Naturgefahr Hitze: Massnahmen dringend angezeigt
Keine Naturgefahr fordert in der Schweiz mehr Todesfälle, hält der Bund in seiner Risikoanalyse fest, als Hitze. Sie ist damit die tödlichste Naturgefahr. Allein die Hitzewellen im Juni forderten laut ersten wissenschaftlichen Schätzungen über 20.000 Todesopfer in Europa – bis Ende des europäischen Sommers dürfte diese Zahl noch einmal deutlich höher liegen. Und diese Zahlen lassen eigentlich nur einen Schluss zu: Die Politik hat versagt, die Bevölkerung ausreichend vor dieser Naturgefahr zu schützen. Wie geht die Stadt Thun mit dieser Gefahr um?
Die Wissenschaft warne seit Jahrzehnten vor dieser Gefahr, sei aber zu wenig gehört worden, sagt die Thuner Umweltdirektorin und Nationalrätin Andrea de Meuron (Grüne). Es brauche dringend Massnahmen. Einerseits sei das natürlich Klimaschutz, also insbesondere den Ausstoss des Treibhausgases CO2 zu minimieren, aber es brauche eben auch Anpassungen an den Klimawandel.
Die Stadt Thun habe den Vorteil der Aare und des Sees, sowie grosser Grünanlagen wie Schadau- und Bonstettenpark. Aber auch hier gelte es vorauszuschauen: Bei der Planung von Plätzen oder neuen Siedlungen sei es essenziell, Klimaresilienz mitzudenken. Aber auch bei der bestehenden Infrastruktur brauche es dringen Massnahmen. Plätze, öV-Haltestellen und Schulhöfe müssen beschattet werden, Bäume gepflanzt und geschützt und grosse Asphaltflächen entsiegelt, nennt de Meuron als Beispiele. Und Innovation – es gebe ja beispielsweise auch bereits hellen Asphalt, welcher sich weniger aufheizt. Die Stadt Wien hat diesen beispielsweise im neuen Naschpark verbaut – dort musste der grosse, innerstädtische Parkplatz neben dem beliebten Naschmarkt einem neuen, kleinen Stadtpark weichen.
Apropos Wien: Die Donaustadt hat in Europa eine Pionierinnenrolle bei den sogenannten Coolingzonen eingenommen. Dabei handelt es sich um frei zugängliche, gekühlte Räume, die Schutz vor der Bruthitze bieten. Heuer wurden in Wien erstmals 40 Grad im Schatten gemessen. Viele der Räume bieten Arbeitsplätze, Getränke, teilweise gar WLAN und Spielecken für Kinder. Auf die Frage, ob das auch für Thun ein Thema sein könnte, sagt De Meuron, dass sie eine entsprechende Frage bei der Gemeinderatssitzung einbringen wolle. Solche gekühlten Räume seien zum Schutz von besonders vulnerablen Personengruppen, etwa Ältere Menschen, chronisch Kranke oder Kinder, sinnvoll, würden aber für die Kühlung auch wieder viel Energie benötigen. Darum seien das eher kurzfristige Massnahmen. Umso wichtiger sei es, langfristige Massnahmen ins Auge zu fassen.
(text:csc/bild:unsplash)