14 Januar 2022

Missbrauchsskandal: Queen distanziert sich von Prinz Andrew

Angesichts eines wahrscheinlicher werdenden Missbrauchsprozesses in den USA distanziert sich das britische K├Ânigshaus von Queen-Sohn Prinz Andrew. Der 61-J├Ąhrige werde sich in dem drohenden Prozess als privater B├╝rger verteidigen, teilte der Buckingham-Palast in London am Donnerstagabend mit. Seine milit├Ąrischen Dienstgrade und royalen Schirmherrschaften musste Andrew zur├╝ckgeben, ├Âffentliche Auftritte wird er weiterhin keine haben. Mehr als 150 britische Milit├Ąr-Veteranen hatten Queen Elizabeth II. zuvor in einem offenen Brief aufgefordert, Prinz Andrew von seinen Rollen im Milit├Ąr zu entbinden, da er den damit verbundenen hohen Erwartungen an ein ehrenhaftes Verhalten nicht gerecht geworden sei.

Auch die ├╝bliche royale Anrede „His Royal Highness“ soll der 61-J├Ąhrige nicht mehr nutzen d├╝rfen, wie britische Medien unter Berufung auf Insider-Quellen berichteten. Lediglich sein Platz in der Thronfolge bleibt Andrew erhalten – auf Platz Neun allerdings kaum mit realistischen Chancen.

Durch die Entscheidung eines Gerichts in New York in dieser Woche ist ein Prozess gegen den Royal ein ganzes St├╝ck wahrscheinlicher geworden. Der Richter wies die Einw├Ąnde von Andrews Anw├Ąlten zur├╝ck und machte damit den Weg frei.

Der Rechtsexperte und ehemalige US-Bundesanwalt Neama Rahmani sagte der Deutschen Presse-Agentur, er halte einen Zivilprozess „f├╝r sehr wahrscheinlich, fast f├╝r sicher“. Unterdessen sei auch nicht auszuschliessen, dass es zu einem Strafprozess gegen Andrew kommen k├Ânnte. Die profilierte Anw├Ąltin Sarah Krissoff sieht ein ziviles Verfahren deutlich skeptischer. Sie merkte an, dass Prinz Andrew ein grosses Interesse an einer aussergerichtlichen Einigung haben sollte und Giuffre wom├Âglich einen guten Deal vorschl├Ągt.

Kl├Ągerin Virginia Giuffre wirft dem britischen Prinzen vor, sie als Minderj├Ąhrige vor rund 20 Jahren mehrfach sexuell missbraucht zu haben. Sie gibt an, zuvor Opfer eines von dem fr├╝her mit Andrew befreundeten US-Multimillion├Ąr Jeffrey Epstein und seiner Ex-Partnerin Ghislaine Maxwell aufgebauten Missbrauchsrings geworden zu sein. Andrew streitet alle Vorw├╝rfe kategorisch ab. Sollte es nun nicht noch zu einer aussergerichtlichen Einigung kommen, steht dem Royal in den USA der Prozess bevor – mutmasslich noch in diesem Jahr.

Auch aus Furcht, dass die Misere das Jubil├Ąumsjahr der 95 Jahre alten Queen ├╝berschatten k├Ânnte, hat sich der Palast nun so weit distanziert, wie es eben denkbar ist. Keinen Penny f├╝r den teuren Rechtsstreit soll Andrew aus dem Verm├Âgen des Palastes bekommen.

„Brutal“, kommentierte der fr├╝here, langj├Ąhrige Royal-Korrespondent der BBC, Peter Hunt, auf Twitter das Geschehen. „Die Windsors haben gezeigt, dass der Schutz der Dynastie ├╝ber Fleisch und Blut steht, wenn die Institution in Gefahr ist.“ 2022 soll nach dem Willen der Royal Family eigentlich ganz im Zeichen des Jubil├Ąums der Thronbesteigung von Queen Elizabeth stehen, deren Regentschaft im Februar bereits 70 Jahre andauert.

(text:sda/bild:unsplash)