2 Dezember 2021

Marco Odermatt im ersten Super-G ├╝berlegen

Marco Odermatt f├Ąhrt im ersten Weltcup-Super-G des Winters in einer eigenen Liga. Mit dem ├╝berlegenen Sieg in Beaver Creek, Colorado, setzt er auch im Kampf um den Gesamtweltcup ein Zeichen.

Odermatts unermessliche Qualit├Ąten sind hinl├Ąnglich bekannt. Doch der Nidwaldner versteht es trotzdem immer wieder, die Skiwelt ins Staunen zu versetzen – dann zum Beispiel, wenn er sich wie am Donnerstag in seiner eigenen Welt bewegt, wenn er seine Konkurrenten in Grund und Boden f├Ąhrt.

Es war eine weitere Machtdemonstration Odermatts, ├Ąhnlich der im letzten Super-G des vergangenen Winters bei seinem Sieg in Saalbach-Hinterglemm, den er mit 62 Hundertsteln eingefahren hatte. Nun betrug die Marge auf den Zweitbesten, den Olympiasieger und Gewinner der Abfahrt in Lake Louise, den ├ľsterreicher Matthias Mayer, sogar 78 Hundertstel. Dahinter sorgte der kaum bekannte Broderick Thompson mit Rang 3 f├╝r die ├ťberraschung des Tages. Der Kanadier hatte zuvor erst einmal im Super-G Weltcup-Punkte geholt, dank Platz 24.

Odermatt l├Âste die schwierige, zuweilen komplizierte Aufgabe, die auch im Kreis der bestandenen Athleten einige Ausf├Ąlle forderte, auf der ber├╝chtigten Piste „Birds of Prey“ bravour├Âs. Er verstand es wie kein Zweiter meisterhaft, das Limit auszuloten und trotzdem die Kontrolle ├╝ber seine Ski zu bewahren. Die vorerst gehegte Bef├╝rchtung, im Mittelteil der Strecke einen Spitzenplatz vergeben zu haben, best├Ątigte sich nicht einmal im Ansatz. Auf die Unsicherheit folgte bald einmal die Gewissheit, ein weiteres Mal Ausserordentliches geleistet zu haben. „Ich hatte einen Plan, und den habe ich offenbar sehr gut umgesetzt.“

Odermatt f├╝hrte eine Schweizer Delegation an, die auch als Team ├╝berzeugte. Justin Murisier schaffte in seinem erst sechsten Weltcup-Super-G mit Rang 8 sein zweitbestes Ergebnis in dieser Disziplin, Gino Caviezel egalisierte mit Platz 10 seinen bisherigen Super-G-Bestwert. Stefan Rogentin steigerte seine pers├Ânliche Bestmarke um f├╝nf Pl├Ątze und belegte gemeinsam mit Beat Feuz Rang 12. Urs Kryenb├╝hl, der wegen fehlender Corona-Impfung nicht nach Lake Luise reisen konnte, kehrte gut zehn Monate nach seinem schlimmen Sturz in Kitzb├╝hel mit Platz 16 in den Rennbetrieb zur├╝ck.

Erster im Riesenslalom in S├Âlden, Vierter in der Abfahrt in Lake Louise, und nun wieder Erster im ersten von zwei Super-G in Beaver Creek – das ist ein Leistungsausweis eines Fahrers, der schon zu Beginn des Olympia-Winters deutliche Zeichen an die Konkurrenz im Kampf um den Gesamtweltcup sendet. Es ist eine erste Bilanz eines Athleten, der gegenw├Ąrtig als Einziger in der Lage scheint, in drei Disziplinen ganz vorne mitzumischen.

Odermatt nutzte gleich die erste Gelegenheit, den Ruf des derzeit vielseitigsten Alpinen zu best├Ątigen – dort, wo er vor zwei Jahren ebenfalls im Super-G den ersten seiner mittlerweile sechs Weltcup-Siege errungen hatte. Es war damals ein weiterer Schritt in der (erwarteten) Entwicklung des Nidwaldners. Der Hochbegabte hatte nach der auf schnellstem Weg vollzogenen Etablierung im Zirkel der Besten die n├Ąchste Ebene erreicht.

Zwei Jahre danach hat sich Odermatt nunmehr aufgemacht, den im vergangenen Winter knapp verpassten Coup im zweiten Anlauf zu landen. Die erste Phase des Unternehmens „Gewinn der grossen Kristallkugel“ stimmt auf jeden Fall zuversichtlich.

In der Weltcup-Gesamtwertung hat Odermatt als F├╝hrender 165 Punkte mehr als der Franzose Alexis Pinturault. Sein vermutlich gr├Âsster Rivale im Kampf um den gr├Âssten Glaspokal hat zum Auftakt der vier Speed-Rennen in Beaver Creek als Sechster ├╝berzeugt – und immerhin den Schaden auf den entfesselten Nidwaldner einigermassen in Grenzen gehalten.

(text:sda/bild:sda)