11 MĂ€rz 2023

Mutmasslicher Geiselnehmer in Untersuchungshaft

Der mutmassliche Geiselnehmer in einer Karlsruher Apotheke ist in Untersuchungshaft gekommen. Wie Staatsanwaltschaft und Polizei mitteilten, erliess ein Richter am Samstag Haftbefehl gegen den 20 Jahre alten VerdÀchtigen wegen des Vorwurfs der Geiselnahme. Der Beschuldigte soll am Freitagabend drei Menschen mit einer geladenen Schreckschusswaffe bedroht und in einem Nebenraum der Apotheke festgehalten haben. Weitere acht Menschen befanden sich demnach im hinteren Bereich des GeschÀfts. Darunter waren nach Angaben eines Sprechers Kunden und Mitarbeiter der Apotheke.

Die Ermittler gehen inzwischen davon aus, dass der Mann alleine gehandelt hat. Der anfĂ€ngliche Verdacht, der Mann könne eine MittĂ€terin gehabt haben, habe sich nicht bestĂ€tigt: „Der 20-JĂ€hrige hat allein agiert“, sagte ein Sprecher. Bei seiner Festnahme stellten die Beamten eine Schreckschusspistole sicher.

Der polizeibekannte 20-JĂ€hrige hatte die elf Geiseln fast fĂŒnf Stunden lang in seiner Gewalt. Schliesslich erfolgte der Zugriff durch SpezialkrĂ€fte. Alle Geiseln und der TĂ€ter blieben körperlich unverletzt. FĂŒr die weiteren Ermittlungen hat die Kriminalpolizei Karlsruhe eine zehnköpfige Ermittlungsgruppe eingerichtet. Aus ermittlungstaktischen GrĂŒnden machte die Polizei bislang keine Angaben zu den Forderungen des Geiselnehmers, etwa zu Lösegeld.

Von den elf Geiseln hÀtten sich acht relativ schnell im hinteren Teil der Apotheke verstecken können. Drei Menschen seien danach weiter in der Gewalt des VerdÀchtigen gewesen. ZunÀchst hatten die Ermittler von zwei Menschen gesprochen, die der Mann aus dem Verkaufsraum in einen Nebenraum der Apotheke beordert und dort festgehalten hatte.

Nach Angaben des Innenministeriums waren bei der Geiselnahme 350 KrĂ€fte im Einsatz – neben Polizisten des PrĂ€sidiums Karlsruhe auch eine Verhandlungsgruppe des PolizeiprĂ€sidiums Mannheim, eine Beratergruppe des Landeskriminalamtes und SpezialkrĂ€fte des PolizeiprĂ€sidiums Einsatz.

„Den Menschen, die sich stundenlang in der Gewalt des Geiselnehmers befanden, wĂŒnsche ich, dass sie keine psychischen Folgen davontragen werden und das Geschehene schnell verarbeiten können“, sagte Innenminister Thomas Strobl (CDU) nach Angaben einer Sprecherin. Strobl dankte den EinsatzkrĂ€ften fĂŒr ihren umsichtigen Einsatz, der Schlimmeres verhindert habe.

Die Apotheke war am Tag nach der Tat telefonisch zunĂ€chst nicht erreichbar. Kunden konnten aber nach Beobachtungen eines dpa-Reporters Medikamenten-Bestellungen an einer NebentĂŒr abholen. Der Haupteingang war mit Brettern verschlossen. Auf Fotos war zersplittertes Glas auf dem Boden des GeschĂ€fts zu sehen.

Die Tat hatte am Freitag gegen 16.30 Uhr begonnen. Polizeisprecher Dennis Krull sagte, aus der Apotheke seien mehrere Notrufe eingegangen und nur zwei Minuten spÀter seien erste Polizisten am Tatort gewesen. Die Beamten sperrten das Gebiet daraufhin weitrÀumig ab.

Die Karlsruher Messe sagte wegen der Lage zwei Abendveranstaltungen kurzfristig ab. Ein Event mit Hundetrainer Martin RĂŒtter sowie ein Meisterkonzert waren betroffen. Dann versuchte die Polizei, mit dem Geiselnehmer in Verhandlungen einzutreten. Nach fast fĂŒnf Stunden, gegen 21.10 Uhr, stĂŒrmten SpezialkrĂ€fte die Apotheke und beendeten die Geiselnahme.

Der mutmassliche TĂ€ter wurde ĂŒberwĂ€ltigt und festgenommen. Der deutsche Beschuldigte war kein Unbekannter fĂŒr die Polizei: Er sei in der Vergangenheit unter anderem wegen Gewalt- und Eigentumsdelikten aufgefallen, sagte Krull.

Die Geiseln hĂ€tten nach der Rettung umgehend Hilfsangebote bekommen, auch ein Notfallseelsorger war da. Krull betonte: „Man mag sich nur am Rande vorstellen können, wie es den Menschen geht, die sich ĂŒber mehrere Stunden in dieser Ausnahmesituation befanden.“

(text:sda/bild:unsplash-symbolbild)