13 September 2021

Medwedew l├Ąsst Djokovics Traum vom Grand Slam platzen

Novak Djokovic verpasst am US Open in New York den Grand Slam. Der 34-j├Ąhrige Serbe verliert im Final ├╝berraschend gegen Daniil Medwedew 4:6, 4:6, 4:6, womit der 25-j├Ąhrige Russe seinen ersten Grand-Slam-Titel holt.

Daniil Medwedew avancierte am Tag, an dem Tennis-Geschichte h├Ątte geschrieben werden sollen, zum Spielverderber. Dem Russen schien die Rolle des „Bad Boy“ bei den 24’000 Zuschauenr, unter ihnen viel Sport- und Hollywood-Prominenz, zu behagen. Zwei Stunden lang zeigte der Weltranglisten-Zweite eine herausragende Leistung. Er servierte hervorragend und fand von der Grundlinie die richtige Mischung zwischen Geduld und Angriff. Er spielte sehr aggressiv, machte aber nur wenige Fehler und brachte Djokovic damit von Beginn an arg in N├Âte.

Erst mit dem Sieg vor Augen begann Medwedew zu wackeln. Den ersten Matchball vergab er mit einem Doppelfehler, worauf er prompt das erste Break der Partie kassierte. Noch einmal verk├╝rzte Djokovic auf 4:5 und verwandelte damit das Arthur Ashe Stadion in ein Tollhaus, was den Serben, der w├Ąhrend seiner Karriere in grossen Finals nicht oft das Publikum auf seiner Seite hatte, noch auf dem Platz zu Tr├Ąnen r├╝hrte. „So etwas habe ich in New York noch nie erlebt.“

Nicht erst da war Djokovic der enorme Druck, der auf ihm lastete, anzumerken. Nach dem verlorenen ersten Satz hatte er nicht wie gewohnt in die Komfortzone gefunden, wie er das in den vier Partien zuvor jeweils immer geschafft hatte. Und die wenigen Chancen, die sich ihm boten, nutzte er nicht – vor allem im zweiten Satz. Zuerst vergab er drei Breakchancen in Serie zum 2:0, danach zwei weitere zur 3:1-F├╝hrung.

F├╝r die Protagonisten war diese Phase des Spiels letztlich entscheidend. „Wer weiss, wie sich die Partie entwickelt h├Ątte, h├Ątte ich das Break geschafft“, sagte Djokovic, der aber in erster Linie seinen Gegner lobte. „Daniil hat unglaublich gespielt und war der klar der bessere Spieler.“ Er selbst hingegen habe nicht so viel Energie gehabt, wie gewohnt. Er sei froh, dass es nun vorbei sei. „Mental und emotional habe ich in den letzten zwei Wochen viel durchgemacht.“

F├╝r einmal strahlte Djokovic auf dem Platz nicht die Aura des Unbesiegbaren aus. Ganz anders Medwedew, der auch nach einem neuerlichen Doppelfehler beim zweiten Matchball zumindest ├Ąusserlich cool blieb. „Alles, was man das erste Mal erlebt, ist speziell“, sagte Medwedew. „Mein erster Turniersieg bei den Junioren bedeutete mir sehr viel. Als ich das erste Future gewann, war ich gl├╝cklich.“ Und auch jetzt versp├╝re er eine grosse Zufriedenheit. „Denn du weisst nie, ob du es wirklich einmal schaffen wirst.“

Mit seinem ersten Sieg im dritten Grand-Slam-Final nach dem US Open 2019 und dem Australian Open 2021 verhinderte der Moskauer den Grand Slam von Djokovic, der am Australian Open, am French Open und in Wimbledon triumphiert hatte. „Es tut mir Leid f├╝r ihn, wir wussten alle, was f├╝r ihn auf dem Spiel steht“, sagte er auf dem Platz. Und an den Serben gerichtet, erg├Ąnzte Medwedew: „Du bist f├╝r mich dennoch der Gr├Âsste der Geschichte.“

Don Budge (1938) und Rod Laver (1962 und 1969) sind weiterhin die beiden einzigen Spieler, die an allen vier Major-Turnieren im selben Kalenderjahr siegten. Djokovic bleibt bei 20 Grand-Slam-Titeln und damit gleichauf mit Roger Federer und Rafael Nadal, die auch je 20 Major-Turniere gewonnen haben. „Im Tennis lernt man schnell, ├╝ber bittere Niederlagen hinwegzukommen“, sagte Djokovic, der sechs seiner neun Finals in New York verlor. „Neue Herausforderungen kommen. Ich liebe diesen Sport noch immer und werde weitermachen, so lange ich motiviert bin.“

(text:sda/bild:sda)