2 September 2026

Einigung um Besitz der Kraftwerke Oberhasli KWO

Der Regierungsrat hat die Konzessionsstrategie Wasserkraft überarbeitet und wird sie in der Wintersession dem Grossen Rat vorlegen. Er strebt eine Erneuerung der bestehenden Konzessionen an. Bei der Kraftwerke Oberhasli AG (KWO) will er die Berner Energieversorgungsunternehmen insgesamt stärken: Er hat sich mit den Aktionären darauf geeinigt, dass die im Konsortium EVU Bern zusammengeschlossenen Unternehmen ab 2042 Anspruch auf sechs Prozent der jährlichen KWO-Stromproduktion erhalten. Damit werden diese enger eingebunden, wie es der Grosse Rat gefordert hat.

In den nächsten Jahrzehnten laufen im Kanton Bern mehrere Konzessionen für grössere Wasserkraftwerke aus. Mit der Konzessionsstrategie Wasserkraft schafft der Regierungsrat frühzeitig Klarheit bezüglich der Erneuerung von Konzessionen.

Die Ausgangslage für die Vergabe von Konzessionen ist im Kanton Bern anders als in anderen Wasserkraftkantonen. Bereits heute ist die Wasserkraft mehrheitlich im Besitz von Berner Stromunternehmen. Der Kanton ist mit seiner Beteiligung an der BKW indirekt an zahlreichen Anlagen beteiligt. Damit ist die Zielsetzung anderer Kantone, nämlich die Wasserkraft durch im Kanton ansässige oder eigene Unternehmen zu nutzen, im Kanton Bern bereits weitgehend erfüllt.

Die Berner Unternehmen betreiben ihre Wasserkraftwerke mit den notwendigen Kompetenzen und sind im Kanton und den Regionen bestens verankert. Der Regierungsrat will diese bewährte Zusammenarbeit weiterführen: Wenn Konzessionen auslaufen, sollen sie grundsätzlich wieder den bisherigen Unternehmen erteilt werden. Der Kanton wird auch künftig darauf verzichten, selbst Wasserkraftwerke zu betreiben. Diese Grundsätze der Strategie waren im Grossen Rat bei der Erstbehandlung der Vorlage weitgehend unbestritten.

Mehr Einfluss für Berner Energieunternehmen bei der KWO
Ein wesentlicher Teil der Konzessionsstrategie ist die energiepolitisch wichtigste Konzession der Kraftwerke Oberhasli AG (KWO). Im Grimselgebiet betreibt die KWO den grössten Kraftwerkspark im Kanton Bern. Der Grosse Rat hat die Konzessionsstrategie Wasserkraft bezüglich der KWO jedoch an den Regierungsrat zurückgewiesen. Dies mit der Auflage, die Berner Energieunternehmen insgesamt zu stärken: Er forderte den Regierungsrat auf, das Konsortium EVU Bern, in dem sich Berner Energieversorgungsunternehmen (EVU) zusammengeschlossen haben, in geeigneter Weise an der KWO teilhaben zu lassen. In den letzten Monaten haben Bau- und Verkehrsdirektorin Evi Allemann und Wirtschafts-, Energie und Umweltdirektor Raphael Lanz intensive Gespräche mit den Aktionären sowie den Berner Energieversorgungsunternehmen geführt. Dabei wurden Lösungsmöglichkeiten geprüft, um die Unternehmen des Konsortiums in geeigneter Weise einbinden zu können.

Kleinere Stromunternehmen sollen Anspruch auf KWO-Strom erhalten
Als Ergebnis des Dialogs und der Vermittlung des Regierungsrats haben sich Vertreterinnen und Vertreter der heutigen KWO-Aktionäre und des Konsortiums EVU Bern nun auf eine gemeinsame Lösung geeinigt. Demnach sollen die im Konsortium zusammengeschlossenen Unternehmen ab Anfang 2042 zu Jahreskosten einen Anspruch auf sechs Prozent der Jahresproduktion der KWO erhalten. Zu diesem Zweck wollen die EVU eine neue Aktiengesellschaft gründen.Der Regierungsrat unterstützt diese Lösung und übernimmt sie in die Konzessionsstrategie Wasserkraft. Sie stärkt die bernischen Energieversorgungsunternehmen und bindet diese über den Anspruch auf KWO-Strom enger ein. Schliesslich wird der Regierungsrat in seinem Entwurf für die Erneuerung der Gesamtkonzession der KWO ab 2042 sicherstellen, dass diese eigenständig geführt wird, ihren Sitz in Innertkirchen beibehält, Arbeitsplätze in der Region fördert und konkret umschriebene touristische Infrastruktur zur Verfügung stellt.

Definitive Regelung der Beteiligungen
Zudem hat der Regierungsrat die Beteiligungsverhältnisse an der KWO abschliessend geregelt. Demnach wird die BKW künftig 60 Prozent der Anteile halten, Energie Wasser Bern (ewb) 20 Prozent.Die ausserkantonalen Elektrizitätsversorgungsunternehmen Industrielle Werke Basel (iwb) und Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (ewz) sollen weiterhin als bewährte Partner an der KWO partizipieren, dies mit je 10 Prozent der Aktien. Aktuell besitzen diese beiden Werke zusammen 33,3 Prozent der Anteile. Mit der neuen Aufteilung des Aktionariats sind alle beteiligten Parteien einverstanden. Die KWO-Aktionäre haben sich bereits im Februar 2026 bereit erklärt, die Beteiligungsverhältnisse entsprechend anzupassen.

(text:pd,jkä/archivbild:david birri)