12 MĂ€rz 2024

Lebenserwartung durch Corona stÀrker gesunken als bisher angenommen

Die Corona-Pandemie hat die Lebenserwartung weltweit stĂ€rker sinken lassen als bislang angenommen. 2020 und 2021 ist die durchschnittliche globale Lebenserwartung um 1,6 Jahre zurĂŒckgegangen, wie eine am Dienstag im Fachblatt „The Lancet“ veröffentlichte Studie zeigt.

FĂŒr die Untersuchung hatten hunderte Wissenschaftler Daten des in den USA ansĂ€ssigen Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) ausgewertet. „FĂŒr die Erwachsenen in aller Welt hatte die Corona-Pandemie schwerere Folgen als alle anderen Ereignisse in einem halben Jahrhundert, darunter Konflikte und Naturkatastrophen“, bilanzierte IHME-Forscher Austin Schumacher, der federfĂŒhrend an der Studie beteiligt war.

In den Jahren 2020/2021 sank der Auswertung zufolge die Lebenserwartung in 84 Prozent der 204 untersuchten LĂ€nder und Gebiete. Dies mache die „zerstörerischen“ Auswirkungen neuer Viren deutlich.

In den ersten beiden Corona-Jahren lag die Übersterblichkeit, also die Differenz zwischen der tatsĂ€chlichen Totenzahl und der Totenzahl, die ohne eine Pandemie zu erwarten gewesen wĂ€re, laut der IHME-Studie weltweit bei 15,9 Millionen TodesfĂ€llen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) war bislang von einer um eine Million geringeren Übersterblichkeitszahl ausgegangen.

Die Todesrate bei MĂ€nnern und Jungen ab 15 Jahren stieg der Studie zufolge 2020/2021 um 22 Prozent und bei Frauen und MĂ€dchen um 17 Prozent. Zu den Orten, an denen die Lebenserwartung in den Corona-Jahren am stĂ€rksten zurĂŒckging, zĂ€hlen Peru, Bolivien und Mexiko-Stadt.

Der RĂŒckgang der Lebenserwartung ist umso frappierender, als die weltweite durchschnittliche Lebensdauer in den vergangenen Jahrzehnten stetig angestiegen war. Anders als bei den Erwachsenen ging die Sterblichkeit bei kleinen Kindern unter fĂŒnf Jahren laut der IHME-Auswertung aber auch in den Corona-Jahren weiter zurĂŒck. Demnach starben 2021 weltweit etwa eine halbe Million weniger kleine Kinder als 2019.

LĂ€ngerfristig betrachtet leben die Menschen trotz des Corona-RĂŒckschlags immer noch deutlich lĂ€nger als frĂŒher. Betrug die Lebenserwartung 1950 im weltweiten Durchschnitt 49 Jahre, seien es 2021 72 Jahre gewesen, erlĂ€uterten die IHME-Forscher. Die Menschheit mĂŒsse sich allerdings auf „die nĂ€chste Pandemie“ vorbereiten und „die grossen Ungleichheiten zwischen den LĂ€ndern bei der Gesundheitsversorgung“ bekĂ€mpfen, mahnte IHME-Forscherin Hmwe Hmwe Kyu.

(text:sda/bild:keystone)