7 Mai 2022

Pannen sind laut Swisscom-Chef Schaeppi seltener geworden

Swisscom-Chef Urs Schaeppi wehrt sich gegen das Pannen-Image des Unternehmens. „├ťber das Gesamte gesehen, ist unsere Stabilit├Ąt aber besser geworden“, sagte er in der „Samstagsrundschau“ von Radio SRF. Sorgen bereite ihm der stockende Ausbau des 5G-Netzes.

Dass er in den Medien den ├ťbernamen „Pannen-Schaeppi“ erhalten habe, sei auf eine verzerrte Wahrnehmung zur├╝ckzuf├╝hren, meinte der Ende Monat als Konzernchef abtretende Schaeppi.

Denn insgesamt habe sich die Verf├╝gbarkeit der Netze erh├Âht. Doch sei auch die Abh├Ąngigkeit davon gestiegen. „Das ganze Leben organisiert sich heute um unsere Produkte.“ Deshalb fielen Pannen, auch wenn sie nur kurz dauerten, auf. Wenn fr├╝her einmal ein Telefon ausgefallen sei, habe dies kaum zu grossen Reaktionen gef├╝hrt.

Am Dienstagabend waren – gerade w├Ąhrend der Schlussphase eines Halbfinals in der Champions League – Swisscom-Dienste w├Ąhrend Wartungsarbeiten ausgefallen. Pers├Ânlich habe ihn dies nat├╝rlich ge├Ąrgert. Im vergangenen Jahr gab es verschiedene Ausf├Ąlle, bei denen auch die Notrufnummern von Polizei und Sanit├Ąt betroffen waren.

Die Systeme seien extrem komplex geworden, hielt Schaeppi dazu fest. Und sie w├╝rden sich im Zuge der rasch fortschreitenden Innovation auch st├Ąndig weiter entwickeln. Es gebe keine Infrastruktur, die sich schneller ver├Ąndere als diejenige der Swisscom. „Wir machen t├Ąglich 600 Eingriffe in unseren Netzen.“ Da k├Ânne, trotz aller Professionalit├Ąt bei der Vorbereitung, ab und zu etwas passieren. Jeder Vorfall werde untersucht, und es werde daraus gelernt.

Das Unternehmen Swisscom sieht Schaeppi gut aufgestellt. Es sei innovativ und wandlungsf├Ąhig. 70 Prozent der Ums├Ątze w├╝rden mit Produkten erzielt, die es vor zehn Jahren noch nicht gegeben habe.

Als „besorgniserregend“ stufte er den Umstand ein, dass der Ausbau des 5G-Netzes stockt. Der Datenverkehr nehme j├Ąhrlich um etwa 30 Prozent zu, die Kapazit├Ąt im Netz habe im vergangenen Jahr um f├╝nf Prozent erweitert werden k├Ânnen.

Er sei aber zuversichtlich, dass sich das Momentum verbessern werde. Es habe bereits drei Millionen 5G-Handys in der Schweiz. „Das Gros der Kunden will diese Technologie“. Sie sei effizienter, schneller, besser – es f├╝hre nichts an ihr vorbei.

Damit sich der Widerstand gegen den Antennenbau reduziere, m├╝sse die Diskussion versachlicht werden. „Das schafft Swisscom nicht alleine, es braucht auch die Politik und die Wissenschaft“, sagte Schaeppi. Auch in anderen Branchen – etwa im Energiebereich – w├╝rden grosse Projekte blockiert, die gesamtgesellschaftlich wichtig seien. „Ich w├╝nschte mir, dass wir wieder mehr die grosse Sicht haben.“

Schaeppi stieg 1998 nach der Gr├╝ndung der Swisscom als Leiter Commercial Business im Mobilfunkbereich ein. In den vergangenen neun Jahren stand er dem Telekomanbieter als CEO vor. Ende Mai gibt er diese Funktion ab und wird bis Ende Jahr noch diverse Projekte f├╝r die Swisscom begleiten. Welche, das wollte er im Radio nicht sagen.

(text:sda/bild:unsplash)