18 September 2023

Lonza-Chef nimmt den Hut – Aktien brechen ein

Lonza-Chef Pierre-Alain Ruffieux wird den Schweizer Pharmazulieferer ├╝berraschend per Ende September verlassen. Ein Nachfolger steht noch nicht fest. An den B├Ârsen kommt der pl├Âtzliche Abgang nicht gut an.

Bis ein Nachfolger gefunden ist, wird Verwaltungsratspr├Ąsident Albert Baehny zus├Ątzlich zu seinen bisherigen Pflichten erneut auch die operative Leitung des Unternehmens ├╝bernehmen. Die Trennung erfolgte laut einer Mitteilung vom Montag in gegenseitigem Einvernehmen. N├Ąhere Gr├╝nde f├╝r den Abgang wollte das Unternehmen auf Anfrage nicht nennen.

Eine m├Âgliche Erkl├Ąrung k├Ânnte jedoch die zuletzt vergleichsweise schlechte operative Leistung von Lonza gewesen sein. So hatte der Pharmazulieferer mit der Ver├Âffentlichung der Halbjahreszahlen die Prognose f├╝r das Gesamtjahr 2023 gesenkt. Auch mittelfristig sieht es bei der Profitabilit├Ąt wohl schlechter aus.

H├Ârt man sich bei Analysten um, so k├Ânnte es zudem Differenzen bei den Zielen f├╝r den neuen strategischen Zyklus ab 2024 gegeben haben. Diese sollen am Kapitalmarkttag Mitte Oktober verk├╝ndet werden.

An den Finanzm├Ąrkten kommt der abrupte F├╝hrungswechsel gar nicht gut an. Er weckt an den M├Ąrkten auch Sorgen. So wird etwa bef├╝rchtet, dass Lonza am Kapitalmarkttag die Jahres- und Mittelfristziele erneut senken k├Ânnte.

Langfristig seien die Aussichten f├╝r Lonza jedoch weiterhin gut, schrieben die Analysten einhellig. Jetzt komme es vor allem darauf an, eine langfristige Nachfolgeregelung zu finden, heisst es von den Finanzexperten.

Konkret verlieren die Lonza-Aktien an der B├Ârse am sp├Ąten Montagvormittag 8,2 Prozent auf noch 456,70 Franken. Ihre bisherigen Jahresgewinne haben sie damit fast vollst├Ąndig wieder abgegeben. Zwischenzeitlich rutschten sie sogar mehr als 10 Prozent ab und markierten ein neues Jahrestief bei 445,40 Franken.

Zuletzt hatte sich das Bild bei Lonza eingetr├╝bt, nachdem das Unternehmen in der Corona-Krise noch von lukrativen Auftr├Ągen f├╝r Corona-Impfstoffe profitiert hatte. Gr├Âssere Bekanntheit erlangte das Unternehmen dabei vor allem durch seien Impfstoff-Auftrag mit Moderna. In der vergangenen Woche hat Moderne gegen├╝ber der Nachrichtenagentur AWP jedoch eine Reduktion der Produktionskapazit├Ąten in Aussicht gestellt.

Auch steigende Zinsen lasten auf der Branche. Insbesondere Biotech-Jungunternehmen k├Ąmen dadurch nicht mehr so einfach an Geld, um neue Projekte zu finanzieren. Und auch die Konsumenten seien bei ihren Ausgaben zur├╝ckhaltender, was Lonza etwa bei Kapseln f├╝r Nahrungserg├Ąnzungsmittel zu sp├╝ren bekomme. Die Anlagen von Lonza sind insgesamt also deutlich weniger ausgelastet, was den Profit schm├Ąlert.

Pierre-Alain Ruffieux hatte erst vor knapp zwei Jahren im November 2020 das Zepter bei Lonza ├╝bernommen. Er kam seinerzeit vom Pharmariesen Roche, wo er f├╝r den Bereich Global Pharma Technical Operations t├Ątig war.

Bevor Ruffieux sein Amt antrat, leitete Verwaltungsratspr├Ąsident Baehny schon einmal die Gesch├Ąfte von Lonza f├╝r rund ein Jahr interimistisch. Der damalige Chef Marc Funk war Anfang 2020 nach nur knapp einem Jahr aus pers├Ânlichen Gr├╝nden gegangen. Anfang 2019 hatte Funk den langj├Ąhrigen Konzernchef Richard Ridinger ersetzt.

Die Suche nach einem Nachfolger f├╝r Ruffieux werde bald beginnen, hiess es nun. Einen konkreten Zeitplan f├╝r die Nachfolgeregelung gebe es noch nicht. Baehny werde jedoch so lange im Amt bleiben, bis ein Nachfolger ├╝bernehmen k├Ânne.

(text:sda/bild:keystone)