Neues Funksystem für Notfälle ist „ernsthaft gefährdet“
Bis heute gibt es in der Schweiz das Sicherheitsfunknetz Polycom, dass unter anderem Feuerwehr, Polizei und Behörden miteinander verbindet.
Dieses System muss jedoch ersetzt werden – vor allem wegen seines Alters. Die dafür benötigten Geräte werden nicht mehr produziert, erklärt Stephan Zellmeyer, Leiter des Amts für Bevölkerungsschutz des Kantons Bern. Hinzu kommt, dass die Einsatzkräfte heute nicht mehr nur sprachlich kommunizieren wollen, sondern auch Daten austauschen müssen.
Deshalb laufen beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) bereits seit 2017 die Vorarbeiten für ein neues Projekt: das nationale mobile Sicherheitskommunikationssystem MSK, das Polycom ablösen soll.
Geplant war ursprünglich mit der Umsetzung Anfang dieses Jahres zu starten. Dieser Termin wurde jedoch auf Anfang 2028 verschoben – bei unverändertem Ziel, dass das gesamte System bis 2035 vollständig in Betrieb ist.
Die Eidgenössische Finanzkontrolle beurteilt diese Verzögerung kritisch. Die termingerechte Ablösung von Polycom sei „ernsthaft gefährdet“.
Laut Stephan Zellmeyer sei das System sehr komplex. Man dürfe sich nun nicht von rechtlichen Grundlagen und der Finanzierung aufhalten lassen. Ausserdem ist für ihn klar, dass der Bund die Hauptverantwortung für die Finanzierung übernehmen müsse.
Anfang dieses Jahres hat das BABS die Projektverantwortung an das VBS abgegeben – in der Hoffnung, dass dort die Umsetzung schneller vorankommt und die Finanzierung gesichert werden kann. Aufgrund des grossen Investitionsvolumens und der Komplexität des Projekts sei das VBS dafür besser aufgestellt, so Zellmeyer.
Im Kanton Bern zeigt sich die Bedeutung eines solchen Systems in verschiedensten Situationen – etwa bei Grossanlässen wie dem Lauberhornrennen, wo die Kommunikation zwischen den Streckenposten aufgrund der Netzüberlastung per Polycom stattfand.
Aber auch Ereignisse wie der Stromausfall in Adelboden im letzten Frühling machen deutlich, wie wichtig eine zuverlässige Sicherheitskommunikation auch in Zukunft sein wird.
(text:chl/symbolbild:pixabay)