31 Mai 2021

Mutmassliche Krawallmacher in Bern vor Gericht

Insgesamt 16 Personen stehen seit Montag in Bern gemeinsam vor Gericht. Ihnen wird vorgeworfen, sich 2017 mit Gewalt der polizeilichen Räumung einer von ihnen besetzten Liegenschaft entgegengestellt zu haben.

Die Angeschuldigten müssen sich wegen Gewalt, Drohung gegen Beamte und Hausfriedensbruch verantworten, wie dem Verhandlungsplan des Regionalgerichts Bern-Mittelland zu entnehmen ist. Das Urteil wird am 17. Juni eröffnet.

Ein Kollektiv aus linksautonomen Kreisen hatte im Februar 2017 das Gebäude an der Effingerstrasse 29 in Bern besetzt und weigerte sich, dort wieder abzuziehen.

Zur Räumung des Gebäudes, das der Eidgenossenschaft gehörte, rückte am 22. Februar 2017 die Polizei an. Direkt nach dem Eindringen ins Gebäude wurden die Polizisten laut Polizeiangaben mit Feuerwerkskörpern angegriffen.

Zudem warfen die Besetzer Farbe und andere Gegenstände auf die Beamten und schossen durch die Fenster Feuerwerk ins Freie. Die Polizei antwortete mit Gummischrot, der von der Strasse aus auf die Fenster der besetzten Liegenschaft abgeschossen wurde.

Die Umgebung des Gebäudes wurde grossräumig abgesperrt. Weder fĂĽr den motorisierten Individualverkehr noch fĂĽr den öffentlichen Verkehr gab es ein Durchkommen. Schliesslich gelang es der Polizei in die „teilweise massiv verbarrikadierten Räumlichkeiten“ einzudringen. Die Räumung dauerte rund sieben Stunden.

Am Abend versammelten sich Dutzende mehrheitlich jüngere Personen zu einem Umzug von der Schützenmatte in das Berner Länggasse-Quartier. Dort wurden unter anderem Fensterscheiben zertrümmert und Container auf die Strasse gekippt; nach Angaben der Polizei kam es zu massiven Sachschäden.

Der Grosseinsatz der Polizei und die Krawalle lösten in Bern eine heftige Diskussion aus. Während linke Kreise der Polizei völlig unangemessenes Verhalten vorwarfen, kritisierten bürgerlich Gesinnte die hohe Gewaltbereitschaft der Besetzer.

In der Nähe des Amthauses in Bern versammelten sich am Montag vor Prozessbeginn rund 60 Personen, um ihre Solidarität mit den Angeklagten zu demonstrieren. Die Polizei ist mit einem grösseren Aufgebot präsent. Zum Eintritt ins Gerichtsgebäude gab es strikte Kontrollen.

Auf dem Internetportal „anarchistisch.ch“ ist die Rede von einem „politischen Prozess von Oben“ mit dem „ein Exempel statuiert“ werden soll.

(text:sda/bild:sda)