28 Januar 2024

Odermatt siegt – Franjo von Allmen verbl├╝fft!

Am Tag nach Rang 4 gibt Marco Odermatt im zweiten Super-G in Garmisch wieder den Ton an. Er erringt seinen bereits neunten Weltcup-Sieg in dieser Saison. Der junge Berner Franjo von Allmen verbl├╝fft mit Platz 3.

Es darf auch mal etwas Kritik sein. Dem Besten sei erlaubt, seine Meinung kundzutun. Odermatt hat es getan am Samstag. Er hat einiges bem├Ąngelt nach dem ersten der zwei Super-G in Garmisch. Er hat von einem des Weltcups unw├╝rdigen Rennen gesprochen, von einem „kurzen und einfachen Hang, einer zu leichten Piste und einer zu leichten Kurssetzung“. Ihm haben die schwierigen Passagen gefehlt, in denen er dank seinem technischen K├Ânnen seine Vorteile h├Ątte ausspielen k├Ânnen.

Odermatts Worte in Kurssetzers Ohr. Der Norweger Oeyvind Haraldsen bem├╝hte sich redlich, den Fahrern am Sonntag eine anspruchsvollere Aufgabe zu stellen. Er tat, was auf dem an einigen Stellen schmalen Terrain m├Âglich war. Er tat es offenbar gut, denn kritische Voten waren keine mehr zu h├Âren.

Den Meinungsumschwung bewirkten auch die Ver├Ąnderungen an der Piste. Eine klare Nacht mit entsprechend tieferen Temperaturen hatten ihre Wirkung zusammen mit dem schon vor dem ersten Rennen gestreuten Salz nicht verfehlt. Aus einer weichen wurde eine deutlich h├Ąrtere, kompakte Unterlage.

Odermatt sprach von einem „anderen Rennen“. Auch er selber war wieder ein „Anderer“. Er war wieder in seinem Element. Will heissen: Er war wieder der Fahrer, der den Ton angab, der Massstab, nach dem sich die Konkurrenten zu richten hatten. Er war wieder der Chef am Berg, an dem es ein weiteres Mal, zum neunten Mal in diesem Winter, kein Vorbeikommen gab.

Seinen zweiten Saisonsieg im Super-G nach jenem vor dem Jahreswechsel in Bormio errang Odermatt mit drei Zehnteln Vorsprung vor Raphael Haaser. Der Tiroler hatte schon im Veltlin Platz 2 belegt. Saisonerfolg Nummer 9 war im Gesamten Weltcup-Erfolg Nummer 33, womit der Innerschweizer nunmehr auf einer Stufe mit dem Amerikaner Bode Miller steht. Es ist der n├Ąchste Vergleich mit einem der ganz Grossen, zu denen Odermatt l├Ąngst selber geh├Ârt.

Mit dem neuesten Sieg tat Odermatt den n├Ąchsten Schritt auf dem Weg zum zweiten aufeinanderfolgenden Gewinn der Super-G-Wertung. Vor den letzten zwei Rennen in dieser Disziplin, Mitte Februar in Kvitfjell in Norwegen und f├╝nf Wochen danach beim Finale in Saalbach im Salzburgerland, f├╝hrt er das Klassement mit 121 Punkten Abstand auf seinen ersten Verfolger an, Haasers Landsmann Vincent Kriechmayr. Einmal Rang 2 reicht Odermatt also zum neuerlichen Gewinn der kleinen Kristallkugel.

Die Voraussetzungen, ein „Grosser“ zu werden, bringt auch Von Allmen mit. Auf dem Weg an die Spitze scheint es dem 22-j├Ąhrigen Draufg├Ąnger nicht schnell genug gehen zu k├Ânnen. In den Kreis der Allerbesten preschte er am Sonntag in seinem erst vierten Super-G, bei seinem insgesamt erst zw├Âlften Einsatz im Weltcup, ein erstes Mal vor. Sein Talent hatte der gelernte Zimmermann auf diesem Niveau unter anderem schon mit Rang 9 in den Super-G in Gr├Âden Mitte Dezember und auf der Kandahar-Piste am Samstag bewiesen.

Drittbester Schweizer war ein weiterer Fahrer aus der zweiten Garde. Der Walliser Arnaud Boisset belegte in seinem f├╝nften Weltcup-Super-G Platz 7 und steigerte sein Bestergebnis auf dieser Stufe um zwei R├Ąnge. Bereits in der ersten Abfahrt vor einer Woche in Kitzb├╝hel hatte er mit Rang 9 ├╝berrascht.

Lo├»c Meillard, am Samstag auf Platz 3, musste sich mit Rang 19 bescheiden. Er lag damit auch deutlich hinter Stefan Rogentin und Justin Murisier. Der B├╝ndner und der Walliser belegten die Pl├Ątze 12 und 13.

Alle drei wollten selbstredend mehr. Alle drei waren sie nicht zufrieden. Es durfte also wieder etwas Kritik sein. An der eigenen Leistung.

(text:sda/bild:keystone)