2 Oktober 2022

Maurer-Nachfolge: Wer im Rennen ist und wer abgesagt hat

Das Kandidatenkarussell f√ľr die Nachfolge von SVP-Bundesrat Ueli Maurer dreht sich seit dessen R√ľcktrittsank√ľndigung am Freitag. Es kursieren in der Partei zahlreiche Namen f√ľr m√∂gliche Kandidaturen. Die wichtigsten Namen im √úberblick:

WER √úBERLEGT SICH EINE KANDIDATUR?

ALBERT R√ĖSTI: Der Berner Nationalrat und fr√ľhere Pr√§sident der SVP Schweiz wird am h√§ufigsten genannt, wenn es um m√∂gliche Bundesratskandidaten geht. Der promovierte Agronom und Berater legte sich noch nicht fest, er macht sich aber entsprechende Gedanken, wie er gegen√ľber dem Schweizer Radio SRF sagte. Er wolle zun√§chst mit seiner Familie und seiner Partei dar√ľber sprechen. „Zu gegebener Zeit werde ich dann entscheiden, ob ich in dieses Rennen steige“, sagte der 55-J√§hrige. R√∂sti ist Gemeindepr√§sident von Uetendorf und seit 2011 Nationalrat.

NATALIE RICKLI: Offiziell hat sich die Z√ľrcher Gesundheitsdirektorin und fr√ľhere Nationalr√§tin Natalie Rickli noch nicht festgelegt. Dass sie als m√∂gliche Nachfolgerin von Ueli Maurer genannt werde, sei eine grosse Ehre – aber sie habe bis anhin gar nicht √ľberlegt, f√ľr den Bundesrat zu kandidieren, sagte die 45-J√§hrige dem Schweizer Fernsehen SRF. Ihr Fokus liege derzeit auf den Erneuerungswahlen f√ľr den Z√ľrcher Regierungsrat im Fr√ľhling 2023. Sie m√ľsse sich nun zuallererst mit der Partei besprechen, sagte Rickli weiter. Die fr√ľhere Kommunikationsberaterin war von 2007 bis 2019 Nationalr√§tin. 2019 wurde sie in den Z√ľrcher Regierungsrat gew√§hlt.

ESTHER FRIEDLI: Die St. Galler Nationalr√§tin Esther Friedli z√§hlt zu den Favoritinnen f√ľr das Amt, liess eine Kandidatur aber bisher offen. „Es ist noch viel zu fr√ľh f√ľr ein Ja oder Nein zu einer m√∂glichen Kandidatur“, sagte die 45-j√§hrige Politikberaterin und Gastronomin der „NZZ am Sonntag“. Friedli ist seit 2019 im eidgen√∂ssischen Parlament und Partnerin von Toni Brunner.

GREGOR RUTZ: Der Z√ľrcher Nationalrat Gregor Rutz hielt sich vorerst bedeckt, was seine Ambitionen angehen. Der 49-j√§hrige Jurist und Beratungsunternehmer wollte sich zun√§chst nicht √§ussern. Er wolle sich erst mit der Parteileitung absprechen, liess er verlauten. Rutz ist seit 2012 Nationalrat und war von 2001 bis 2008 Generalsekret√§r der SVP Schweiz.

WER HAT ABGESAGT?

MAGDALENA MARTULLO-BLOCHER: Die B√ľndner Nationalr√§tin und SVP-Vizepr√§sidentin Magdalena Martullo-Blocher steht nicht f√ľr eine Bundesratskandidatur zur Verf√ľgung. Die Partei verf√ľge √ľber zahlreiche andere hervorragende Kandidatinnen und Kandidaten, liess die 53-j√§hrige Chefin der Ems-Chemie-Holding der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mitteilen. Die Tochter von Alt Bundesrat Christoph Blocher ist seit 2015 Nationalr√§tin.

TONI BRUNNER: Der fr√ľhere SVP-Parteipr√§sident Toni Brunner aus St. Gallen schliesst ein Polit-Comeback als Bundesrat aus. „Ich w√§re nicht 2018 aus dem Nationalrat zur√ľckgetreten, wenn ich Bundesrat werden wollte“, sagte der 48-j√§hrige Landwirt der „NZZ am Sonntag“. Als Mitglied der Findungskommission stehe er ohnehin nicht zur Verf√ľgung als Kandidat, sagte er. Brunner war von 1995 bis 2018 im Nationalrat und von 2008 bis 2016 Nachfolger von Ueli Maurer an der Spitze der SVP Schweiz.

