11 Oktober 2022

„Mord ist ihr Hobby“ – TV-Detektivin Angela Lansbury ist tot

75 Jahre lang stand sie vor der Kamera. Drei Mal war sie fĂŒr einen Oscar nominiert, mehrfach fĂŒr den Emmy-TV-Preis. Sie rĂ€umte sechs Golden-Globe-TrophĂ€en ab und gewann dazu fĂŒnf Tony-Awards fĂŒr ihre BĂŒhnenauftritte. Im vorigen Juni, als die Film-, Fernseh- und BĂŒhnen-Ikone Angela Lansbury schon 96 Jahre alt war, kam ein weiterer Preis hinzu – der Tony Award fĂŒr ihr Lebenswerk. Die prestigetrĂ€chtige Theater-Auszeichnung wurde in der New Yorker Radio City Music Hall verliehen, doch Lansbury nahm die TrophĂ€e nicht mehr persönlich entgegen.

Schon damals waren Fans in Sorge – nun trauern Familie, Kollegen und Bewunderer um die Schauspielerin. Lansbury ist am Dienstag, nur fĂŒnf Tage vor ihrem 97. Geburtstag, gestorben, wie ihre Familie in einem Statement, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, mitteilte. Ihre Mutter sei zu Hause „friedlich“ im Schlaf gestorben, schrieben ihre drei Kinder.

Viele kennen und lieben die britisch-amerikanische Schauspielerin unter dem Namen Jessica Fletcher: Mit ihrer Hauptrolle in der TV-Serie „Mord ist ihr Hobby“ (im Original „Murder, She Wrote“) verschaffte sich Lansbury wohl die meisten Fans. Mit zwölf Jahren Laufzeit war es eine der erfolgreichsten Detektiv-Serien des US-Fernsehens. 1996 löste Lansbury als neugierige Hobby-Detektivin Fletcher ihren letzten Fall.

Geboren wurde sie 1925 im Londoner East End. Ihr Vater starb an Krebs, als sie noch ein Kind war. Der schockierende Verlust habe sie völlig verĂ€ndert, erzĂ€hlte Lansbury 2014 der britischen Zeitung „Daily Mail“. Sie sei in ihrer Trauer zur TrĂ€umerin geworden und frĂŒh dem Beruf ihrer Mutter gefolgt. Die irische Schauspielerin Moyna MacGill zog wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs mit ihren vier Kindern erst nach New York, dann nach Los Angeles.

Mit 17 jobbte Lansbury in einem Kaufhaus, als ein Agent auf die junge Schauspielerin aufmerksam wurde. Das Hollywood-Studio MGM suchte eine Darstellerin mit britischem Akzent. „In der einen Minute packe ich Weihnachtsgeschenke in einem GeschĂ€ft ein, in der nĂ€chsten Minute drehe ich mit Ingrid Bergman. Das grenzte an ein Wunder“, sagte Lansbury der „Daily Mail“. Ihr erster Film, der Psycho-Thriller „Das Haus der Lady Alquist“ („Gaslight“), in dem sie ein hinterhĂ€ltiges DienstmĂ€dchen spielte, brachte Lansbury 1945 eine Oscar-Nominierung als beste Nebendarstellerin ein.

Auf diesen Traumstart folgte schon ein Jahr spĂ€ter die zweite Nominierung fĂŒr das Horror-Drama „Das Bildnis des Dorian Gray“. Zum dritten Mal konnte Lansbury mit ihrer Rolle als kaltblĂŒtige Drahtzieherin in dem Politthriller „Botschafter der Angst“, an der Seite von Frank Sinatra, auf einen Oscar hoffen. Im Wettbewerb ging sie zwar immer leer aus, aber die Film-Akademie wĂŒrdigte den Star schliesslich 2013 mit einen Ehren-Oscar. Ein Jahr spĂ€ter kam noch der Titel „Dame“ dazu, nach Ehrung durch die britische Queen.

Mit 19 hatte sie den viele Jahre Ă€lteren US-Schauspieler Richard Cromwell geheiratet, die Ehe hielt kaum ein Jahr. Cromwell war homosexuell, das hatte er in Hollywood und vor Lansbury verschwiegen. 1949 gab sie dem britischen Schauspieler und spĂ€teren Produzenten Peter Shaw das Jawort. Die Beziehung dauerte 54 Jahre an – bis zu dessen Tod im Jahr 2003. Shaw brachte einen Sohn mit in die Ehe, zusammen hatten sie zwei Kinder.

In den 1970er Jahren wurde die Schauspielerin mit Musicals wie „Gypsy“ und „Sweeney Todd“ am Broadway zum gefeierten BĂŒhnen-Star. Sie gehörte auch zur Starbesetzung von Kriminalfilmen wie „Tod auf dem Nil (1978) und „Mord im Spiegel“ (1980).

Mit 60 Jahren, in einem Alter, in dem viele Schauspielerinnen ĂŒber Rollenmangel klagen, kam Lansbury dann als Detektivin Jessica Fletcher gross raus. Die mehr als 260 Folgen der TV-Serie „Mord ist ihr Hobby“ (1984-1996) waren ein Familienprojekt: Sohn Anthony fĂŒhrte hĂ€ufig Regie, Ehemann Shaw war als Produzent an Bord. Sie habe 264 MordfĂ€lle gelöst und diese Rolle geliebt, erzĂ€hlte Lansbury im Jahr 2000 dem US-Radiosender NPR. Fletcher sei mutig, sexy, liberal und sportlich gewesen, QualitĂ€ten in einer Frau, die ihr sehr gefallen hĂ€tten.

Mit einer Rolle als grĂ€ssliche Grosstante in dem FantasymĂ€rchen „Eine zauberhafte Nanny“ meldete sich Lansbury 2005 nach einer lĂ€ngeren Drehpause zurĂŒck. Mit 89 Jahren trat sie in dem BĂŒhnen-StĂŒck „Blithe Spirit“ in London auf und holte 2015 einen Olivier Award, den wichtigsten Theaterpreis Grossbritanniens. Drei Jahre spĂ€ter war sie als LuftballonverkĂ€uferin in dem Musikfilm „Mary Poppins‘ RĂŒckkehr“ (2018) im Kino zu sehen.

(text:sda/bild:unsplash)