13 Juli 2022

Nach Mutterkuh-Riss: Bauernverb├Ąnde fordern „Wolfs-Notstand“

Nach dem Riss einer Mutterkuh durch W├Âlfe kochen in Graub├╝nden weiterhin die Emotionen hoch. Bauern und ├älpler fordern die Ausrufung eines „Wolfs-Notstandes“ und die Ausl├Âschung des fraglichen Rudels. Die Gruppe Wolf Schweiz hingegen spricht von einem absoluten Ausnahmefall – sieht beim Rudel aber ebenfalls Handlungsbedarf.

Der B├╝ndner Bauernverband und der B├╝ndner ├älplerInnen Verein machen sich gem├Ąss einer gemeinsamen Mitteilung grosse Sorgen um die Sicherheit des Alp-Personals. Viele ├älplerinnen und ├älpler k├Ânnten ihre harte Arbeit „nur noch unter grosser Anspannung“ verrichten, schrieben sie.

Das Beverin-Wolfsrudel sei nebst dem Riss der siebenj├Ąhrigen Kuh am Schamserberg am Wochenende auch durch Risse zahlreicher gesch├╝tzter Schafe aufgefallen. Bauernverband und ├älplerInnenverein fordern von Bund und Kanton nun, unverz├╝glich einen „Wolfs-Notstand“ zu erkl├Ąren.

Sie erhoffen sich davon neue M├Âglichkeiten „der Problematik rasch zu begegnen“. Nicht nur f├╝r die Eliminierung des ganzen Rudels fehlen n├Ąmlich zur Zeit die rechtlichen Grundlagen, sondern auch f├╝r den sofortigen Abschuss einzelner oder mehrerer W├Âlfe.

Die Organisationen erkl├Ąren, wie sie sich die neuen M├Âglichkeiten vorstellen: Das Rudel soll umgehend get├Âtet werden. Der Leitr├╝de M92 sei zusammen mit dem Rudel zu entfernen, hiess es in der Mitteilung. Das Rudel sei „durch jahrelanges Ausbleiben geeigneter Massnahmen fehlgepr├Ągt“.

Auch die B├╝ndner Mitte-Partei fordert die sofortige Entnahme des Beverin-Rudels. Die Situation am Schamserberg im Hinterrheintal sei f├╝r die Direktbetroffenen unzumutbar, l├Ąsst sich Co-Parteipr├Ąsident Kevin Brunold in einer Mitteilung zitieren.

Der Riss sei ein „absoluter Ausnahmefall“, erkl├Ąrte David Gerke von der Gruppe Wolf Schweiz am Mittwoch auf Anfrage. Nach mittlerweile 27 Jahren Wolfspr├Ąsenz in der Schweiz sei erstmals eine ausgewachsene Kuh gerissen worden. Der Vorfall m├╝sse zwar ernst genommen, aber solle nicht ├╝berbewertet werden.

Die Erfahrungen anderer europ├Ąischer L├Ąndern zeigten, dass auch dort erwachsene K├╝he vereinzelt gerissen w├╝rden. „Es ist also nicht so, dass die W├Âlfe hierzulande pl├Âtzlich ein nie da gewesenes, v├Âllig unerwartetes Verhalten zeigen“, erkl├Ąrte Gerke gegen├╝ber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Einen generellen Herdenschutz f├╝r Rindviehherden h├Ąlt er angesichts sehr weniger Risse von Jungtieren f├╝r nicht verh├Ąltnism├Ąssig. Wichtig sei der Schutz lediglich f├╝r frisch geborene K├Ąlber und f├╝r K├Ąlber, die nicht von ihren M├╝ttern begleitet w├╝rden.

Beim Beverin-Rudel sieht der Wolfssch├╝tzer und Schafhirte aber durchaus Handlungsbedarf. Das Rudel weise bereits seit einigen Jahren ein unerw├╝nschtes Verhalten auf. Vorstellbar und rechtlich m├Âglich seien die Regulierung des Rudels und auch der Abschuss des Leitr├╝den ausserhalb der Aufzuchtzeit.

„Es gibt keinen Grund f├╝r einen Wolfs-Notstand“, betonte Gerke. Anstatt Extremforderungen nach einem Notstand zu stellen, solle beim anstehenden politischen Prozess auf den Konsens von Landwirtschaft, Jagd und Naturschutz hingearbeitet werden. Diese Stakeholder h├Ątten bereits einen Kompromiss gefunden f├╝r den Umgang mit dem Wolf, der die Anliegen aller Seiten ber├╝cksichtige.

(text:sda/bild:unsplash-symbolbild)