1 Juni 2022

Nadal nach Sieg ĂŒber Djokovic im Halbfinal

Rafael Nadal steht zum 15. Mal im Halbfinal des French Open. Der bald 36-jÀhrige Spanier gewinnt den Viertelfinal gegen Titelverteidiger Novak Djokovic in 4:12 Stunden 6:2, 4:6, 6:2, 7:6 (7:4).

Die als Night Session angesetzte Partie endete erst um 1.15 Uhr Ortszeit und zog sich vom Mai in den Juni. Nachdem Djokovic im Tiebreak des vierten Satzes zunĂ€chst drei MatchbĂ€lle abgewehrt hatte, machte Nadal den Sack mit einem RĂŒckhandwinner der Linie entlang zu. “Unglaublich. Das Ganze ist sehr emotional, dieses Turnier bedeutet mir so viel, es ist der speziellste Ort fĂŒr mich. Danke, danke, danke!”, sagte Nadal im Platz-Interview sichtlich erleichtert.

Der 13-fache Roland-Garros-Sieger fand ausgezeichnet in das frĂŒhe und ĂŒber weite Strecken hochklassige Gipfeltreffen der beiden Tennis-Giganten. Gleich im ersten Game nahm er Djokovic den Aufschlag ab und holte sich den ersten Satz ĂŒberlegen. Im zweiten Durchgang legte er wiederum mit zwei Breaks vor, erst dann gelang Djokovic zum ersten Mal ein Servicedurchbruch und fand der Serbe ins Spiel.

In der Folge schienen sich die KrĂ€fteverhĂ€ltnisse zu Djokovic verschoben zu haben und machte der Titelverteidiger den deutlich frischeren Eindruck. Doch Nadal steckte nicht auf. Nachdem er sich nach dem Satzausgleich kurz in die Katakomben zurĂŒckgezogen hatte, legte er mit einem 6:2 wieder vor. Danach wehrte er im vierten Satz bei Service Djokovic zwei SatzbĂ€lle ab und spielte im Tiebreak noch einmal gross auf. Tief in der Nacht war die Revanche fĂŒr den verlorenen letztjĂ€hrigen Halbfinal perfekt.

Der zum vorgezogenen Final hochstilisierte Viertelfinal war das 59. Aufeinandertreffen zwischen den beiden langjĂ€hrigen Rivalen von Roger Federer – ein hĂ€ufigeres Duell gab auf der ATP Tour nicht. Das VerhĂ€ltnis lautet nun noch 30:29 fĂŒr Djokovic, wobei Nadal seine Bilanz auf Sand auf 20:8 ausbaute und der Spanier sich am French Open in 8 von 10 FĂ€llen behauptete. Zugleich war es fĂŒr Nadal im 110. Spiel am French Open der 107. Sieg.

Vom vermeintlichen Nachteil Nadals in der Night Session war zunĂ€chst keine Spur. Anderthalb SĂ€tze lang bewegte sich der Spanier nahe an der Perfektion. Er spielte mit einer ausgezeichneten LĂ€nge, liess sich in der Offensive kaum einmal ĂŒberlisten und befreite sich immer wieder famos aus der Defensive. Die reduzierte Wirkung seines Topspins kompensierte er mit noch mehr Kraftaufwand, wie die Messwerte belegten.

Dass sich dieses Level kaum halten lassen wĂŒrde, damit war zu rechnen. TatsĂ€chlich verĂ€nderte sich das Spiel nach Nadals anfĂ€nglicher Dominanz auch signifikant, als Djokovic nach 0:3-RĂŒckstand im zweiten Saatz zwei Breaks in Folge verbuchte.

Nadal dominierte nun nicht mehr. Im Gegenteil, jetzt wirkte Djokovic wie der stĂ€rkere Spieler auf dem Platz. Dieser Eindruck wurde dadurch erhĂ€rtet, dass Nadal seine Beschwerden im Fuss in einigen Momenten nicht mehr kaschieren konnte. Doch der Mallorquiner bĂ€umte sich noch einmal auf, zwei weitere Breaks verhalfen ihm zu einer 2:1-SatzfĂŒhrung und sein unerschĂŒtterlicher Kampfgeist zur Entscheidung vor dem fĂŒnften Satz.

Nadal ist damit noch zwei Siege von seinem 14. French-Open-Triumph und dem 22. Grand-Slam-Titel entfernt. Seine vorletzte HĂŒrde ist am Freitag Alexander Zverev – und nicht wie von vielen erhofft Carlos Alcaraz. Der Weltranglisten-Dritte aus Deutschland hatte sich am frĂŒhen Abend gegen den Shootingstar der Szene in vier SĂ€tzen durchgesetzt.

Der Finalist aus der unteren TableauhÀlfte wird am Sonntag auf jeden Fall der Aussenseiter sein. Mit Casper Ruud, Holger Rune, Andrej Rublew und Marin Cilic sind dort nach dem Aus von Daniil Medwedew und Stefanos Tsitsipas noch tiefer klassierte Spieler involviert.

(text:sda/bild:unsplash)