11 April 2022

Leben mit dem Biber in MĂŒnsingen

Seit seiner RĂŒckkehr vor einigen Jahren stellt der Biber sein Gebiet ziemlich auf den Kopf: er fĂ€llt BĂ€ume, grĂ€bt in Uferböschungen, staut die Giessen und klaut in den nahen Feldern ZuckerrĂŒben. Damit sorgt der Nager nicht nur fĂŒr Freude. Auf Grund seines Schutzstatus gibt es aber nur eins: den GewĂ€ssern wo immer möglich genĂŒgend Raum geben und wo nötig Schutzmassnahmen ergreifen.

GemĂ€ss Bundesgesetz ĂŒber die Jagd und den Schutz wildlebender SĂ€ugetiere ist der Biber geschĂŒtzt. Auch auf europĂ€ischer Ebene ist der Biber im Rahmen der Berner Konvention (einem völkerrechtlichen Vertrag zum Schutz der wildlebenden Tiere und Pflanzen und ihrer LebensrĂ€ume in Europa) geschĂŒtzt. Und gemĂ€ss Rote Liste von 1996 gilt der Biber immer noch als „vom Aussterben bedrohte Art“. Aber nicht nur der Biber ist geschĂŒtzt, sondern auch sein Lebensraum und somit auch all seine Bauten (DĂ€mme und Burgen). Dies wird ĂŒber das Natur- und Heimatschutzgesetz und das Wasserbaugesetz geregelt. Daher dĂŒrfen Biber-DĂ€mme auch nicht einfach entfernt oder Bauten zugeschĂŒttet werden, wenn es zu Konflikten mit dem Menschen kommt.

Da in MĂŒnsingen die Giessen teilweise mitten durch das Siedlungsgebiet fliessen und Stauungen durch Biber-DĂ€mme sehr rasch zu grossen Problemen fĂŒhren wĂŒrden, hat die Gemeinde mit dem kantonalen Jagdinspektorat eine Vereinbarung abgeschlossen. Diese ermöglicht der Gemeinde innerhalb des Siedlungsgebiets schnell zu handeln. In der sogenannten „Interventionszone“ kann der Werkhof in Absprache mit dem WildhĂŒter Biber-DĂ€mme entfernen. Privat-Personen ist dies untersagt. In den Giessenabschnitten ausserhalb des Siedlungsgebietes soll der Biber seinen Lebensraum jedoch möglichst frei gestalten und DĂ€mme und Bauten errichten können. Das revidierte GewĂ€sserschutzgesetz (seit 2011 in Kraft) nimmt darauf RĂŒcksicht. Es definiert den GewĂ€sserraum mitsamt dem Uferbereich und weist den GewĂ€ssern einen genĂŒgend grossen Raum zu.

Der Biber ist ein fleissiger Wasserbauingenieur. Werden DĂ€mme (unerlaubterweise) aufgebrochen oder gar entfernt, dauert es in der Regel nur wenige NĂ€chte, bis sie wieder errichtet sind. Auch das Wegfangen von Tieren bringt höchstens sehr kurzfristig etwas, weil das nĂ€chste Jungtier rasch „nachrĂŒckt“. Aus all diesen GrĂŒnden sind, wo notwendig, Schutzmassnahmen besonders wichtig. Um BĂ€ume im Ufergehölz oder angrenzenden GĂ€rten vor den scharfen NagezĂ€hnen des Bibers zu schĂŒtzen, können sie mit einer Drahthose (mind. 1.2 m hoch) aus Diagonal-Metallgeflecht eingepackt (siehe Abbildung) oder mit einem SchĂ€lschutz (Wöbra) bestrichen werden.

(text:pd/bild:unsplash)