4 August 2023

Mehr als 50 Verletzte bei Ausschreitungen in Stockholm

Bei gewalttĂ€tigen Ausschreitungen am Rande eines eritreischen Kulturfestivals sind in Stockholm mehr als 50 Menschen verletzt worden, unter ihnen mindestens acht schwer. Schwedische Medien berichteten von etwa 1000 Gegendemonstranten, die sich am Donnerstag im Norden der Stadt versammelt und Steine auf Polizisten geworfen hĂ€tten. Aufnahmen zeigten BrĂ€nde auf dem FestivalgelĂ€nde, angezĂŒndete und zerstörte Fahrzeuge und mit Stöcken bewaffnete MĂ€nner. Augenzeugen und Reporter vor Ort sprachen von chaotischen Szenen und SchlĂ€gereien.

Etliche Menschen wurden laut Polizei festgesetzt – rund 140 Menschen im Zusammenhang mit Störungen und der Auflösung einer öffentlichen Versammlung durch die Polizei, 40 hĂ€tten sich nicht im Land aufhalten dĂŒrfen. Eine Person wurde demnach wegen Verdachts auf Brandstiftung festgenommen.

Bis zum frĂŒhen Abend zĂ€hlte die Polizei insgesamt 52 Personen mit unterschiedlich schweren Verletzungen. Die Region Stockholm sprach von 15 Menschen, die ins Krankenhaus gebracht worden seien, unter ihnen acht Schwerverletzte. Ein Polizeisprecher sagte dem Rundfunksender SVT, dass sich ausserdem drei Polizeibeamte Verletzungen zugezogen hĂ€tten. Die Polizei nahm Ermittlungen wegen gewalttĂ€tiger Ausschreitungen, Brandstiftung und schwerer Sabotage der EinsatzkrĂ€fte auf.

Das Festival wird seit Jahren auf einer Wiese im Norden der schwedischen Hauptstadt veranstaltet. Nach Polizeiangaben handelt es sich um eine Zusammenkunft unter anderem mit Seminaren, Debatten, Gesangswettbewerben und einem Jahrmarkt. Unmittelbar neben dem GelĂ€nde gab es demnach eine weitere Zusammenkunft, bei der die Ausschreitungen begonnen haben. Wie die Zeitung „Dagens Nyheter“ berichtete, stand das Festival in der Vergangenheit wegen der Einladung von GĂ€sten in der Kritik, die die politische FĂŒhrung in Eritrea unterstĂŒtzen.

Vor gut dreieinhalb Wochen hatte es Àhnliche Szenen im hessischen Giessen gegeben: Gegner eines Eritrea-Festivals hatten sich auch dort gewalttÀtige Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert. Dabei wurden mindestens 26 Polizisten verletzt. Der Veranstalter, der Verein Zentralrat der Eritreer in Deutschland, gilt als regierungsnah, weshalb auch das Festival umstritten gewesen ist.

Eritrea mit seinen rund drei Millionen Einwohnern liegt im Nordosten Afrikas am Roten Meer und ist international weitgehend abgeschottet. Seit einer in einem jahrzehntelangem Krieg erkĂ€mpften UnabhĂ€ngigkeit von Äthiopien vor 30 Jahren regiert PrĂ€sident Isayas Afewerki in einer Ein-Parteien-Diktatur das Land. Parteien sind verboten, die Meinungs- und Pressefreiheit stark eingeschrĂ€nkt. Es gibt weder ein Parlament noch unabhĂ€ngige Gerichte oder zivilgesellschaftliche Organisationen. Zudem herrscht ein strenges Wehrdienst- und Zwangsarbeitssystem, vor dem viele Menschen ins Ausland fliehen.

(text:sda/bild:unsplash)