vielmehr die Wahrung der MenschenwĂŒrde.“

Die Zukunft liege nicht in der Abschottung. „Zu sagen „genug“, bedeutet hingegen die Augen zu verschliessen; der Versuch, sich heute „selbst zu retten“, wird sich morgen in eine Tragödie verwandeln“, mahnte das Kirchenoberhaupt. „KĂŒnftige Generationen werden uns danken, wenn es uns gelungen ist, die Bedingungen fĂŒr eine unvermeidliche Integration zu schaffen, wĂ€hrend sie uns die Schuld geben werden, wenn wir lediglich eine sterile Assimilation betrieben haben.“ Integration sei mĂŒhsam, aber eine weitsichtige Vorbereitung auf die Zukunft, sagte Franziskus.

Knapp 60 000 Menschen strömten am Nachmittag in das Stadion VĂ©lodrome, wo der Papst am zweiten Tag seines Besuchs in Marseille eine Messe hielt. Dabei rief er dazu auf, sich vom Glauben ergreifen zu lassen und sich fĂŒr das Leben derer zu interessieren, an denen man tĂ€glich vorbeigehe. „Unsere GrossstĂ€dte und viele europĂ€ische LĂ€nder wie Frankreich, in denen verschiedene Kulturen und Religionen zusammenleben, stellen in diesem Sinne eine grosse Herausforderung gegen die AuswĂŒchse des Individualismus, gegen den Egoismus und die Verschlossenheit dar, die Einsamkeit und Leid erzeugen.“

An dem Gottesdienst nahm auch Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron teil, der sich zuvor mit dem Oberhaupt der katholischen Kirche zu einem GesprĂ€ch getroffen hatten. Auch dabei sollte Migration ein wichtiges Thema sein. Entlang der Avenue du Prado, ĂŒber die Franziskus mit dem Papamobil Richtung Stadion fuhr, sĂ€umten Tausende Schaulustige und aus ganz Frankreich angereiste GlĂ€ubige den Strassenrand.

(text:sda/bild:keystone)