19 August 2021

Thun: Meyer Burger sieht sich bei Transformation auf Kurs

Der Solarzellenhersteller Meyer Burger hat im ersten Halbjahr wegen der Neuausrichtung des Gesch├Ąfts rote Zahlen geschrieben. Das soll sich bald ├Ąndern.

Unter dem Strich steht ein Fehlbetrag von 37,2 Millionen Franken, wie das Berner Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Das ist fast gleich viel wie im Vorjahressemester (-37,4 Millionen).

Der Grund f├╝r den anhaltenden Verlust war, dass wegen der Neuausrichtung des Gesch├Ąfts hohe Kosten anfielen, jedoch nur geringe Einnahmen mit dem auslaufenden Gesch├Ąft verbucht werden konnten. Der Umsatz schmolz auf 18,0 Millionen Franken zusammen, nachdem er in der Vorjahresperiode noch 51 Millionen betragen hatte.

Meyer Burger stellt sich bekanntlich neu auf und hat sich daf├╝r auch die notwendigen finanziellen Mittel besorgt. Aus einem Zulieferer f├╝r die Solarindustrie wird selber ein Produzent von Solarmodulen. Erste von Meyer Burger in zwei neuen Fabriken in Ostdeutschland hergestellte Module sind im Juli ausgeliefert worden – also erst zu Beginn des zweiten Semesters.

„Wir haben die strategische Transformation des Gesch├Ąftsmodells abgeschlossen, und sind sehr erfolgreich mit dem Vertrieb der Solarmodule gestartet“, sagte CEO Gunter Erfurt am Donnerstag der Nachrichtenagentur AWP.

Schon kurzfristig gebe es R├╝ckenwind. So sei man mit den vorliegenden Bestellungen aus Europa und den USA bis weit in das vierte Quartal 2021 hinein vollst├Ąndig ausverkauft. Was dies in Franken f├╝r den Jahresumsatz 2021 bedeutet, wollte der CEO aber nicht sagen.

Auch langfristig seien die Perspektiven gut, wurde betont. So habe man inzwischen 30 Grossh├Ąndler auf der Kundenliste. Das Ziel seien 50. Doch diese w├╝rden nicht bloss ihre Lager auff├╝llen, um sp├Ąter allenfalls an Installateure zu verkaufen, sagte der Firmenchef. „Auch die Endnachfrage ist gut.“ Ein Beleg daf├╝r sei, dass zum Teil bereits nachbestellt werde.

Zudem sei bereits sp├╝rbar, dass es die Installateure sch├Ątzten, mit einem europ├Ąischen Anbieter direkt sprechen zu k├Ânnen. Das Gros der Anbieter von Solarmodulen stammt bekanntlich aus Fernost.

Keine Sorgen machen dem Firmenchef die k├╝rzlich vermeldeten Verz├Âgerungen beim Hochfahren der Produktion in den beiden Fabriken in Ostdeutschland. „Diese sind nicht substanzieller Natur“, sagte Erfurt. Die fehlenden Teile seien inzwischen auch eingetroffen.

Er betonte ausserdem, dass die Fabriken an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr liefen. Auch die notwendigen 350 Mitarbeiter seien gefunden worden.

Alles in allem gibt es laut dem Firmenchef keine Gr├╝nde, um an den ambitionierten Zielen etwas zu ├Ąndern. Konkret peilt das Unternehmen f├╝r 2023 einen Umsatz von mindestens 550 Millionen Franken an, f├╝r 2027 dann von mindestens 2 Milliarden.

Schon vorher, n├Ąmlich im Jahr 2022, strebt Meyer Burger die R├╝ckkehr in die schwarzen Zahlen an. „Unsere Ambition ist es, im kommenden Jahr die Gewinnschwelle zu erreichen“, wiederholte Erfurt fr├╝her gemachte Aussagen. Gehen die ambitionierten Pl├Ąne des CEO auf, soll die „Tradition“ der roten Zahlen bei Meyer Burger also schon bald zuende gehen. Letztmals schrieb das Unternehmen 2011 einen Jahresgewinn.

An der B├Ârse werden die Pl├Ąne wohlwollend aufgenommen. Die Papiere verteuern sich am Donnerstagmorgen (10.30 Uhr) um rund 3 Prozent. Seit Anfang Jahr haben sie somit gut ein F├╝nftel an Wert gewonnen.

(text:sda/bild:archiv)