Baustart beim Pumpspeicherwerk Grimsel 4
Am Dienstagnachmittag hat an der Grimsel im östlichen Berner Oberland der offizielle Start der Bauarbeiten für das Pumpspeicherwerk Grimsel 4 der Kraftwerke Oberhasli AG (KWO) begonnen. Grimsel 4 schliesst eine bestehende Kapazitätslücke im Kraftwerkssystem der KWO zwischen den beiden grossen Speicherseen Grimsel und Räterichsboden.
Am sogenannten «Anschiessen» wurde in Anwesenheit von rund 70 Gästen aus der Energiebranche, der Politik und des Unternehmers Rothpletz, Lienhard + Cie AG der offizielle Baustart begangen. Als erste Bauetappe wird nun während rund anderthalb Jahren entlang des Räterichsbodensees ein 1,8 Kilometer langer Erschliessungsstollen ausgebrochen, der später als Zugang für den eigentlichen Bau der grossen Kraftwerkskawerne mit zwei reversiblen Pumpturbinen dient.
Mit dem wachsenden Anteil von Solar- und Windenergie steigen die Schwankungen in der Stromproduktion – so dass der Bedarf an flexibel einsetzbarer Energie zunimmt. Das Pumpspeicherwerk Grimsel 4 ermöglicht es, Strom zu speichern und bei Bedarf innert kürzester Zeit wieder bereitzustellen. Es liefert wichtige Ausgleichsleistungen wie Spitzenenergie sowie Regelenergie und trägt damit wesentlich zur Stabilität des Stromnetzes bei. Dank der unterirdischen Bauweise und der Nutzung bestehender Infrastruktur wird die Landschaft kaum beeinträchtigt, zusätzliche Wasserfassungen sind nicht notwendig.
In seiner kurzen Ansprache betonte der CEO der KWO, Daniel Fischlin, einerseits die Wichtigkeit von Grimsel 4 für die Weiterentwicklung des Kraftwerksparks, er wies aber andererseits auch auf den übergeordneten Nutzen hin: «Es wird das flexibelste Kraftwerk in der Schweiz sein, und so wird die KWO in der Lage sein, auch die zukünftig noch höheren Anforderungen des Netzes zu erfüllen».
Der ebenfalls anwesende CEO der BKW, Robert Itschner, als Vertreter des KWO-Aktionariats, wies darauf hin, dass derartige Vorhaben nicht über Nacht entstünden, sondern Ausdauer, Weitsicht und die Bereitschaft aller Beteiligter erfordern, über Jahre hinweg auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten.
Im Februar 2028 beginnt der Ausbruch der grossen Kraftwerkskaverne, die mit zwei reversiblen Pumpturbinen ausgestattet werden wird. Beide Pumpturbinen verfügen je über eine Nennleistung von 84 MW und einen Durchfluss von 35 m³/s; ergänzt werden sie durch einen Vollumrichter. Dieser ermöglicht die Anpassung der Drehzahl, sodass die Leistung im Pumpbetrieb variabel gesteuert werden kann und die Maschinen im Turbinenbetrieb wirkungsgradoptimiert laufen. Dadurch lässt sich die Produktion präzise an die Stromnachfrage anpassen. Zudem können primäre und sekundäre Regelenergie bereitgestellt werden – ein zentraler Beitrag zur Stabilität des Höchstspannungsnetzes.
Die Bauarbeiten für das Pumpspeicherwerk Grimsel 4 dauern sechs Jahre bis im Februar 2032.
(text:pd/bild:zvg, david birri)