19 Oktober 2021

Oberster Kantonsarzt hofft auf baldige Zulassung der Dritt-Impfung

Der oberste Kantonsarzt hofft auf eine baldige Zulassung der dritten Impfung gegen das Coronavirus. GemĂ€ss des PrĂ€sidenten der Impfkommission wird diese fĂŒr die “normale Bevölkerung” jedoch in diesem Jahr nicht nötig sein.

Rudolf Hauri, der oberste Kantonsarzt der Schweiz, findet es zwar “absolut richtig”, dass sich die Zulassungsstelle Swissmedic und die Impfkommission (Ekif) – die danach die Empfehlung heraus gibt – nicht unter Druck setzen liessen und “einzig aufgrund von verfĂŒgbaren Daten und Fakten entscheiden”, sagt Hauri in einem Interview mit dem “Tages-Anzeiger” von Dienstag. Auf der anderen Seite “denke er schon”, dass die Schweiz damit nicht mehr allzu lange warten solle.

Das sehen auch einige Experten und Teile in der Bevölkerung so. Der Ruf nach der Zulassung der dritten Impfung gegen das Virus ist angesichts der ImpfdurchbrĂŒche und des vermutlich nachlassenden Schutzes von Betagten in den vergangenen Tagen lauter geworden. In einigen LĂ€ndern Europas und in den USA wird die dritte Impfung verabreicht.

Allerdings scheint diese dritte Impfung nicht fĂŒr alle nötig zu sein. “Die normale Bevölkerung braucht dieses Jahr sicher keinen Booster”, sagte Christoph Berger, PrĂ€sident der Ekif, ebenfalls am Dienstag im Interview mit “Blick”. Es gebe keine Hinweise, dass der Schutz der mRNA-Impfung bei dieser Gruppe nachlasse.

Anders sieht es bei den ĂŒber 80-JĂ€hrigen aus. Daten aus England zeigten die Tendenz, dass der Schutz der Impfung bei ihnen leicht abnehmen könnte. Booster-Impfungen wĂŒrden zwar den “wahrscheinlich leicht nachlassenden” Schutz bei ihnen ungefĂ€hr 85 auf 95 Prozent erhöhen. Es sei aber unklar, wie lange der gesteigerte Schutz anhalte, sagte Berger.

Noch weniger eindeutig ist die Ausgangslage bei ĂŒber 65 Jahre alten Personen mit Risikofaktoren. Da gebe es unterschiedliche Resultate, die aber allesamt keine signifikante Abnahme des Schutzes zeigen. Bei den unter 65-jĂ€hrigen Risikopersonen zeige sich derweil gar keine Abnahme des Impfschutzes.

Offiziell erlaubt ist derzeit eine dritte Impfung bei immungeschwĂ€chten Personen, die nach zwei Impfdosen keinen genĂŒgenden Schutz aufbauen konnten. Dabei handle es sich um einen Teil der Grundimmunisierung und nicht um eine Booster-Impfung, erklĂ€rte Hauri. Dennoch sĂ€he er hier zum Beispiel fĂŒr Hochbetagte einen Spielraum. Allerdings reiche ein hohes Alter alleine nicht aus. Es brauche den Nachweis, dass der Impfschutz nach zwei Dosen ungenĂŒgend sei.

Die Impfkommission hat offenbar Wege gesucht, um bei der dritten schneller vorwÀrts zu machen. So habe es das Szenario gegeben, die Impf-Empfehlungen ohne die Zulassung von Swissmedic anzupassen, sagte Berger. Die Kommission habe sich dann aber entschieden, auf Swissmedic zu warten.

In allzu weiter Ferne scheint dieser Entscheid von Swissmedic nicht mehr zu sein. So könnte es sein, dass die dritte Impfung bis Ende Oktober zugelassen wird, wie Zulassungsleiter Claus Bolte in der Sendung “10vor10” des Schweizer Fernsehens SRF von Montagabend sagte. Swissmedic habe die Notwendigkeit einer dritten Impfung noch einmal hinterfragt. Diese sei bisher noch nicht eindeutig erbracht worden. Gleiches gelte fĂŒr die Unterscheidung, wer beziehungsweise welche Altersgruppe eine solche Impfung brauche.

Sobald Swissmedic die Zulassung erteilt hat, dauert es gemÀss Berger ungefÀhr zwei Wochen, bis die Ekif die Empfehlung angepasst hat. Die meisten Kantone wiederum wÀren sofort bereit, mit dem Verabreichen der dritten Impfungen zu beginnen, sagte Hauri.

(text:sda/bild:unsplash)