19 M├Ąrz 2022

Mehrere Tausend Menschen lauschen in Bern Selenskyjs Worten

An einer Kundgebung auf dem Berner Bundesplatz haben mehrere Tausend Menschen, darunter viele Ukrainerinnen und Ukrainer, den Worten des ukrainischen Pr├Ąsidenten Wolodymyr Selenskyj gelauscht.

„We are one“, „wir geh├Âren alle zusammen“, skandierte die Menge, als Selenskyj aus Kiew zugeschaltet wurde. Die Menschen jubelten, als Selenskyj zu h├Âren war, und der Schweizer Bundespr├Ąsident Ignazio Cassis begr├╝sste „Mr. President“ herzlich und duzte ihn gleich. „Hier auf dem Bundesplatz in Bern sind mehrere Tausend Menschen, lieber Wolodymyr“, sagte Cassis. „Sie alle wollen Dir zeigen, dass Dein Volk nicht alleine ist“.

Die Kundgebungsteilnehmenden spendeten viel Applaus und riefen „we are one“ (wir geh├Âren alle zusammen). Viele hatten ukrainische Flaggen dabei, und manche Frauen hatten sich Blumen ins Haar geflochten. Auf Transparenten wurde Putins Angriffskrieg auf die Ukraine als Verbrechen gegeisselt.

„Wir f├╝hlen mit, wenn das Leid dein Land trifft“, wandet sich Cassis an Selenskyj. Die Menschen seien zutiefst beeindruckt vom Mut des ukrainischen Volkes, wie es f├╝r Demokratie und Freiheit k├Ąmpfe. Beeindruckt sei man auch von der Entschlossenheit, wie es gegen Unterdr├╝ckung aufstehe und Grundwerte der freien Welt verteidige, die auch Werte der Schweiz seien.

Die Schweiz verbinde Neutralit├Ąt mit humanit├Ąrer Tradition, sagte Cassis weiter. Es sei ein kleines Land, das entschieden f├╝r Freiheit einstehe. Sie sei bereit, im Hintergrund zu vermitteln oder Gastgeber f├╝r Verhandlungen zu sein.

„Wir sind dankbar, dass Sie uns unterst├╝tzen und nicht abseits stehen“, sagte Selenskyj zu den Teilnehmenden auf dem Bundesplatz. Er kritisierte aber, dass Schweizer Unternehmen weiterhin Gesch├Ąfte in Russland t├Ątigen.

Der Slogan von Nestl├ę, einer Schweizer Firma, laute „gutes Essen, gutes Leben“, sagte Selenskyj. Und dieses Unternehmen wolle Russland nicht verlassen. „Gesch├Ąfte in Russland funktionieren, obwohl unsere Kinder sterben und unsere St├Ądte zerst├Ârt werden.“

Dass die Schweiz sich gegen den Krieg stelle und auch Sanktionen mittrage, begr├╝sste Selenskyj. Wenn im 21. Jahrhundert mitten in Europa hunderte Bomben fallen, d├╝rfe man nicht einfach nur zuschauen. Er forderte, dass die Schweiz noch mehr tue – wenn das Geld von Oligarchen bei den Banken eingefroren w├╝rde und ihnen deren Privilegien genommen w├╝rden, sei das auch ein Kampf gegen das B├Âse.

Zuvor hatte der Berner Stadtpr├Ąsident Alec von Graffenried nach einer angriffigen Rede gegen den Krieg die Kehlen angew├Ąrmt mit dem alten Vietnam-Protest-Song „War, what is it good for? Absolutely nothing“ („Krieg? Was n├╝tzt er? Absolut rein gar nichts“). Von Graffenried skandierte den Refrain mit der Menge.

Zuvor hatten sich der ukrainische Botschafter Artem Rybchenko an die Demonstrierenden gewandt .“Wir geh├Âren alle zusammen, das stimmt heute auf Bundesplatz und in ganz Europa und wir sind sehr dankbar.“

Ganz wichtig seien humanit├Ąre Hilfe, Schutz und Wohnr├Ąume, damit die Ukrainerinnen und Ukrainer w├╝ssten, dass sie im Angesicht der Not nicht alleine seien.

Auf der B├╝hne auf dem Bundesplatz solidarisierten sich auch Vertretende verschiedener Botschaften in Bern mit der Ukraine.

(text:sda/bild:sda)