DIANA GUTJAHR: Die Thurgauer SVP-Nationalr√§tin und Unternehmerin Diana Gutjahr steht momentan nicht f√ľr das Bundesratsamt zur Verf√ľgung. Neue M√∂glichkeiten m√ľssten immer mit der aktuellen Lebensphase vereinbar sein, sagte die 38-J√§hrige der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. „Als ‚Frisch-Mami‘ w√ľrde dies in meinen aktuellen Lebensabschnitt nicht passen.“

FRANZ GR√úTER: Der Luzerner Nationalrat und IT-Unternehmer Franz Gr√ľter sieht sich nicht als Bundesrat. Er werde 60 Jahre alt und „suche das Amt nicht“, sagte der Verwaltungsratspr√§sident des Schweizer Internet- und Rechenzentrenbetreibers Green.ch und fr√ľhere Pr√§sident der SVP des Kantons Luzern der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Gr√ľter ist seit 2015 Nationalrat.

MARCEL DETTLING: F√ľr den Schwyzer Nationalrat Marcel Dettling kommt eine Kandidatur ebenfalls nicht in Frage. Er habe seinen Auftrag als Wahlkampfleiter der SVP und wolle diesen erfolgreich zu Ende bringen, sagte der 41-j√§hrige Landwirt der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Dettling ist seit 2015 Nationalrat.

PIERRE ALAIN SCHNEGG: Abgewinkt hat auch der bernische Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektor Pierre Alain Schnegg. Der 59-jährige Ingenieur in Wirtschaftsinformatik ist seit 2016 Berner Regierungsrat und hatte sich während der Pandemie auf nationaler Ebene profiliert. Im Moment sei er nicht interessiert an einer Kandidatur, sagte er.

PETER SPUHLER: Auch der Thurgauer Unternehmer Peter Spuhler wurde als m√∂glicher Nachfolger von Ueli Maurer ins Spiel gebracht. F√ľr den 63-J√§hrigen ist dies jedoch kein Thema, wie er zur Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte. Spuhler ist Konzernchef des Zugbauunternehmens Stadler Rail. Aus R√ľcksicht auf seine Firma trat er bereits Ende 2012 nach 13 Jahren von seinem Amt als SVP-Nationalrat zur√ľck. Er wollte sich angesichts des „schwierigen wirtschaftlichen Umfelds“ verst√§rkt um seine Firma k√ľmmern, sagte er damals.

WER IST SONST NOCH IM GESPR√ĄCH?

THOMAS AESCHI: Der Zuger Nationalrat Thomas Aeschi gilt als SVP-Fraktionschef praktisch von Amtes wegen zum Favoritenkreis. Der 43-jährige Unternehmensberater war bereits 2015 offizieller Bundesratskandidat um die Nachfolge von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf, unterlag damals aber seinem Parteikollegen Guy Parmelin. Aeschi äusserte sich bislang nicht explizit. Er ist seit 2011 Nationalrat, 2017 wurde er Fraktionspräsident.

WERNER SALZMANN: Der Berner SVP-St√§nderat Werner Salzmann sagte, es sei gut, eine Berner SVP-Vertretung in der Landesregierung zu haben. Er selber habe sich noch keine Gedanken gemacht. Der 59-j√§hrige Steuerchefexperte der Steuerverwaltung des Kantons Bern ist seit 2019 St√§nderat, zuvor war er w√§hrend einer Legislatur Nationalrat. Salzmann ist fr√ľherer Pr√§sident der SVP des Kantons Bern.

C√ČLINE AMAUDRUZ: Die 43-j√§hrige Genfer Nationalr√§tin C√©line Amaudruz galt bisher als m√∂gliche Bundesratskandidatin. Bei der Juristin und Verm√∂gensverwalterin stand allerdings die Vermutung im Raum, dass sie eher Anspruch auf den Sitz des Waadtl√§nders Guy Parmelin anmelden k√∂nnte. SVP-Parteichef Marco Chiesa sagte zudem, dass die Nachfolge von Ueli Maurer „sicher“ aus der Deutschschweiz kommen werde.

JEAN-PIERRE GALLATI: In den Medien als m√∂glicher Bundesratskandidat genannt wurde auch der Aargauer Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati. Der 56-j√§hrige Rechtsanwalt war mal kurzzeitig Nationalrat, n√§mlich von Dezember 2019 bis M√§rz 2020. Danach √ľbernahm er im Aargau den Regierungsratssitz von Franziska Roth nach deren Parteiaustritt und R√ľcktritt. Zu einer m√∂glichen Kandidatur √§usserte er sich zun√§chst nicht.

(text:sda/bild:unsplash)