12 Juli 2023

Nord-Stream-Ermittler: Sprengstoffspuren auf Segelboot gefunden

Bei den Untersuchungen zu den Explosionen an den Gaspipelines Nord Stream 1 und 2 haben die Ermittler nach eigenen Angaben Sprengstoffspuren auf einer verdĂ€chtigen Segeljacht gefunden. “In den wĂ€hrend der Untersuchung vom Boot entnommenen Proben wurden Spuren von Unterwassersprengstoff gefunden”, heisst es in einem gemeinsamen Brief der deutschen UN-Botschafterin Antje Leendertse und der Botschafterinnen von DĂ€nemark und Schweden an den UN-Sicherheitsrat in New York. Das auf Montag datierte Schreiben liegt der Deutschen Presse-Agentur vor.

Darin heisst es weiter, es bestehe der Verdacht, dass die Segeljacht zum Transport des Sprengstoffs genutzt worden sei, der bei der Sabotage der Pipelines eingesetzt wurde. Die drei LĂ€ndervertreterinnen betonten gegenĂŒber dem mĂ€chtigsten UN-Gremium, dass die Ermittlungen andauerten: “Zum jetzigen Zeitpunkt ist es nicht möglich, die IdentitĂ€t der TĂ€ter und ihre Motive zuverlĂ€ssig zu klĂ€ren, insbesondere im Hinblick auf die Frage, ob der Vorfall von einem Staat oder einem staatlichen Akteur gesteuert wurde.”

Am 26. September 2022 waren zunĂ€chst Explosionen in der NĂ€he der dĂ€nischen Insel Bornholm registriert und wenig spĂ€ter vier Lecks an drei der insgesamt vier Leitungen der Pipelines entdeckt worden. Der Betreiber von Nord Stream 1 sprach spĂ€ter von metertiefen Kratern und weit verteilten TrĂŒmmern am Meeresgrund. Nord Stream 1 und 2 verlaufen jeweils als Unterwasser-Doppelstrang ĂŒber eine Strecke von rund 1200 Kilometern von Russland nach Deutschland. Nord Stream 1 lieferte seit 2011 einen erheblichen Anteil des nach Europa importierten Gases.

In Deutschland haben die Ermittler Berichten zufolge eine gecharterte Segeljacht in den Fokus genommen, mit der das Sabotageteam mutmasslich unterwegs war. ARD, SWR und “Zeit” hatten im MĂ€rz berichtet, dass ein Einsatzkommando den Ermittlern zufolge von Rostock aus in See gestochen sein soll. Spuren sollen demnach auch in die Ukraine fĂŒhren. So hiess es in dem Bericht, die Jacht sei angeblich von einer Firma mit Sitz in Polen angemietet worden, die offenbar zwei Ukrainern gehöre.

Auch von Zwischenstopps der Jacht in Wiek auf RĂŒgen und an der dĂ€nischen Insel ChristiansĂž nordöstlich von Bornholm war die Rede. SpĂ€teren Medienberichten zufolge handelte es sich um das von einem Vermieter auf der Insel RĂŒgen bereitgestellte Schiff “Andromeda”. Dem Brief der Botschafterinnen war nicht eindeutig zu entnehmen, ob die Sprengstoffspuren bei der Untersuchung der “Andromeda” entdeckt wurden.

(text:sda/bild:keystone)