12 Juni 2023

Mutter geretteter Kinder soll nach Absturz noch gelebt haben

Nach der Rettung der vier im kolumbianischen Regenwald verschollenen Kinder werden immer mehr Details ĂŒber ihr bewegendes Schicksal bekannt. So soll die Mutter der vier Geschwister erst einige Tage nach dem Flugzeugabsturz gestorben sein. “Meine Ă€lteste Tochter hat mir gesagt, dass ihre Mutter noch vier Tage gelebt hat”, sagte der Vater der Kinder, Manuel Ranoque, am Sonntag in der Hauptstadt BogotĂĄ. “Bevor sie starb, hat sie vielleicht gesagt: Geht.”

Viel mehr hĂ€tten ihm seine Kinder ĂŒber die Zeit im Dschungel noch nicht erzĂ€hlt. “Es ist nicht leicht, sie zu fragen. Sie haben 40 Tage nicht richtig gegessen, nicht gut geschlafen. Ich hoffe, dass die Kinder sich gut erholen, dann können sie selbst erzĂ€hlen, was passiert ist.”

Suchtrupps hatten die Kinder am Freitag nach 40 Tagen im Regenwald im SĂŒden des Landes gefunden. Sie waren am 1. Mai mit einer Propellermaschine vom Typ Cessna 206 im Department CaquetĂĄ abgestĂŒrzt. Erst mehr als zwei Wochen nach dem Absturz drangen am 16. Mai Mitglieder der SpezialeinsatzkrĂ€fte des kolumbianischen Heeres bis zu dem Flugzeugwrack vor und fanden dort die Leichen des Piloten, der Mutter und eines indigenen AnfĂŒhrers.

In einem am Sonntag von der Zeitung “El Tiempo” veröffentlichten Video war zu sehen, wie die indigenen Suchtrupps kurz nach Entdeckung der Kinder ihre Erleichterung schildern. “Wir haben die Kinder gefunden. Gelobt sei Gott. Der Glaube hat uns auf den Weg gebracht, den wir gesucht haben”, sagte ein Mitglied der Suchmannschaft. “Hier sind die Kinder.”

Laut einem vorlĂ€ufigen Bericht der Luftfahrtbehörde kollidierte das Kleinflugzeug vermutlich mit den Baumkronen und stĂŒrzte danach senkrecht zu Boden. Es wird angenommen, dass der Zusammenstoss mit den BĂ€umen den Aufprall so stark abbremste, dass der hintere Teil der Kabine kaum beschĂ€digt wurde, weshalb die Kinder ĂŒberlebten.

Nach der Rettung seiner vier Kinder aus dem Regenwald berichtete Manuel Ranoque von Morddrohungen durch eine Splittergruppe der Guerillaorganisation Farc. “Die Front Carolina RamĂ­rez sucht mich, um mich zu töten. Es gibt Drohungen gegen mich, ich bin ein Ziel fĂŒr sie”, sagte Manuel Ranoque. “Sie haben wirtschaftliche Interessen, und wenn man nicht tut, was sie sagen, ist man ein Feind fĂŒr sie.”

Die Front Carolina RamĂ­rez ist eine Splittergruppe der Farc-Rebellen, die das 2016 unterzeichnete Friedensabkommen nicht mittrĂ€gt. Sie ist in den Drogenhandel verwickelt und soll im SĂŒden des Landes zuletzt vier MinderjĂ€hrige getötet haben. Die Kinder waren zum Zeitpunkt des UnglĂŒcks mit ihrer Mutter auf dem Weg zum Vater gewesen, der wegen der stĂ€ndigen Bedrohungen durch die Farc-Splittergruppe aus der Region geflohen war.

Zwar hat sich nach dem 2016 zwischen Regierung und Farc geschlossenen Friedensabkommen die Sicherheitslage in Kolumbien verbessert. Allerdings werden noch immer Teile des sĂŒdamerikanischen Landes von illegalen Gruppen kontrolliert. Vor allem Indigene, soziale Aktivisten und UmweltschĂŒtzer geraten immer wieder ins Visier der kriminellen Banden.

(text:sda/bild:sda)