12 Mai 2024

Nemo gewinnt den ESC

Das Bieler Musiktalent Nemo hat mit dem Sieg des 68. Eurovision Song Contest (ESC) 2024 den Musikwettbewerb in die Schweiz geholt. Bei der Preisverleihung appellierte Nemo an den Frieden und die MenschenwĂŒrde.

Bevor das Resultat bekannt war, gab es ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem kroatischen Favoriten Baby Lasagna. Nemo setze sich am Ende durch und holte mit dem Song „The Code“ 591 Punkte fĂŒr die Schweiz. Kroatien kam auf 547 Punkte. Alyona Alyona & Jerry Heil aus der Ukraine folgten mit Abstand und 453 Punkten auf Platz drei.

Bereits wĂ€hrend der Punktevergabe flossen Nemos TrĂ€nen. Die Schwester des Musiktalentes unterstĂŒtze Nemo, wĂ€hrend immer mehr Punkte zusammen kamen. Insgesamt 22 Mal gab es fĂŒr Nemo 12 Punkte von den LĂ€nderjurys: „Ich weiss nicht, wie ich das verarbeiten soll“, sagte Nemo noch vor dem Schweizer Sieg in Malmö.

Auch die Publikumsabstimmung konnte dem Wettquotenfavoriten Baby Lasagna nicht helfen. Unter TrĂ€nen betrat Nemo die BĂŒhne in der Malmö Arena, um den Preis in Empfang zu nehmen, und appellierte an den Frieden und die MenschenwĂŒrde.

An der Medienkonferenz nach der Veranstaltung sagte Nemo: „Ich habe viele neue Freunde gemacht – und das ist wunderschön“. Es gĂ€be nun einige neue Orte, an die Nemo nun reisen wolle. Auch in kreativer Hinsicht sei es wundervoll am ESC gewesen. Nemo wĂŒrde etwa gerne mit Bambie Thug aus Irland oder dem ukrainischen Duo Alyona Alyona & Jerry Heil Musik machen. Im Rahmen der Konferenz begrĂŒsste Nemo die Diskussion, fĂŒr was der ESC stehe und was der Musikwettbewerb bedeute.

Nemo holte den dritten ESC-Sieg fĂŒr die Schweiz. Das Musiktalent trat damit in die Fussstapfen von Lys Assia, die den ersten ESC 1956 in Lugano gewann, und CĂ©line Dion, die den Musikwettbewerb 1988 zugunsten der Schweiz entschied. Nemo ist 24 Jahre alt und identifiziert sich als nonbinĂ€r. Das heisst, das Nemo sich weder als Frau noch als Mann identifiziert. Der Song „The Code“, mit dem Nemo den ESC gewann, handelt von der Auseinandersetzung mit der eigenen IdentitĂ€t.

In Biel, der Heimatstadt Nemos, wurde ein Publicviewing veranstaltet. „Nemo hatte die beste Performance und ist aus Biel, was will man mehr“, sagte Veranstalter Raphael Benz zur Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Drei GemeinderĂ€tinnen aus Biel waren auch anwesend. „Ich freue mich in erster Linie fĂŒr Nemo, dann fĂŒr Biel und als drittens fĂŒr die Schweiz“ sagte Lena Frank, eine der GemeinderĂ€tinnen.

Auch von BundesrÀtin Elisabeth Baume-Schneider erhielt Nemo Gratulationen. Der Sieg sei eine Anerkennung der vielfÀltigen Talente und der Persönlichkeit des Musiktalents, schrieb Baume-Schneider auf der Online-Plattform X.

Die Austragung der 69. Ausgabe des Wettbewerbs wird voraussichtlich in der Schweiz stattfinden. Eine Schweizer Stadt könnte als Austragungsort in die KrÀnze kommen, weil normalerweise das jeweilige Gewinnerland den ESC im Folgejahr austrÀgt.

In Frage kĂ€men StĂ€dte wie ZĂŒrich, Bern, Genf oder Basel. Diese Orte mit grossen Hallen und einer guten Infrastruktur, wie der SRF-Bereichsleiter-Show Yves Schifferle gegenĂŒber Schweizer Radio und Fernsehen SRF Anfang April sagte. Die entsprechenden Kosten wĂŒrden fĂŒr die SRG, aber auch fĂŒr die austragende Stadt anfallen; beisteuern mĂŒssen auch die teilnehmenden LĂ€nder. Wie hoch die Ausgaben sein wĂŒrden, sagte Schifferle nicht, ergĂ€nzte aber, dass GesprĂ€che mit anderen LĂ€ndern gefĂŒhrt worden seien.

Der diesjĂ€hrige ESC war wohl der bislang turbulenteste. Am Samstag wurde der NiederlĂ€nder Joost Klein wegen eines Vorfalls vom Musikwettbewerb ausgeschlossen. Hintergrund war nach Angaben des niederlĂ€ndischen TV-Senders Avrotros eine aggressive Geste des KĂŒnstlers gegenĂŒber einer Kamerafrau. Diese habe Klein nach einem Auftritt gegen seinen Willen gefilmt. Die Polizei nahm aber Ermittlungen auf, weshalb ein Auftritt Kleins unangemessen sei, hiess es von den Veranstaltern, der European Broadcasting Union (EBU). Der niederlĂ€ndische öffentlich-rechtliche Rundfunk reichte gegen den Ausschluss formale Beschwerde ein.

Im Vorfeld gab es zudem wiederholt Proteste gegen die Teilnahme Israels. Am Samstagnachmittag wurde eine israelfeindliche Grossdemonstration in der Stadt veranstaltet, bei der unter anderen „Fridays for Future“-Ikone Greta Thunberg abgefĂŒhrt wurde, kam es kurz vor dem Beginn des Finales auch vor der Veranstaltungshalle zu lautstarken Protesten. Einige hundert, pro-palĂ€stinensische Demonstranten empfingen die ESC-Zuschauer mit „Shame on you“-Rufen. In der Halle selbst sah sich die israelische SĂ€ngerin Eden Golan, die letztlich dank einer hohen Publikumswertung auf dem fĂŒnften Platz landete, wĂ€hrend ihrer Auftritte stets von massiven Pfiffen und Buhrufen begleitet.

(text:keystone/bild:csc)